Stolberg - Villa Lynen blickt auf wechselvolle Geschichte zurück

Villa Lynen blickt auf wechselvolle Geschichte zurück

Von: dö
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Vor mehr als 100 Jahren lag an der Rathausstraße das Wohnhaus der Familie Lynen. Ein fünfachsiges Gebäude, das beidseitig von Bäumen flankiert wurde. Heute befindet sich das Gebäude im städtischen Besitz und wird von den Schützen genutzt.

Zum Haus gehörte eine kleine Parkanlage. Zwischen den Bäumen war die Turmspitze der Antonius-Kapelle zu sehen, die einst auf dem Vorplatz des Bethlehem-Krankenhauses lag. Zur Straße hin wurde der zweigeschossige Bau von einer Mauer begrenzt. Die Fassadengestaltung des um 1850 entstandenen Gebäudes ist schlicht, aber gediegen. Unterhalb des Hauptgesims war ein Rundbogenfries zu sehen.

Über den Fenstern im Obergeschoss lagen antikisierende Giebelchen. Ferner trug ein rundum verlaufendes Gesimsband zur Gliederung bei. Bauherr war vermutlich der Industrielle Christian Lynen. Er hatte 1858 gemeinsam mit Julius von Asten an der Kupfermeisterstraße das Metallwerk „von Asten & Lynen“, heute „KMD“, gegründet. Sein Sohn Robert, der die Firma später übernahm, beauftragte 1911 seinen Schwager, den Architekten Carl Wilhelm Schleicher, mit einem Neubau.

Schleicher konzipierte an gleicher Stelle eine solitäre Stadtvilla. Das 1913 fertig gestellte Gebäude ist repräsentativ. Besonders aufwendig ist das Erdgeschoss gestaltet: Dortiger Mittelpunkt ist ein Foyer, das von einer Küche sowie Herren-, Empfangs- und Esszimmer flankiert wurde. Zur Gartenseite schlossen sich Wintergarten und Terrasse an. Im Obergeschoss lag mit „Fremden“-, Wohn- und Schlafzimmer der Wohnbereich.

Im Dachgeschoss waren Dienstboten ansässig. 1919 wurde im hinteren Bereich eine Garage errichtet, der eine Wohnung für den Chauffeur angeschlossen war. Diese Gliederung, wenn auch anders genutzt, ist heute noch zu sehen. 1944 vermachte der Sohn von Robert Lynen, Oskar Lynen, die Villa der Stadt Stolberg. Seitdem wird der prächtige Bau, nach einer kurzen Zwischennutzung von der US-amerikanischen Besatzung, von der Stadtverwaltung genutzt. 1959 entstand rechts ein Anbau, der bis 1989 die Stadtbücherei enthielt.

Er wird heute von den beiden innerstädtischen Schützengesellschaften als Schießhalle und Vereinszimmer genutzt. Kunstgeschichtlich bedeutend ist das Jugendstilfenster im Treppenhaus. Das Halbrundfenster mit seinen Pflanzenornamenten wurde 1973 in der Linnicher Glasmalereiwerkstatt Oidtmann restauriert. Eine Restaurierung erhielt von 2006 bis 2007 auch die Außenhülle der Villa Lynen.

Die Fassade wurde gereinigt und Schäden an den aus Tuff, Sandstein und Basalt bestehenden Baumaterialien beseitigt. Erhalten blieben aber die Granateinschläge aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Denn zur Prämisse des Denkmalschutzes gehört es, das Veränderungen - soweit sie nicht die Bausubstanz gefährden - erhalten bleiben sollen. Im Oktober 1985 wurde die Villa Lynen in die Denkmalliste der Kupferstadt Stolberg eingetragen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert