Aachen - Vierter Kreuzbandriss besiegelt Erdal Celiks Karriereende

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Vierter Kreuzbandriss besiegelt Erdal Celiks Karriereende

Von: Helga Raue
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So schön jubelte er als Spieler: Erdal Celik, hier im Spiel der Vichttaler gegen Alemannia Aachen II 2017. Foto: Martin Ratajczak
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Bei der Arbeit mit dem Nachwuchs: Die jungen Fußballer des VfL Vichttal beim Wintertraining in der Halle.

Fußball Aachen. Man kann es positiv formulieren und sagen, dass er Fußballer mit Leib und Seele ist. Man könnte aber auch sagen, dass es schon etwas verrückt ist, was man sich selbst antut, um seiner Leidenschaft zu frönen. Und Leidenschaft – das ist der Fußball für Erdal Celik auf jeden Fall.

Deshalb ist sein Karriereende auch nicht sein Karriereende. Zwar wird der 30-Jährige nicht mehr im Trikot des Mittelrheinligisten VfL Vichttal auflaufen, aber als Jugendtrainer wird er dem Fußball eng verbunden bleiben.

Eine schwere Entscheidung, die Erdal Celik drei Monate vor sich hergeschoben hatte, letztlich musste er aber auf seinen Arzt hören. „Der hat gesagt, wenn ich weitermache und es passiert wieder etwas, würde ich nie mehr spielen können. Aber ich möchte ein Trainer sein, der dem Nachwuchs etwas selbst zeigen kann“, sagt Celik bedauernd.

Leidenschaft muss man empfinden, ein wenig verrückt aber auch sein – im Oktober 2017 erlitt Celik seinen vierten Kreuzbandriss. Ausgerechnet am 22. Celik lacht: „An dem Tag ist mein Sohn Haci morgens geboren worden. Ich bin danach aber noch zum Treffpunkt gerast und mit der Mannschaft in Arnoldsweiler aufgelaufen“, erinnert sich der 30-Jährige.

Nach 67 Minuten war Schluss – und ihm war gleich klar, dass es ihn ernsthaft erwischt hatte. Zehn Operationen am Kreuzband und Meniskus hat er bereits über sich ergehen lassen. „In den letzten 15 Jahren habe ich nicht einmal ohne Schmerzen geschlafen“, gibt Celik ehrlich zu – und hadert immer noch ein wenig mit seiner Entscheidung: „Ich könnte noch Fußball spielen, das weiß ich, aber...“

Der Fußball hat sein Leben bestimmt – und wird es weiter tun. Mit drei Jahren kam der junge Kurde aus dem türkischen Gaziantep mit seinen Eltern und acht Geschwistern nach Deutschland, zog in die Eifel nach Schmidt. Und schnürte mit acht Jahren beim dortigen TuS seine Fußballschuhe. 2000 zog die Familie nach Düren – wegen des Fußballs. „Ein Scout hatte mich entdeckt, und ich bin zu den C 2-Junioren von Bayer Leverkusen gewechselt. Von Schmidt aus gab es aber keine gute Verkehrsanbindung“, erläutert Celik.

Mit Leverkusen wurde er 2007 Deutscher Meister der A-Junioren, gewann damals 2:1 im Finale gegen Bayern München, für das unter anderem Thomas Müller, Toni Kroos und Holger Badstuber aufliefen. Mit dem Sprung zu den Bayer-Senioren klappte es nicht, und so wechselte Erdal Celik – mit dem Abschluss als Bürokaufmann in der Tasche – mit Keeper David Hohs zum damaligen Oberligisten Alemannia Aachen II. Und riss sich schon in der Vorbereitung zum ersten Mal das Kreuzband.

„Nur die letzten acht Saisonspiele – mit Abdul Özgen und Lewis Holtby im Team – konnte ich im Alemannia-Trikot unter Thomas Hengen machen. Für die erste Mannschaft unter Jürgen Seeberger konnte ich mich so nicht empfehlen“, erinnert sich Celik. Ebenso wie an seinen „ersten Fehler“: „Mein Berater hatte mir gesagt, mein Vertrag bei Eskisehirspor sei fix, deshalb bin ich von Aachen in die Türkei gewechselt. Doch als ich ankam, sollte ich plötzlich nur ein Probetraining machen.“ Der Türkei-Traum platzte, Celik blieb in der Hinserie 2008/09 vereinslos, kam kurz vor der Winterpause noch einmal bei Leverkusen II unter.

Erneut spielte er zwei Jahre lang für Bayer – es folgte Kreuzbandriss Nummer 2 und wieder der Kampf zurück ins Team. Doch dann hatte der junge Deutsch-Türke Glück, der damalige Drittligist Rot-Weiß Aachen bot ihm einen Profivertrag an – im Januar 2011 wechselte er. „Dann habe ich den zweiten großen Fehler gemacht – und wieder die Türkei“, berichtet Celik seufzend.

Doch das große Geld lockte den jungen Spieler verständlicherweise, so unterschrieb er – übrigens auf Vermittlung des Ex-Alemannen Özgen – für drei Jahre bei Bucaspor. Die Freude über den guten Vertrag währte nur ganze zwei Wochen. „Dann sagte mir der Trainer, er hätte mich nicht ausgesucht, würde mich daher auch nicht spielen lassen.“

Insgesamt kam Celik nur auf neun Einsätze, kein einziger davon in der Startelf – zog sich zudem den dritten Kreuzbandriss zu. Und Geld sah er auch nicht. „Nach einem Jahr war ich mürbe, ich wollte nur noch weg. Es hat mich richtig fertig gemacht, dass der Trainer mich nicht mit dem Hintern angeschaut hat“, so Celik, der den eigentlich gut dotierten Vertrag auflöste.

Glück im Unglück

Kurz sah es so aus, als würde Celik künftig für Aserbaidschan spielen, das ein junges Nationalteam aufbauen wollte, doch nach zwei Monaten zerschlug sich die Hoffnung. Glück im Unglück – Celik unterschrieb im September 2012 beim Südwest-Oberligisten FC Homburg unter Coach Christian Titz. „Christian spielt seither eine wichtige Rolle in meinem Leben“, so Celik. Auch sportlich lief es nun gut, in der folgenden Saison agierte er ein Jahr lang – unter Trainer Stefan Emmerling – für den Regionalligisten Wormatia Worms.

Dann kam Titz erneut ins Spiel. „Christian machte mir das Angebot, Teil des Vichttaler Projekts 2004 zu werden“, so Celik, der seit Februar 2015 in der ersten Mannschaft des VfL spielte und mit dieser im Sommer 2017 in die Mittelrheinliga aufstieg. Und seither im von Titz initiierten Jugendprojekt mitwirkt. „Das war eine schwere Entscheidung, ich hätte noch gut Geld im Fußball verdienen können. Die Entscheidung für den Amateurfußball war das Ende meiner Profikarriere.“

Als Titz im Sommer 2015 die U 17 des Hamburger SV übernahm, wurde Celik sein Nachfolger in Vichttal. „Das Jugendprojekt läuft über acht Jahre. Ich habe die Mannschaft als E 1 in der Kreisklasse übernommen – und in diesem Winter haben wir uns als Bezirksliga-Meister der U 14 vor Alemannia Aachen für die Mittelrheinliga qualifiziert“, verweist Celik mit berechtigtem Stolz auf den Erfolg des Projekts.

Das Projekt 2004 (benannt nach dem Jahrgang) will die jungen Fußballer auch bei einem kleineren Verein so ausbilden, dass sie keinen Nachteil gegenüber den Akteuren aus den Nachwuchsleistungszentren großer Klubs haben. „Fünf Spieler haben schon den Sprung von uns in Leistungszentren anderer Klubs geschafft“, hat der VfL-Nachwuchs Begehrlichkeiten geweckt. Das Sprungbrett VfL nutzten unter anderem Serhat und Tuncay Türkmen (beide Alemannia Aachen) und Luca Langer (Borussia Mönchengladbach).

Nun also die Karriere nach der Karriere. „Jetzt konzentriere ich mich auf meinen Job und das Traineramt“, sagt Celik, der seit drei Jahren beim Stolberger Ordnungsamt arbeitet. Auch die zweite Karriere geht Celik mit Ehrgeiz an, der B-Lizenz (Junior Elite) in diesem Jahr soll schon im nächsten die A-Lizenz folgen. Hohe Ziele hat Celik sich auch mit seinem Team gesetzt. „Platz eins in der Mittelrheinliga“, sagt er lachend, wohl wissend, dass das schwer wird. Aber: „Ich kann nicht anders, man hat uns in Leverkusen beigebracht, dass der Zweite der Verlierer ist.“

Und so läuft auch das Training des Nachwuchses professionell ab. Schon kurz nach Jahresbeginn ging es mit dem Training weiter. Unterstützt wird Celik von seinem Bruder Ibrahim (37), mit dem er in Düren eine Fußballschule betreibt, die seit zwei Jahren Individualtraining und Camps in Vichttal anbietet.

Vertrag um fünf Jahre verlängert

„Ohne Ibo wäre ich übrigens nie so weit gekommen“, dankt Erdal Celik seinem Bruder. „Er hat damals auch beim TuS Schmidt gespielt. Doch danach hat er mich immer nach Leverkusen gefahren und mich auch beraten. Es ist wichtig, dass starke Menschen hinter jungen Spielern stehen“, sagt Celik, der gerade seinen Vertrag beim VfL um weitere fünf Jahre verlängert hat.

„Es tut momentan noch weh, dass die Karriere nun beendet ist. Aber ich hoffe, dass ich dem Nachwuchs einiges von meinem Wissen weitergeben kann.“

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