Vier Standorte geprüft: 427 Hektar bieten Platz für Windenergie

Von: Jürgen Lange
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Einer von vier möglichen Standorten für Windkraftanlagen im Stadtgebiet umfasst den „Hedchensknepp“, den Waldzug hinter dem mittlerweile aufgeforstenen Kahlschlag oberhalb Zweifalls (unten rechts). Neben der Landesstraße 24 (links am Bildrand) würde sich in der Gemarkung „Wolberberg“ eine weitere Konzentrationsfläche anschleißen. Jeweils bis zu drei Windräder halten die Planer in diesen Arealen für machbar. Foto: J. Lange

Stolberg. Einen weiteren wichtigen Schritt zur Ausweisung zusätzlicher Konzentrationszonen für die Windenergieanlagen hat jetzt der Stadtrat gemacht. Es sind 427,1 Hektar an vier Standorten, die in die engere Auswahl gekommen sind und nun in Flächennutzungsplan ausgewiesen werden sollen.

Allerdings wird es noch ein gutes Jahr dauern, bis es zu einer Realisierung von neuen Anlagen im Stadtgebiet kommen kann.

„Und damit sind wir im Vergleich zu anderen Kommunen durchaus schnell“, betont Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt angesichts des umfangreichen Verfahrens und aufwendiger Prüfungen. Erst im Dezember vergangenen Jahres hatte der Stadtrat den Einstieg in die Ausweitung des energiepolitischen Engagements in der Kupferstadt beschlossen. Im Februar wurde ein Aachener Fachbüro beauftragt, ein Plankonzept vorzulegen.

Das hat zunächst anhand von möglichen Restriktionen das Stadtgebiet danach untersucht, welche Bereiche grundsätzlich nicht für eine Nutzung mit Windenergie geeignet sind. Dabei wurden beispielsweise eine mangelnde Windausbeute und Siedlungsbereiche ebenso berücksichtigt und rechtliche Aspekte wie Naturschutzgebiete oder Lärmschutz. Darüber hinaus schreiben Gesetze klar definierte Abstandsflächen für Windenergieanlangen vor.

Die ermittelten Potenzialflächen wurden außerdem mit den von der Stadt einheitlich vorgegebenen Kriterien abgeglichen, in denen Windenergieanlagen nicht erwünscht sind. Dazu zählen Abstände zu Ortschaften und Schutzgebieten, Freiraumfunktionen mit besonderem Gewicht, aber auch Flächengröße und ihr Zuschnitt.

„Als Ergebnis der Restriktionsanalyse konnten zunächst 14 Flächen mit einer Gesamtgröße von 1342,4 Hektar ermittelt werden, die grundsätzlich geeignet sind“, erläutert Pickhardt. Diese wurden dann sorgfältig anhand der formulierten Kriterien geprüft und bewertet. Dabei ging es dann noch einmal um die Leistungsdichte bei Windkraftnutzung, Fragen von Landschafts-, Wasserschutz und Biotope, Überschwemmungsgebiete, Denkmäler und Richtfunkstrecken. „Im Ergebnis verbleiben vier Bereiche, die als mögliche Standorte in Frage kommen“, so Pickhardt.

Einen weiteren fünften, 19 Hektar großen Standort bei Steinbachs­hochwald hatte darüber hinaus der Stadtrat für die weiteren Untersuchungen vorgeschlagen. Doch der schied – wie von den Planern befürchtet – wenige Tage später wieder aus: Die für die Luftfahrt zuständige Bezirksregierung Düsseldorf erteilte wegen möglicher Beeinträchtigungen des Flugverkehrs auf Merzbrück eine Absage.

Zwei Bereiche sind städtisch

Damit verbleiben vier Areale in Waldbereichen im weiteren Verfahren:

Hedchensknepp“ im Stolberger Wald zwischen Breinig, Zweifall und Vicht (51 Hektar), „Wolberberg“ im Münsterwald zwischen Breinig, Zweifall und Venwegen (82,3 Hektar), der Laufenburger Wald am östlichen Rand des Stadtgebietes an der Grenze zur Gemeinde Langerwehe (224,1 Hektar) und eine Fläche östlich von Drei-Kaiser-Eichen am südöstlichen Rand des Stadtgebietes an der Grenze zur Gemeinde Simmerath (69,7 Hektar).

Die ersten beiden Flächen befinden sich in städtischen Eigentum. „Jeweils zwei bis drei Windenergieanlagen könnten dort realisiert werden“, blickt Pickhardt vorsichtig in die Zukunft, dort Einnahmen für die Stadtkasse generieren zu können. Die größte Potenzialfläche im Laufenburger Wald befindet sich in Privatbesitz; die Fläche bei Drei-Kaiser-Eichen ist Staatsforst. Zur Refinanzierung der Kosten für die Ausweisung der Konzentrationszonen ist es geplant, dass Pächter städtischer Flächen sowie sonstige Private, die von der Planung profitieren, an den Kosten des Verfahrens beteiligt werden.

Das ist längst noch nicht abgeschlossen. Zunächst müssen die Details der Änderung des Flächennutzungsplans angelassen werden, was ebenfalls ein Planungsbüro übernehmen soll. Dazu gehört eine frühzeitige Beteiligung der Behörden und Träger öffentlicher Belage ebenso wie eine Bürgerbeteiligung.

Gleichzeitig soll mit der Artenschutzprüfung an den Standorten begonnen werden. Sie muss sich über eine Vegetationsperiode hinziehen, was nichts anderes bedeutet, als dass ein Jahr lang die Entwicklung von Flora und Fauna auf den vier Flächen untersucht wird. Damit ist eine rechtskräftige Ausweisung der Konzentrationsflächen für Ende 2014 zu erwarten.

Bereits zum Ende diesen Jahres möchte die Verwaltung in die Vermarktung der städtischen Flächen einsteigen, um geeignete Investoren oder Partner für den Ausbau der Windkraft zu finden.

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