Stolberg - Vielfältige Angebote bei der Beratungsstelle für Familien

Vielfältige Angebote bei der Beratungsstelle für Familien

Von: Jessica Küppers
Letzte Aktualisierung:
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Spielerisch mit Problemen umgehen: Sabine Rommel (r.) und Urte Schink setzen bei Kindern oft das Familienbrett ein. In dieser Beispielfamilie wäre der Vater als schwarze Figur das Problem. Foto: J. Küppers
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Die Beratungsstelle ist über den Hintereingang des Stolberger Kulturzentrums an der Frankentalstraße zu erreichen.

Stolberg. Das junge Paar hatte sich sein Leben wahrscheinlich auch anders vorgestellt. Doch nach einigen Jahres des Zusammenlebens geht es nicht mehr. Es will sich trennen. Weil die beiden aber ein gemeinsames kleines Kind haben, suchen sie Hilfe in der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Städteregion in Stolberg.

Urte Schink nimmt sie in ihrem Büro im Kulturzentrum in Empfang –ohne Antrag, nur mit Anruf. Denn ohne Termin gehe es nicht, sagt sie. Bei der erfahrenen Psychologin kann das Paar seine Fragen loswerden. Sie wollen wissen, wie sie sich am besten verhalten sollten und das Wichtigste: Was sie tun müssen, damit das Kind den Vater auch nach der Trennung nicht vergisst.

Schink betreut viele solcher Fälle. Die Zahl der Familienkonflikte nehme weiter zu, sagt sie. Knapp ein Drittel der knapp 450 Familien, die jährlich in der Stolberger Beratungsstelle auftauchen, haben Probleme mit einer Trennung- oder Scheidung der Eltern. Im Fokus stünden dabei aber immer die Kinder und Jugendlichen, sagt sie. Von Fall zu Fall werde dann entschieden wie weiter vorgangenen werde. „Manchmal reicht ein ausführliches Beratungsgespräch wie im Fall des jungen Paares“, erklärt die Beraterin. Manchmal sei es aber auch sinnvoll, mit der ganzen Familie gemeinsam über einen längeren Zeitraum zu arbeiten.

Für ihre Arbeit und die stetige Weiterentwicklung des Angebotes ist die Beratungsstelle als eine von dreien in der Städteregion durch die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung jetzt zum fünften Mal mit einem Gütesiegel ausgezeichnet worden. Dafür haben die Mitarbeiter ein Konzept ausgearbeitet und hinterfragen regelmäßig ihr Handeln. So haben sie im vergangenen Jahr die Sozialraumperspektive näher unter die Lupe genommen. „Es ging darum, wie wir uns in Stolberg noch besser mit Familienzentren und anderen Einrichtungen vernetzen können, und wie wir die Stolberger noch besser erreichen können.“

Um einen besseren Zugang zu den Jugendlichen zu haben, gibt es auch ein Onlineangebot. „Rund um die Uhr gibt es einen Chat“, erklärt Leiter der Beratungsstelle Raimund Lanser. Rund 60 Mitarbeiter sind online im Einsatz. Außerdem gebe es die Möglichkeit, eine Mail zu schicken, so Lanser weiter.

Manchmal sei es für die Jugendlichen einfacher, Kontakt unter einem Pseudonym aufzunehmen, ergänzt Schink. Eine Beratung funktioniere aber nur vor Ort, sagt sie weiter. Auch das ist ein Grund für die Auszeichnung mit dem Gütesiegel. Bis November 2017 gilt es. Dann kann es ein erneutes Wiederholungsverfahren geben mit neuen Herausforderungen für die Berater.

Die Mitarbeiter kümmern sich aber nicht nur um Trennungs- und Scheidungsfälle. Zu den Aufgabengebieten zählen unter anderem Trauerbegleitung, Erziehungsfragen, Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsverzögerungen. Für den Bereich sexueller Missbrauch ist Sozialpädagogin Sabine Rommel zuständig. Sie betont vor allem die Vielseitigkeit, die in der Beratungsstelle abgedeckt werden muss: „Wir wissen ja zu Beginn nie, wie sich ein Fall entwickelt, und was dahinter steckt.“

Um das herauszufinden, nehmen sich die Berater Zeit und sprechen die Vorgehensweise immer wieder mit den Hilfesuchenden, den sogenannten Klienten ab. „Wir tun nichts gegen ihren Willen“, versichert Schink. Das gelte auch für Beratungstermine, die als richterliche Auflage vereinbart werden. Es werde niemand gezwungen, dort zu erscheinen.

Wenn Familien als Auflage des Gerichtes in die Beratungsstelle kommen, sei es oft für die Mitarbeiter eine besondere Herausforderung, gibt Schink zu. Vor allem wenn eine solche Auflage zum wiederholten Mal angeordnet werde. „Die Grundstimmung ist dann häufig nicht so wahnsinnig positiv.“ In solchen Fällen sei eine hohe Frustrationstoleranz auch von den Beratern gefordert, weil die Termine nicht immer zu einem „Happy End“ führen würden. Dann sei eine Entscheidung des Richters notwendig.

Nicht jedem Klienten helfen zu können, geht manchmal an den Mitarbeitern nicht spurlos vorbei. An einen Fall erinnert sich die Psychologin besonders. „Das war eine junge Frau, die zu uns gekommen ist, weil ihre Eltern zerstritten waren“, erzählt sie. Mit dem Vater konnte sich die Frau nur heimlich treffen, weil ihre Mutter bei diesem Thema regelmäßig ausflippte. Die Folge: Sie fühlte sich innerlich total zerrissen und musste einfach mal mit jemandem darüber reden. Die Eltern zu einem Gespräch zu bewegen, kam für die Frau jedoch nicht in Frage und so musste Schink sie unverrichteter Dinge gehen lassen, auch wenn sie eine andere Lösung für sinnvoller hielt.

Als Berater müsse man zudem viele Emotionen aushalten, sagt Schink. So könne es schonmal passieren, dass bei den Hilfesuchenden die Emotionen hochkommen und sie in Tränen ausbrechen. Es sei aber wichtig, nichts schön zu reden.

Bringt ein Fall die Berater an ihre eigenen Grenzen, gibt es eine sogenannte Supervision. Das sind Beratungsgespräche für die Mitarbeiter, in denen auch sie das Erlebte ansprechen können.

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