Viele kleine Wunder im Bach

Von: Johannes Mohren
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Stolberg-Vicht. „Ich habe etwas gefunden”, tönt es aus der Flussmitte zum Ufer. Die neunjährige Bianca steht inmitten des Vichtbachs und reckt strahlend einen großen Stein empor. Ausgerüstet mit einer Wasserschale, Lupe und Pinsel macht sie sich eifrig an die Arbeit, um das am Stein entdeckte Wassertier zum Ufer zu transportieren

Staunende und erwartungsvolle Blicke richten sich in die Schale des Mädchens, als die anderen Kinder sich interessiert über den Findling beugen. „Das ist eine Köcherfliegenlarve”, weiß die Führerin, Uta Splettstößer, zu berichten.

Auch Eintagsfliegenlarven, Flussnapfschnecken und unzählige weitere kleine Tierchen fischen die begeisterten Kinder aus dem Vichtbach. Immer größere Steine werden angehoben, immer weiter treibt es die kleinen Forscher in den Bach. „Komm, wir gehen jetzt auch dahinten mal ein bisschen gucken”, ruft Bianca ihrer gleichaltrigen Freundin Alisia zu. Als diese zaudert, ergreift Bianca ihre Hand: „Ich helfe dir schon”, betont sie. Gemeinsam springen die beiden samt ihrem Material über die Steine des Baches.

Dass diese auch recht glitschig sein können, muss so manch ein eifriger Jungforscher erkennen. Doch das kühle Nass ist an diesem hochsommerlichen Tag für die Kleinen eher eine willkommene Erfrischung als eine unangenehme Abkühlung. Sie sind alle hellauf begeistert, kein Stein bleibt auf dem anderen.

Selbst in der Picknickpause wird weiter gesucht, mit viel Spaß und Einsatz spüren die Kinder interessante und ihnen weitgehend unbekannte Tiere im Wasser auf.

Bei Fragen ist die Diplom-Biologin Splettstößer stets zur Stelle. Mit Karten und Zeichnungen berichtet sie anschaulich über die gefundenen Wassertiere und bleibt keine Antwort schuldig. „Ich will den Kindern die heimische Tierwelt näher bringen, die ihnen oft gar nicht oder nur in Ansätzen bekannt ist.

Dabei steht nicht biologisches Fachwissen im Vordergrund, sondern die Kinder sollen vor allem lernen, über die Tiere und die Natur zu staunen”, unterstreicht die freiberufliche Umwelt- und Naturpädagogin die Ziele ihrer Führung.

Bemühungen, die bereits erste Früchte tragen: Die Kinder sind voller Bewunderung für die Tierchen und zeigen sogar Fürsorge. „Ich bringe sie genau dorthin zurück, wo ich sie gefunden habe”, sagt ein Jungforscher und blickt gespannt auf die Bewegungen seiner Eintagsfliegenlarve. Doch nicht immer sind die Kinder zufrieden: „Steine, Steine und noch mal Steine”, stöhnt Alisia beim Blick in ihr Netz, aber ans Aufgeben denkt sie nicht.

Nach einer Stunde anstrengender, aber auch erfolgreicher Suche im Flussbett müssen dann Lupe, Wasserschale und Pinsel weichen. „Können wir nicht noch weiter suchen?”, ruft Bianca, die immer noch mit Alisia den Flusslauf hinaufwandert, enttäuscht. Eine Enttäuschung, die nicht lange anhält, denn auch der zweite Teil der Bachexkursion hat noch einiges zu bieten.

Ein spannender Floßwettkampf fesselt die Kinder und ihre Familien, jeder will das schnellste, das Siegerfloß aus den gesammelten Ästen zusammenbauen. Es wird eifrig gewerkelt und dabei entstehen echte Prunkstücke unter den geschickten Fingern der Kinder und ihrer Eltern.

So gibt es beim abschließenden Wettkampf auch nur Sieger. Stolz präsentieren die Kinder ihre Flöße, die sich den Vichtbach hinabschlängeln. Jubelnde Gesichter und Siegessprünge werden im Bach vollführt. Ein schöner Abschluss eines spannenden Morgens in der heimischen Wasserwelt, der für viele der Kinder nicht der letzte bleiben wird.

„Wir kommen auf jeden Fall wieder”, versichern viele der neuen Bachexperten. Einige stürmen bereits nach Ende der Exkursion wieder hinab ins erfrischend kühle Nass.
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