Viele Ideen für ein größeres Sicherheitsgefühl in Stolberg

Von: Sarah-Lena Gombert
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Einbrecher müssen draußen bleiben, tun sie aber in Stolberg nicht immer. In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu Einbrüchen in Ladenlokalen. Foto: S.-L. Gombert
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Etwa 40 Unternehmer und andere interessierte Bürger der Stadt Stolberg sind am Mittwochabend zum Präventionstreffen erschienen. Foto: Gombert

Stolberg. Wie können Einbrüche in Stolberger Ladenlokale besser verhindert werden, und wie kann man das Sicherheitsgefühl der Kupferstädter Bürger und auch für Besucher der Stadt verbessern?

 Über diese Fragen haben sich am Mittwochabend rund 40 Unternehmer und andere Interessierte mit der Stolberger Stadtverwaltung, dem Stadtmarketing und der Polizei unterhalten. Anlass für das Treffen im Rathaus war eine Reihe von Einbrüchen in den vergangenen Monaten.

Wer eine klassische Vortragsveranstaltung erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt: Nachdem sich die anwesenden Vertreter von Polizei, Ordnungsamt und Stadtmarketing vorgestellt hatten, teilte sich die Gruppe auf. An vier Stationen hatte jeder Teilnehmer nun die Möglichkeit, ganz konkrete Fragen oder Vorschläge an den passenden Ansprechpartner zu richten.

Erwartungsgemäß war die Menschentraube am Stand der Polizei besonders groß. Hier stellte sich der Erste Polizeihauptkommissar Bernd Wolf, aktueller Leiter der Polizeiinspektion II, den Fragen und Beschwerden der Stolberger. Nachdem Wolf zunächst die gute Nachricht überbrachte, dass die Inspektion aufgestockt werde, räumte er ein, dass die Zahl der Polizisten in Nordrhein-Westfalen zurückgegangen sei.

„Die 70-er Jahre, als wir eine höhere Polizeipräsenz hatten, sind vorbei“, sagte Wolf. „Für einen Polizisten ist das Wort Präsenz vielleicht schon ausgelutscht, für uns in Stolberg ist es das aber nicht“, entgegnete der Stolberger Friseur Walter Braun. Ihm sei daran gelegen, dass das Sicherheitsempfinden der Bürger in der Stadt wieder gesteigert würde. „Und dafür brauchen wir mehr Polizeipräsenz.“

Auch die Stationen des städtischen Ordnungsamts und vom Stadtmarketing waren gut besucht. „Wir sind darauf angesprochen worden, dass in einigen Bereichen der Innenstadt, beispielsweise der Mühle, mit Autos gerast werde“, sagte Birgit Nolte vom Ordnungsamt. In solchen Fällen arbeite man eng mit der Polizei zusammen, denn das Ordnungsamt ist nur für den ruhenden Verkehr, nicht für fahrende Autos zuständig. „Für uns kam außerdem ein interessanter Hinweis darauf, dass die Aktivitäten unserer jeweiligen Mitarbeiter im Außendienst sehr unterschiedlich wahrgenommen werden“, sagte sie.

Barbara Breuer sprach für das Stolberger Stadtmarketing: „An unserem Stand wurde festgehalten, dass auch die Sauberkeit ein wichtiges Thema für Bürger und Unternehmer ist“, erklärte sie. Sp sei der Wunsch aufgekommen, mehr Mülleimer aufzustellen. Zum Thema Sicherheit sagte sie, dass einerseits die Beleuchtung eine große Rolle spiele. „Wenn wir die Straßen besser ausleuchten, aber auch die Geschäfte, dann kann das schon eine große Hilfe sein.“ In einem gut ausgeleuchteten Laden würde sich kein Dieb wohlfühlen.

Was man sonst noch präventiv gegen Einbrüche tun kann, erklärten Norbert Winkler und Manfred Beier, bei der Polizei zuständig für Vorbeugung. „Heutzutage gehört zu einem Geschäft eine vernünftige sicherheitstechnische Ausstattung“, sagte Winkler. Das gehe über eine einfache Alarmanlage auch hinaus. Gerade für Parfümerien oder Tankstellen könnten beispielsweise Vernebelungsanlagen interessant sein, die einen Laden mit Kunstnebel fluten, sobald jemand gewaltsam eindringt.

Eine klare Absage erteilte Kommissar Bernd Wolf jedoch dem Thema Bürgerwehren oder dem Einsatz von Sicherheitsdiensten. „Diese Strategie verfolgen wir ganz bewusst nicht“, sagte er. Zu häufig käme es vor, dass die Sicherheitsleute ihre Befugnisse überschreiten. „Diese professionelle Arbeit sollte man auch den Profis überlassen, also der Polizei“, sagte Wolf. Keinesfalls abgeneigt sei man aber, wenn Nachbarn besser aufeinander aufpassen.

„Das Thema Zivilcourage spielt hier eine große Rolle“, sagte auch Barbara Breuer vom Stadtmarketing. Nicht nur auf den Dörfern, auch in der Talachse Innenstadt müsse es gelingen, dass Nachbarn und Geschäftsleute sich kennenlernen und jeweils auf den anderen Acht geben.

Einen konkreten Vorschlag machte der Kupferstädter Gastwirt Gerd Bougé: „Wir sollten die Taxiunternehmen in unsere Pläne einbinden“, sagte er, „wir haben in Stolberg bis zu 33 indirekte Streifenwagen, die nachts unterwegs sind.“ Der Wirt führte aus, dass man Taxifahrer darum bitten solle, ihre Wagen während Pausen oder Wartezeiten nicht an der Taxizentrale zu parken, sondern in der Stadt.

„Wenn den Fahrern dann etwas auffällt, dann könnten sie das an ihre Zentrale melden, die wiederum die Polizei informiert.“ In anderen deutschen Städten werde das Modell schon praktiziert. „Wir müssen schauen, ob das mit den wirtschaftlichen Interessen der Taxiunternehmen zusammenpasse. „Wenn die sich irgendwo hinstellen sollen, wo es keine Kundschaft gibt, dann ist das schwierig“, sagte Grüttemeier. Bougé schlug daraufhin eine Art Prämie vor, die man den Taxifahrern für ihre Mithilfe geben könne.

„Die ganze Grenzregion ist in letzter Zeit von Einbrüchen und Vandalismus geplagt worden“, sagte Stolbergs Bürgermeister Tim Grüttemeier, „und unsere Stadt bildet da leider keine Ausnahme.“ Man wolle aber nicht tatenlos zusehen, darum sei das Treffen aus seiner Sicht wichtig.

Besonders dankte er in diesem Zusammenhang dem Stolberger Unternehmer Heiner Flink, dessen Sportgeschäft an der Rathausstraße erst kürzlich überfallen worden war. Flink haben sich im Vorfeld der Veranstaltung sehr engagiert gezeigt. „Wir haben uns ihre Vorschläge angehört und als Hausaufgaben verstanden“, sagte Grüttemeier in die Runde. Die Stadt und die Polizei werden jetzt prüfen, was umsetzbar sei.

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