Vichter Nachmittag: Über hundert Gäste sind keine Seltenheit

Von: Dirk Müller
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Die vorgetragenen Verse der Heimatdichter treffen genau den Geschmack der vielen Gäste des 28. Vichter Nachmittags Foto: D. Müller

Stolberg-Vicht. Die Tische im Vich­ter Pfarrheim an der Rum­penstraße sind liebevoll eingedeckt und mit Dekoration aus Naturmaterialien und Blümchen geschmückt. Mehr als 80 Junggebliebene der älteren Jahrgänge sitzen gesellig beieinander und werden freundlich mit Kaffee, Kuchen und Kaltgetränken bedient.

„Kaffee und Kuchen sind übrigens immer frei. Am Ende reichen wir ein Sparschwein herum, und jeder zahlt, was er kann“, erklärt Rudi Dreuw. Die Gäste und das Team aus insgesamt 18 ehrenamtlichen Helfern feiern heute ein kleines Jubiläum und eine große Erfolgsgeschichte, denn vor drei Jahren initiierten Dreuw und Jochen Emonds aus dem Pfarrgemeinderat von St. Johannes Baptist den Vichter Nachmittag, der sich besonders an Menschen, die über 60 Jahre alt sind, richten sollte.

Zählte man bei der Premiere noch rund 75 Gäste, so sei es inzwischen ratsam, pünktlich zu erscheinen, um einen Platz zu ergattern, meint Siegfried Radmacher bei der 28. Auflage des Vichter Nachmittags: „Die Treffen kommen sehr gut an, und oft sind mehr als 100 Menschen hier.

Da bleibt dann kein Stuhl mehr frei.“ Mit ihm am Tisch sitzen seine Frau Sibille und Leni Göhre, die beschreibt, warum sie seit zwei Jahren regelmäßig den Vichter Nachmittag besucht: „Hier ist immer gute Stimmung und es wird etwas geboten. Aber am wichtigsten finde ich, dass man unter die Leute kommt.“ Radmacher bestätigt lächelnd: „Früher sah man sich vielleicht einmal im Jahr beim Pfarrfest. Jetzt treffen wir uns einmal im Monat beim Vichter Nachmittag – das ist natürlich viel schöner.“

Prompt greift seine Frau das Stichwort auf: „Schön sind auch die angebotenen Tagesfahrten wie die nach Köln, in die Eifel oder zum Aachener Dom“, sagt Sibille Radmacher. Die im Frühjahr und Herbst organisierten Fahrten sind sicherlich eine Zutat des Erfolgsrezepts, doch den Vichter Nachmittag mache noch mehr aus, betont Dreuw: „Den Advent und ein Sommerfest im Außenbereich des Pfarrheims feiern wir generationsübergreifend mit den Kleinen der Vichter Kindertagesstätte.“

An der eigenen Karnevalsveranstaltung seien mehrere Ortsvereine beteiligt, und das Team des Vichter Nachmittags bemühe sich, jedes einzelne Treffen thematisch verschieden zu gestalten. Heute steht der Gedichte-Nachmittag „Frühlings-Ahnung“ auf dem Programm. Mit von der lyrischen Partie ist ein Mann der ersten Stunde, denn schon beim ersten Vichter Nachmittag trug Franz-Willi Hirtz seine Verse vor.

Da Texte aus dem neuen Buch „Vicht 5 – unsere Heimatdichter“ gelesen werden, erhält Hirtz Unterstützung von vier weiteren Vortragenden. Im ersten, hochdeutschen Teil der Lesung präsentieren Ursula Gier und Vera Gerhards erstmals ihre Gedichte vor Publikum.

Giers romantische Texte und Gerhards religiöses Gedicht werden ebenso mit lautstarkem Applaus bedacht wie die teils humoristisch gefärbten Verse von Andre Franzen, die sein Sohn Norbert vorträgt. Besonders andächtig lauschen die Gäste, als Norbert Franzen die beeindruckenden Gedichte aus der Feder seiner kürzlich verstorbenen Schwester Rita Pawlik liest. Hirtz steuert Lyrik bei, die den Lenz und die Vichter Heimat im Eifelland thematisiert und den Geschmack der Zuhörer trifft.

Nach dem Teil „für die ausländischen Besucher aus anderen Stadtteilen“, wie Dreuw scherzt, gibt es eine Pause, in der die Gäste sich angeregt unterhalten – auch die „Aus­länder“, denn immer wieder finden Menschen aus Mausbach, Gressenich oder Sche­venhütte den Weg zur Rumpenstraße. Meist stammen sie jedoch aus Vicht oder haben zumindest zeitweise dort gelebt, so dass sie keine Probleme haben, auch die zweite Hälfte des Gedichte-Nachmittags zu genießen, die in feinstem „Veeter Platt“ zunächst von Norbert Franzen vorgetragen wird.

Vichter Mundart, Lyrik und viel Humor verbinden anschließend Hirtz und Dr. Walter Haas, der sogar eine kurze Einführung zu seinen Texten in lustige Reimform gekleidet hat. Bei „D‘r Mann em Schaaf“ und „Et Päckche uss Amerrika“ kommen einige Taschentücher zum Einsatz, denn es bleibt buchstäblich kaum ein Auge trocken.

Der Blick in die herzlich lachende große Runde erfreut Rudi Dreuw und seine ehrenamtlichen Mitstreiter, denn der heutige Nachmittag ist der beste Beweis für ein Vichter Erfolgsmodell, das viele treue Anhänger gefunden hat. „Das ist schon toll, wie beliebt die Nachmittage bei den Leuten sind“, sagt Dreuw gerührt. „Es gibt sogar welche, die rufen mich extra an, nur um mitzuteilen, dass es ihnen leid tut, weil sie einmal nicht kommen können.“

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