Stolberg - Vicht, Venwegen und Schevenhütte sind besonders alt

Vicht, Venwegen und Schevenhütte sind besonders alt

Von: Michael Grobusch
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Die Stadt Stolberg will ihre quartierbezogene Seniorenarbeit intensivieren. Allerdings fehlt für eine externe Sozialraumstudie bis dato das Geld. Foto: O. Hansen

Stolberg. Eines steht fest: Je weiter man die Stolberger Innenstadt in Richtung ihrer Außenbezirke verlässt, desto höher ist der Altersdurchschnitt der Bevölkerung.

Besonders auffällig sind die Werte in Schevenhütte, Vicht und Venwegen, wo der Anteil der über 60-Jährigen an der Gesamteinwohnerschaft bei über 30 Prozent liegt. Deutlich weniger ältere Menschen gibt es hingegen in der City. Hier bewegt sich die Quote zwischen 20 und 25 Prozent.

Das war es dann aber im Grunde auch schon mit den Erkenntnissen, die der Stadtverwaltung vorliegen. Der Handlungsbedarf ist also groß, hinsichtlich einer stadtteilbezogenen Seniorenarbeit gibt es viel zu tun und in Erfahrung zu bringen. Einen Vorstoß in diese Richtung wird die Stadt deshalb in der konstituierenden Sitzung des neuen Ausschusses für Soziales und Generationengerechtigkeit machen.

Er sieht Gespräche mit Senioren in den einzelnen Sozialräumen sowie eine Fragebogen-Aktion zum Thema „Wohnen im Alter vor“. Allzu große Erwartungen, das stellt Bürgermeister Tim Grüttemeier klar, dürfen daran allerdings nicht geknüpft werden. „Eine wissenschaftlich fundierte Prognose über den zukünftigen Bedarf ist nur marginal möglich“, heißt es in seiner Vorlage. Und: „Bei den Ergebnissen wird es sich um eine Momentaufnahme handeln.“

Für mehr reichen die finanziellen Möglichkeiten der klammen Stadt offenbar nicht aus. Vor fünf Jahren hatte die Verwaltung den Sozialausschuss bereits mit der aus ihrer Sicht gegebenen Notwendigkeit konfrontiert, zur altersgerechten Entwicklung der Stadt- und Ortsteile eine externe Sozialraumstudie in Auftrag zu geben. Die Politik hatte den Antrag jedoch mit Verweis auf die damit verbundenen Kosten abgelehnt. Und die Verwaltung das Thema damit vorerst ad acta gelegt. Auch eine Zusammenarbeit mit der Katholischen Hochschule NRW verlief nach Angaben des Bürgermeisters im Sande. „Trotz entsprechender Kooperation wurden der Stadt bis heute keine Ergebnisse vorgelegt.“

Tatsächliche Situation und Bedarf

So will die Verwaltung aus der Not nun eine (kostengünstige) Tugend machen und mit Blick auf den viel zitierten demografischen Wandel zumindest elementare Erkenntnisse gewinnen. „Es müssen die tatsächliche Situation und der bestehende Bedarf in den Ortsteilen ermittelt werden“, sagt Tim Grüttemeier. Hierfür sollen Ortsteilgespräche stattfinden, zu denen fünf bis zehn Prozent der jeweiligen Bewohner, die 60 Jahre oder älter sind und zufällig ausgewählt werden, eine Einladung erhalten. Am Ende einer jeden Veranstaltung werden Fragebögen zur momentanen und zur gewünschten Lebenssituation verteilt, die wiederum an alle Menschen dieser Altersgruppe gerichtet sind. Sie werden deshalb auch an zentralen Stellen ausgelegt und im Internet abrufbar sein.

Grundsätzlich wird zunächst zu klären sein, warum die Stolberger Außenbezirke über einen solch auffällig hohen Anteil an älteren Menschen verfügen. Und inwieweit kulturelle Herkunft, Bildung, finanzielle Möglichkeiten und die Gesundheit eine Bedeutung haben. Für viele Menschen spielen die äußeren Rahmenbedingungen eine zentrale Rolle bei der Wahl ihres Alterswohnsitzes. Bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum, Angebote für betreutes Wohnen, die Grundversorgung mit Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen, die Verkehrsanbindung, die hausärztliche und pflegerische Versorgung und auch die Topografie zählen dazu. Dies würde in den meisten Fällen jedoch gegen die Orte in den Außenbezirken sprechen. Theorie und Praxis weichen also voneinander ab.

Es gibt viele Fragen, einen großen Erklärungsbedarf. Und nur sehr begrenzte Möglichkeiten. Ob diese ausreichen können, hat der neue Ausschuss am 2. September zu entscheiden.

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