Vicht: Lothar Scheffler zeigt „Liebe zur ungeschmückten Menschheit”

Von: Heike Eisenmenger
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„Das sind wir”: Lothar Scheffler und seine Skulpturen im Europäischen Kunsthof Vicht. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg-Vicht. Man möchte sie anfassen, die Formen mit den Fingern ertasten, die Kühle des Metalls spüren. Mit dem Anfassen ist das bei Kunstwerken aber so eine Sache. Wobei die Skulpturen des Metallbildhauers Lothar Scheffler „hautnahen” Kontakt gut vertragen.

Es sind robuste Skulpturen, die Zeit kann ihnen nur wenig anhaben. Zeit ist ein Begriff, der eng verknüpft ist mit der Ausstellung „Monde/Tierkreiszeichen”. Zu sehen ist die Schau mit Werken des 48-Jährigen aktuell im Europäischen Kunsthof in Vicht. Scheffler, der ursprünglich aus Büsbach stammt, ist der eher bodenständige Künstlertyp, einer, der mit dem Brimborium, das Ausstellungen manchmal anhaftet, wenig anfangen kann.

Im Nachhinein wäre ihm ein anderer Ausstellungstitel sogar lieber gewesen. „âDas sind wirÔ wäre doch viel besser gewesen”, sinniert Scheffler laut, deutet auf die zwölf aneinandergereihten Skulpturen und sagt: „Das dort sind nämlich wir.”

Skulpturen aus Sternenstaub: Eisen und Gold sind buchstäblich vom Himmel gefallen. Eisen, Gold und Silber, aber vor allem Bronze und Kupfer sind die Materialien, die Scheffler zu etwas Neuem formt. Wie etwa zu den archaisch wirkenden Frauenfiguren, die für die zwölf Tierkreiszeichen stehen. Die auf Sockel gestellten Kunstwerke haben etwas Afrikanisches an sich, strahlen etwas sehr Ursprüngliches aus.

Einer, der sich intensiv mit den Exponaten dieser Ausstellung auseinander gesetzt hat, ist der Kunsthistoriker Dr. Dirk Tölke aus Aachen. Scheffler sei ein Mensch, der sich viele Gedanken mache. „Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Was können wir wissen und uns erhoffen?”, beschreibt der 50-Jährige die Gedankengänge seines Freundes. Gedankengänge, die Scheffler mit geformten Metall ausdrückt. „Die Beschäftigung mit dem Ursprung des Lebens und unseres geistigen Universums beschäftigen Lothar Scheffler von je her”, sagt auch die Galeristin Angelika Kühnen, die seit vielen Jahren mit dem Künstler zusammen arbeitet.

Für das Vergängliche, gleichzeitig aber auch für Beständigkeit, steht der Zodiak. Seit mehr als zwei Jahrtausenden blicken Menschen in den Himmel und hoffen dort eine Antwort auf ihre viele Fragen zu finden - und das unabhängig von ihrer Herkunft und Kultur.

Scheffler thematisiere die zwölf Tierkreiszeichen und führe die Aufmerksamkeit zum archaischen Ursprung zurück, erklärt Tölke. Die Materialwahl sei mit Bedacht gewählt, sagt der Kunsthistoriker weiter. „Die Sternzeichenfiguren repräsentieren ganz klassisch zugeordnet die antiken Elemente: Je drei mal Feuer, Wasser, Luft und Erde. Darüber hinaus sind den Skulpturen Minerale, Planeten und Metalle zugeordnet, wobei Sonne, Mond, Eisen und Kupfer doppelt auftreten.”

Alle Figuren haben die gleiche Gestalt, unterscheiden sich aber in der Bewegung. Auf ihren Köpfen tragen sie Mondscheiben, wobei der Trabant in unterschiedlichen Phasen dargestellt ist. Bis auf einen Wickelrock sind die Frauenfiguren nackt.

Ihre Haltung, die rudimentär gehaltenen Gesichter, die Monscheibe auf ihren Köpfen - es vermittlet dem Betrachter ein Gefühl von Würde. Zu jedem Tierkreis gehört eine Bronzeplatte mit archaisch anmutenden Schriftzeichen.

Es ist „die Liebe zur ungeschmückten Menschheit” - so formuliert es der Künstler selbst - für die seine Figuren stehen. In der Broschüre, in der die Ausstellungsstücke abgebildet sind, hat Scheffler je fünf positive und negative Eigenschaften des jeweiligen Tierkreiszeichens herausgestellt. Beim Zwilling - das ist das Tierkreiszeichen von Scheffler - steht „Vielseitigkeit” und „Klugheit”.

Weitere Informationen:

Die Ausstellung mit Werken des Metallbildhauers Lothar Scheffler ist noch bis zum 4. April im Kunsthof an der Eifelstraße 63 zu sehen. Öffnungszeiten sind freitags, samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr. Infos zum Thema erteilt die Galeristin Angelika Kühnen (Telefon: 30646).
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