VfL Vichttal: Eine Erfolgsgeschichte, von Neid gekrönt

Von: Nadine Preller
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Wir haben noch lange nicht fer
Wir haben noch lange nicht fertig: Nach dem Kunstrasen und der Blockhütte auf dem Dörenberg stehen weitere Projekte beim VfL Vichttal an. Umkleidekabinen sind im Bau, und eine neue Tribüne. Auch eine Soccerhalle steht auf dem Plan. Nicht nur Vereinsvorsitzender Michael Frey und Jugendleiter Herbert Meier (stehend) packen da kräftig mit an.

Stolberg. Manchmal lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen. Dann sieht man zuweilen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. In folgendem Fall bewahrheitet sich das Sprichwort allerdings nicht. Denn was am Sportplatz Dörenberg von außen so schön glänzt - der Kunstrasen, die Blockhütte, die im Bau befindlichen neuen Umkleidekabinen -, das schillert auch von innen.

Doch das, was da glänzt, ist nicht das Ergebnis von 250.000 Euro Stadt-Zuschuss, die dem VfL Vichttal bei seiner Fusion im Jahr 2008 zur Verfügung gestellt wurden. Es ist das Ergebnis der Einsätze zahlreicher Freiwilliger, die die Sportanlage auf dem Dörenberg zu dem gemacht haben, was sie heute ist.

„Aber das scheint niemand zu sehen”, kritisiert Michael Frey. Seit der Fusion von VfL Zweifall und VfB Vicht zum VfL Vichttal sowie den damit verbundenen Zuschüssen sieht sich der Vereinsvorsitzende immer wieder öffentlicher Kritik ausgesetzt. „Mir scheint, das Einzige, was da draußen wahrgenommen wird, ist: Die haben Kohle, die haben einen Kunstrasen, die werden unterstützt - und wir nicht.”

In der Tat muss man zugeben, dass es in jüngster Zeit noch zwei weitere Fusionen gab: Aus dem Stolberger SV Fußball und der ebenso traditionsreichen DJK Frisch-Froh Stolberg wurde der FC Stolberg; FC Adler Werth und SV Gressenich tragen jetzt den gemeinsamen Namen SG Stolberg. Von den einst 16 Fußballvereinen gibt es heute ergo noch 13. Und der Trend setzt sich fort - von weiteren Zuschüssen der Stadt aber keine Spur. Der Kunstrasen des VfL Vichttal, im Jahr 2010 fertiggestellt, ist vorerst die einzige neue Errungenschaft in Stolbergs Fußballlandschaft.

Das leidige Warten der fusionierten Vereine auf versprochene Gelder, die zerplatzen Träume - sicherlich Gründe, warum sich langsam Unmut unter den Mitgliedern breitmacht. Aber diesen Unmut bekommen momentan die ab, die an der ganzen Misere keine Schuld tragen. Wenn es denn überhaupt einen Schuldigen gibt.

Die Wahrheit sieht leider so aus: Jugendleiter Herbert Meier bekommt sie beispielsweise bei den Stadtmeisterschaften zu spüren. „Da sprechen mich Eltern an, wie unfair es sei, dass sich ihre Kinder immer noch die Knie blutig schlagen auf ihren alten Ascheplätzen, dass sie im Winter oder bei Regen nicht trainieren können, weil die Rasenflächen einer Schlammstätte ähnelten. Natürlich haben sie recht. Aber diese Einstellung überträgt sich schnell auf die Kinder.”

Lust am Sport weiche dann dem puren Neid gegenüber dem VfL Vichttal. Auf Veranstaltungen, wo der Spaßfaktor im Vordergrund stehen solle, gebe es immer öfter Rivalitäten unter den jungen Leuten. Das sei nicht nur unerfreulich, auch der entscheidende Knackpunkt würde dabei immer mehr außer Acht gelassen. „Natürlich haben wir den Zuschuss bekommen”, sagt Frey. „Aber was ist mit der Eigenleistung?” Allein 15.000 Euro würde die jährliche Wartung der Anlage kosten, herangeschafft würden die Gelder vom Verein selbst: über Sponsoren, Spenden und Darlehen.

Mit Sponsoren, Spenden und Darlehen wurden im Übrigen auch die zusätzlichen Kosten für den Kunstrasen, die Blockhütte und die anstehenden neuen Umkleidekabine finanziert. Rund 100.000 Euro seien nach Frey hierfür angefallen. „Die sind nicht einfach vom Himmel gefallen. Treiben Sie so viel Geld erst mal ein - da gehen ganze Wochenenden drauf.” Wochenenden gehen auch drauf, wenn gemeinsam angepackt wird: „Seit zwei Jahren buckeln wir hier fast jeden freien Tag mit zehn bis 20 Freiwilligen, um die Sportstätte auf Vordermann zu bringen.”

Die alten Flutlichter hat Frey gemeinsam mit seinem Schwiegervater vom alten Platz abmontiert, Tore und Bänke auf den Dörenberg gekarrt. Am Wochenende hält er selbst die Schaufel, bringt momentan die neuen Kabinen mit auf Vordermann. Eine neue Tribüne am Kunstrasenplatz steht auch auf dem Plan, das Grundgerüst hält bereits dem pfeifenden Herbstwind da oben auf dem Berg stand. Und eine neue Soccerhalle schwebt Frey vor Augen, „damit wir den Bambini auch im Winter das Spielen ermöglichen können”.

Die Zuschüsse der Stadt erscheinen wie Peanuts, wenn Frey erklärt, die Anlage habe bereits jetzt einen Wert von 980.000 Euro erreicht. Ein Mammutprojekt auf rund 20.000 Quadratmetern. „Reingesteckt wurden aber weniger Gelder als vielmehr persönliches Engagement.” Ehrensache für den Vereinsvorsitzenden: Schon als kleiner Dreikäsehoch hat Frey beim VfB Vicht gekickt, der Großvater war Ehrenvorsitzender. Im Jahr 2001 trat der heute 41-Jährige in den Vorstand, 2008 wurde er Vereinsvorsitzender des VfL Vichttal. „Ich lebe das hier und sehe es nicht ein, mir das von anderen madig machen zu lassen.”

Frey hofft daher auch, auf dem anstehenden öffentlichen Forum unserer Zeitung an diesem Donnerstag mit Vorurteilen aufräumen zu können. Und hier will er auch darlegen, dass die Erfolgsgeschichte VfL Vichttal nicht (nur) dem Zuschuss der Stadt zu verdanken sei. Erfolgsgeschichte? Ja, und die rufe leider Neid hervor. „Vor der Fusion hatten beide Vereine insgesamt 400 Mitglieder, jetzt sind wir 700”, pflichtet Jugendleiter Meier seinem Kollegen bei. 18 Jugendmannschaften gibt es mittlerweile beim VfL Vichttal mit 300 Kindern, dazu sechs Seniorenmannschaften.

Innerhalb von vier Jahren ist der Verein von der Kreisliga A in die Landesliga aufgestiegen. „Wir sind gar nicht darauf angewiesen, groß anzuwerben, haben ohnehin schon einen riesen Zulauf”, sagt Meier. „Klar macht sich da das Gefühl in Stolberg breit, dass das die einzige Fusion ist, die von Erfolg gekrönt ist.” Das Problem nach wie vor: „Die Leute setzen unseren Erfolg gleich mit den Geldern der Stadt. Da läuft was verkehrt.”

Frey ist es leid, sich immer wieder rechtfertigen zu müssen. Er will die Lücke schließen, die in den Köpfen der Kritiker klafft. Die Lücke zwischen den Vorstellungen, wie hoch die Kosten sind, die man für eine neue Sportstätte braucht, und was ehrenamtlich noch geleistet werden muss. Auf unserem Leserforum sollte er die Gelegenheit dazu bekommen.

Forum: Welche Zukunft haben Stolbergs Vereine?

Am Donnerstag, 18. Oktober, soll das Reizthema Sportplätze in einem öffentlichen Forum diskutiert werden. Sie als Leser sind herzlich zu der Veranstaltung eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Veranstaltungsort ist Angies Bistro, Konrad-Adenauer-Straße 140, in Stolber-Büsbach. Beginn ist um 18.30 Uhr.

Teilnehmer sind Bürgermeister Ferdi Gatzweiler, die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD, Tim Grüttemeier und Dieter Wolf, Michael Frey (VfL Vichttal), Albert Willems (SV Breinig), Günter Poick (Berater FC Stolberg und SC Münsterbusch) und Peter Jandeleit (LG Stolberg). Moderiert wird die Veranstaltung von unseren Redakteuren Jürgen Lange und Michael Grobusch.

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