VfL Vichttal bietet wöchentliches Training für junge Flüchtlinge

Von: oha
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Nach den Vorübungen zum Aufwärmen kommt es zum Höhepunkt des Trainingsnachmittages: dem Fußballspiel auf kleine Tore. Beim Wettbewerb „Vier gegen vier“ haben die jungen Flüchtlinge aus etlichen unterschiedlichen Ländern nur noch eines im Sinn: Wer schießt das erste Tor? Foto: O. Hansen

Stolberg. Der Lederball prallt mit voller Wucht gegen die Bande. Da sollte er eigentlich nicht hin. „Du bis aber heute nicht in Form“, kritisiert Trainer Siegfried Polte den jungen Schützen schmunzelnd. Um den 14-Jährigen aus Guinea gleich wieder anzufeuern: „Das kannst du besser, Alpha!“

Der Nachwuchsfußballer gehört zu einer Gruppe von Flüchtlingen, die im Hromadka-Haus in Zweifall untergebracht sind und sich regelmäßig einmal die Woche auf dem Platz des Fußball-Landesligisten VfL Vichttal zum Training treffen. An diesem Nachmittag sind acht junge Männer im Alter zwischen 12 und 16 Jahren zum Training mit Polte gekommen.

Einige wurde per Pkw gebracht, andere sind mit dem Linienbus aus Zweifall angereist. Aber notfalls legen sie die Strecke auch zu Fuß zurück. Das gemeinsame Fußballspiel unter fachkundiger Anleitung macht eben Spaß.

Die jungen Flüchtlinge, die auf dem VfL-Gelände trainieren, kommen aus Guinea, Afghanistan, Somalia und dem Sudan. Dass gleich drei der Jungs Alpha heißen, irritiert niemanden. Dafür trägt ein anderer den urdeutschen Namen Sebastian. Die erste Regel des Trainers lautet: „Hier auf dem Platz wird nur Deutsch gesprochen.“

Schließlich sollen die Jugendlichen nicht nur ihre Fußballkünste verbessern, sondern bei dieser Gelegenheit auch die deutsche Sprache lernen. Nur wenn es nicht anders geht, werden Französisch und Englisch zur Verständigung heran gezogen.„Zwei Mann, ein Ball“, gibt Polte eine Trainingseinheit zum Aufwärmen vor. Je zwei Spieler stehen sich gegenüber und passen sich gegenseitig den Ball zu.

Schon bei dieser ersten Übung wird deutlich, dass die Spieler unterschiedlich weit sind, was Technik und Taktik im Fußballspiel angeht. Einige haben offenbar schon in ihrer Heimat Fertigkeiten erworben. Ousman und Alpha, beide aus Guinea, spielen sich nicht nur den Ball punktgenau zu. Sie halten das Spielgerät notfalls auch minutenlang in der Luft oder passen den Ball per Hackentrick zu ihrem Gegenüber.

Das nötigt auch Trainer Polte Respekt ab. „Da sieht man sofort, dass die in ihrer Heimat schon mal Fußball gespielt haben.“ Sebastian und Darik spielen sich den Ball ebenfalls lässig zu. Das war offenbar keine große Herausforderung. Die nächste Übung soll das Ballgefühl schulen. Die beiden Spieler müssen den Ball dribbelnd auf ihr Gegenüber zulaufen. „Den Ball flach halten“, ruft Polte Ousman zu.

Der Trainer ist eigentlich für die dritte Mannschaft des VfL zuständig und auch bei der Geschäftsführung der Seniorenabteilung involviert. Das Training mit den Flüchtlingen macht er zusätzlich. „Einfach, weil es Spaß macht, mit so hoch motivierten jungen Menschen zu arbeiten“, sagt Polte. Die Ausrüstung der acht jungen Spieler ist sehr unterschiedlich. Manche haben sich von ihrem Taschengeld hochwertige Fußballschuhe sowie Trikot und Sporthose gekauft, andere stehen mit billigen Turnschuhen auf dem Platz. Gemeinsam ist allen: Fußballspielen macht Spaß!

Bei der nächsten Übung heißt es: „Dem Gegenüber den Ball zupassen und während der Ball noch in Bewegung ist, rüber laufen.“ So sind die jungen Spieler immer in Bewegung. Und irgendwann wohl auch genügend aufgewärmt. Denn jetzt kommt der Augenblick, auf den die jungen Leute gewartet haben. Siegfried Polte holt Leibchen aus einer Tüte. Zwei Mannschaften zu vier Spielern werden gebildet, ein Team streift zur Unterscheidung die Leibchen über.

Es beginnt ein Fußballspiel auf zwei kleine Tore von einem Meter Breite und Höhe. Der Trainer steht am Spielfeldrand. Nach wenigen Minuten kommt Kritik der Teams. „Das Spielfeld ist zu klein“, heißt es in durchaus verständlicher deutscher Sprache. Kein Problem. Die Tore werden mehr auseinander gerückt. Erneuter Anstoß. „Komm, Alpha, nicht stehen bleiben“, gibt der Trainer seine Kommandos von außerhalb.

Ein Schuss geht knapp am Tor vorbei, trotzdem vollzieht der junge Schütze den inzwischen weltbekannten Salto aus dem Stand á la Miroslav Klose. Und dann fällt doch das erste Tor. „Wie steht es jetzt?“, will der Trainer von seinen Jungs wissen. „Natürlich 1:0“, kommt in deutscher Sprache die Antwort. So soll es sein.

Mit einem Fernschuss erzielt Sebastian später das 2:1 und strahlt über das ganze Gesicht. Der junge Mann freut sich über das große Lob des Trainers. „Sehr gut gemacht!“, hört auch Tariq, der das 3:2 erzielt. Gespielt wird nach der Regel, die deutsche Straßenfußballer schon seit Generationen anwenden: „Drei Ecken, ein Elfer!“ Auch hier zählen die Flüchtlinge in deutscher Sprache mit.

Den ersten jungen Spielern rinnen inzwischen die Schweißperlen über die Stirn. Aber niemand gibt auf. Nachdem Alpha den Ball vor dem Tor mit der Hand gestoppt hat, wird er von seinen Mannschaftskameraden belehrt: „Wir spielen mit dem Fuß.“ Integration auf spielerische Art, der VfL Vichttal macht es vor.

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