Herzogenrath - Vetrotex-Aus: Einschnitte bei Saint-Gobain gehen noch weiter

Vetrotex-Aus: Einschnitte bei Saint-Gobain gehen noch weiter

Von: Beatrix Oprée
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Herzogenrath. Noch steht der Zeitpunkt nicht fest, wann die Verhandlungen beginnen um den Interessenausgleich für die rund 200 Mitarbeiter, die voraussichtlich bis Ende des Jahres ihren Arbeitsplatz bei Vetrotex verlieren.

Wie berichtet, stellt der traditionsreiche Glasfaserhersteller seine Fertigung ein, die Umsatzzahlen sind seit Januar aufgrund der allgemeinen weltwirtschaftlichen Schieflage ins Bodenlose gefallen.

Irgendwann nach Pfingsten werden die Betriebsräte das letzte Kapitel der über 70-jährigen Geschichte des Werks aufschlagen, das Ringen um möglichst hohe Abfindungen und die Übernahme der Belegschaft in eine Transfergesellschaft.

Doch nicht nur bei Vetrotex, auch in den anderen Saint-Gobain-Werken der Region weht ein scharfer Wind. Bei Sekurit (Autoglas) in Herzogenrath wird nur aufgrund eines „Sondereffekts”, sprich einer momentan verbesserten Auftragslage, die allerdings keinesfalls eine positive Prognose zulässt, zurzeit keine Kurzarbeit mehr gefahren.

Vorübergehend eingeschränkt

Ähnliches gilt für Sekurit in Stolberg, wo die Kurzarbeit vorübergehend auf die Wochenenden beschränkt werden konnte. Hier wird allerdings immer noch über den in Rede stehenden Abbau von 80 auf dann noch 220 Stellen verhandelt. Ab 1. Juni ziehen neue Konsolidierungsmaßnahmen auch bei Saint-Gobain Glass (Bauglas) -Êund zwar in Herzogenrath, Stolberg und Mannheim.

Punktuell, will heißen, überall, wo es die Glasschmelze zulässt, wird Kurzarbeit geleistet. Die anderen Bereiche, inklusive der Saint-Gobain-Hauptverwaltung an der Viktoriaallee in Aachen, müssen eine Arbeitszeitverkürzung um zwei Stunden auf 35,5 Stunden wöchentlich bei entsprechendem Lohnverzicht hinnehmen.

Bei Sekurit in Herzogenrath sind noch 250 Mitarbeiter beschäftigt, bei Saint-Gobain Glass in Stolberg 188 und in Herzogenrath 127, in Mannheim 98 und in Köln 194. Und in der Aachener Hauptverwaltung sind 55 Menschen tätig. Bezüglich der weiteren wirtschaftlichen Aussichten äußert sich Firmensprecherin Regina Decker wenig hoffnungsfroh.

Auch der Landesminister soll helfen

„Die Arbeitnehmer von Vetrotex brauchen jetzt jede erdenkliche Unterstützung”, appellieren Vorsitzende Marie-Theres Sobczyk und Stellvertreter Fabian Schalt für Herzogenraths CDU-Stadtverband an Arbeitsminister Karl-Josef Laumann. In einem offenen Brief bitten sie eindringlich um die Unterstützung der Bemühungen, die Bürgermeister Christoph von den Driesch eingeleitet hat - damit auch das Land NRW helfe, Möglichkeiten auszuloten, den von Arbeitslosigkeit bedrohten Vetrotex-Mitarbeitern zu helfen.

Der erste von Christoph von den Driesch initiierte Runde Tisch wird bereits am heutigen Freitag im Rathaus zusammenkommen, Teilnehmer sind die Geschäftsführungen der IHK und der Handwerkskammer, die Betriebs- und Werksleitung von Vetrotex sowie weitere „global Player”. Von den Driesch: „Ich bin froh, dass so viele regionale Institutionen meiner Einladung gefolgt sind, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.”

Solidarisch hat sich auch „Die Linke” mit der Vetrotex-Belegschaft erklärt und lädt am Mittwoch, 3. Juni, 19 Uhr, in die Gaststätte „Bei Addi”, Hochstraße 26, Aachen-Brand zur Gründung eines Netzwerks „Nur gemeinsam sind wir stark - Generalstreik gegen Regierung und Kapital” ein.
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