Verwahrloste Familie: Polizei hört Hilfeschreie durchs Telefon

Von: red/pol
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Stolberg. Bei einem schweren Fall von häuslicher Gewalt hat die Polizei in Stolberg am Mittwoch eine Familie in einer verwahrlosten Wohnung entdeckt. Die Hilfeschreie, die Nachbarn beim Notruf meldeten, konnten die Beamten selbst durch das Telefon hören.

Vor Ort  in der Oststraße trafen sie auf eine Mutter von drei Kindern. Die Frau war halbnackt und sah zerzaust aus. Während sie laut Polizeiangaben „wirres Zeug“ redete, wurde sie gegenüber den Polizeibeamten beleidigend. Der Ehemann war stark verschwitzt und verhielt sich äußerst renitent. Die Wohnung präsentierte sich als Trümmerfeld, wie Polizeisprecher Paul Kemen berichtet:  „Der Tisch lag auf dem Kopf, der Boden übersät mit Inventar, zerbrochenen Gläsern, Bierflaschen und Blumenerde. Küche und Schlafzimmer waren völlig unterwohnt.“

Mittendrin saßen die vier und sieben Jahre alten Kinder um 22.30 Uhr noch vor dem Fernseher, während das acht Monate alte Kind in einem unordentlichen Bett schlief. Die jeweils 23 Jahre alten Eltern standen unter deutlichem Einfluss von Drogen und Alkohol. Bei der Frau ermittelten die Beamten einen Wert von 1,8 Promille. Außerdem fanden sie in der Küche ein mittelgroßes Tütchen Marihuana. Die Eltern erklärten den Drogenfund mit Eigenbedarf. Die Polizei erkannte aber wegen der angespannten Stimmung und der körperlichen Verfassung der Eltern eine erheblich Gefahr für das Wohl der Kinder.

Deshalb entschieden sie noch während des Einsatzes, die Kinder in eine Pflegefamilie zu geben. Die Eltern wehrten sich gegen diese Entscheidung und die Mutter drohte laut Polizeibericht, „alle im Haus umzubringen“. Daraufhin ordneten eine Ärztin und ein Vertreter des Stolberger Ordnungsamtes, die inzwischen zum Einsatzort gekommen waren, die zwangsweise Unterbringung der Frau in ein Landeskrankenhaus an. Der Vater wurde vorübergehend festgenommen und ins Polizeipräsidium gebracht.

Der in der Nachbarschaft wohnende Bruder der Frau sollte sich um den Hund der Familie kümmern. Dabei nahm er still und heimlich allerdings auch die Kinder mit. Zeugen beobachteten, wie er die Kinder durch ein Fenster auf den Balkon hob und zu sich nach Hause nahm. Anschließend zeigte er sich jedoch einsichtig und gab die Kinder heraus, die gegen 0.30 Uhr zu einer Pflegefamilie kamen.

Gegen das Paar leitete die Polizei ein Strafverfahren ein. Außerdem informierten sie das Jugendamt, das Ordnungsamt und das Straßenverkehrsamt ausführlich über die Zustände. Nach Aussage des Polizeiberichts müsse geprüft werden, „ob der Mann als Führerscheininhaber überhaupt geeignet ist, ein Auto zu fahren, geschweige denn Kinder zu versorgen und zu erziehen.“

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