Verstecken im Gras: Tödliche Gefahr für kleine Rehkitze

Von: Leandra Kubiak
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Sie kommen etwa Ende Mai zur Welt und sind die ersten drei Wochen lang geruchlos: Rehkitze. Foto: stock/Blickwinkel
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Haben sich in Zweifall auf die Suche nach Rehkitzen begeben, um diese vor dem Mähtod zu retten: (von links) Claudia Roggenkamp, Markus Hamacher, Karin Kuckelkorn, Sascha Foto: Leandra Kubiak

Stolberg. Sie sind klein, geruchlos und drücken sich vor Angst dicht an den Boden – Rehkitze. Liegen sie im hohen Gras, ist es gar nicht mal leicht, die Tiere zu entdecken. Bernd Roggenkamp deutet auf den Boden, das hohe Gras ist an dieser Stelle eingedrückt.

„Hier könnte eins gelegen haben. Das sieht nach einer Liegestelle aus“, sagt er. Roggenkamp ist Jagdaufseher im Revier Zweifall. Mit einiger Unterstützung ist er auf der Suche nach Rehkitzen, um diese vor dem Mähtod zu bewahren.

Die Ricken, also die weiblichen Rehe, setzen ihre Kitze zwischen Mitte Mai und Mitte Juni, sagt Roggenkamp. Damit sie nicht von Feinden gefunden werden, legen ihre Mütter sie häufig ins hohe Gras, während sie sich zum Beispiel auf Nahrungssuche begeben. Der Zeitraum überschneidet sich mit der ersten Mahd vieler Wiesen. Für die jungen Kitze ist das höchst gefährlich: „Wenn sie die Traktoren hören und Angst bekommen, laufen sie nicht weg“, erklärt Roggenkamp. Im Gegenteil: „Um sich zu schützen, drücken sie sich umso flacher auf die Erde.“

Auch in Stolberg war diese Woche die Mahd angesagt. Zwei Wiesen an der Münsterau zwischen Vicht und Zweifall wurden gemäht. Früh geplant werden kann die Mahd nicht – sie ist abhängig von der Wettervorhersage.

Gute Zusammenarbeit

„Heute Morgen kam der Anruf vom Wiesenbesitzer, der uns darüber informiert hat, dass die Wiesen noch heute gemäht werden sollen“, sagt Claudia Roggenkamp, die ihren Mann bei der Suche unterstützt hat. Die Gruppe musste also schnell zusammengetrommelt werden – immerhin, drei Helfer standen Bernd und Claudia Roggenkamp kurzfristig zur Seite. „Die Zusammenarbeit zwischen Jägern und den Landwirten oder Wiesenbesitzern ist sehr gut“, sagt Roggenkamp. Das sei nicht nur im Revier Zweifall so, sondern in der gesamten Kreisjägerschaft Aachen.

„Wir gehen die Wiesen systematisch ab“, sagt Claudia Roggenkamp. In großen Schritten geht es von der Straße Richtung Waldrand und wieder zurück. In geraden Bahnen wird so die gesamte Fläche abgesucht. Dass bereits Tiere auf der Wiese waren, daran besteht bei der Gruppe kein Zweifel. An einigen Stellen ist das hüfthoch gewachsene Gras bereits platt getrampelt. Es könnten aber auch Wildschweine gewesen sein, vermutet Markus Hamacher, der ebenfalls einen Jagdschein besitzt. Auf der ersten Wiese findet die Gruppe kein Rehkitz.

Es geht auf die andere Straßenseite: Auch hier befindet sich eine Wiese, die gemäht werden soll. Unterstützung bekommen Bernd und Claudia Roggenkamp auch von zwei Spürnasen der besonderen Art: Alf und Brandy. Einem Rhodesian Ridgeback Labrador-Mischling und einer Brandlbracke. Trotz ausgezeichneter Nase können jedoch auch sie die Kitze nicht riechen. „Erst nach rund drei Wochen nehmen die Tiere einen eigenen Geruch an“, erklärt Roggenkamp. Auch für die Hunde ist also die Suche mit den Augen angesagt.

Am Rande der zweiten Wiese schlagen die Hunde dann Alarm. Ein Rehkitz haben sie zwar nicht gefunden, aber es scheint Rehwild in der Nähe zu sein. „Vor kurzem wurde hier eine tragende Ricke gesehen“, sagt Roggenkamp. „Vermutlich ist sie nicht weit von hier.“ Ob sie ihre Kitze schon gesetzt hat, ist nicht ganz klar, Roggenkamp vermutet aber: Ja. Auch hier lässt sich wieder ein kleiner Abdruck im Gras finden, der auf ein Rehkitz hindeuten könnte.

In Bahnen sucht die Gruppe die zweite Wiese ab. Doch auch hier kann sie kein Kitz finden. Roggenkamp zieht positive Bilanz: „Durch die Unruhe, die wir hier auf der Wiese gemacht haben, wird so schnell kein Reh mit seinen Kitzen zurückkehren.“ Je kürzer man die Wiesen vor der Mahd absuche, desto besser, erklärt Roggenkamp. Suche man schon am Vortag, können die Rehe über Nacht schließlich zurückkehren, so Roggenkamp. Diesmal war es wohl eine Punktlandung: Kaum verlässt die Gruppe die Wiese, rollt auf der anderen Straßenseite die Mähmaschine an.

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