Stolberg - Vermittler zwischen den Fronten

Vermittler zwischen den Fronten

Von: Johannes Mohren und Jan Wawrzyniak
Letzte Aktualisierung:
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Geballte Erfahrung: Josef Kochs (l.) und Host Berzborn (r.) haben jetzt das Zertifikat zum Mediator erhalten. Ihnen gratuliert auch Helmut Thyssen von der Bezirksvereinigung der Schiedsleute. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Ob es die Zweige des Apfelbaumes sind, die über den Zaun in Nachbars Garten reichen, oder der Grill, der sonntags angeworfen wird: Die Gründe, warum Menschen miteinander in Streit geraten, sind vielfältig.

Mit Nachbarschaftsstreitigkeiten kennen sich die Schiedsmänner Josef Kochs und Horst Berzborn bestens aus. Berzborn ist seit 38 Jahren im Amt, Kochs ein Jahr weniger. Im Laufe der Jahre haben sich die beiden Ehrenamtler stetig weitergebildet. Im Rathaus wurde ihnen jüngst das Zertifikat zum Mediator überreicht.

Bei der Feierstunde erzählen die beiden 68-Jährigen aus ihrem Alltag als Schiedsmann. Die außergerichtliche Streitschlichtung biete für alle Beteiligten Vorteile, sagt Kochs. Abgesehen davon, dass die Gerichte entlastet werden, entfallen teure Anwaltskosten und die Kontrahenten haben eine gute Chance, sich später die Hand reichen zu können.

Nach einer Auseinandersetzung vor Gericht ist es unwahrscheinlich, dass beide Parteien noch ein freundliches Wort wechseln. Berzborn ist als Schiedsmann verantwortlich für den Bezirk Stolberg III (Breinigerberg, Büsbach, Dorff, Elgermühle, Venwegen, Vicht, Breinig und Zweifall), während Kochs Ansprechpartner für den Bezirk II - dazu gehören Atsch, Donnerberg und Unterstolberg - zuständig ist.

Die Schiedsmänner sind erfolgreich: Jeder zweite Fall kann ohne Gericht gelöst werden. Grundvoraussetzung ist, dass die Parteien auch eine Einigung erzielen wollen, betont Kochs.

Berzborn erinnert sich an einen Fall, bei dem es vordergründig um eine Hecke ging, die zwei Zentimeter zu hoch war. Während des Gespräches mit den beiden Kontrahenten habe sich jedoch herausgestellt, dass die Hecke Nebensache war.

In Wahrheit ging es nur darum, den anderen zu triezen. Zehn bis 15 Fälle pro Jahr hat ein Schiedsmann im Stolberger Raum. Es sei weniger geworden, bilanziert Kochs. Was aber nicht heißt, dass weniger gestritten wird. Ganz im Gegenteil. „Die Mentalität in der Bevölkerung, gerichtlich gegen Unrecht vorzugehen, nimmt zu”, stellt Helmut Thyssen, Vorsitzender der DBS Bezirksvereinigung Aachen, klar.

Gründe für die Klagewut vor Gericht seien, „dass Grundstücke immer dichter aneinander grenzen und auch kleiner geworden sind”.

Damit schrumpfe die Privatsphäre. Im Gegensatz zu früher habe heute fast jeder eine Rechtsschutzversicherung, die die Anwaltskosten übernehme, erläutert Kochs.

Dazu Berzborn: „Die außergerichtliche Einigung ist auch deswegen ins Hintertreffen geraten, weil die Polizei verpflichtet sei, generell eine Anzeige aufzunehmen.

Doch auch wenn aufgrund der Umstände die Fälle, bei denen die Schiedsmänner eingeschaltet werden, weniger geworden sind, unterstützt die Stadt Stolberg ihre Ehrenamtler nach wie vor in jeder Hinsicht.

„Die Stadt Stolberg ist in dieser Hinsicht Vorreiter, sie bezahlt unsere Fortbildungen mit Übernachtung und auch Porto und Schreibutensilien sind kein Problem”, berichtet Kochs.

Für Andreas Pickhardt von der Stadt Stolberg ist es selbstverständlich, das Schiedsamt zu unterstützen. „Das ist eine sinnvolle Investition.” Der Nutzen, den die Allgemeinheit davon habe, sei um ein Vielfaches größer, bedankt er sich bei Kochs und Berzborn sowie allen anderen Schiedsmännern.
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