Verkehrssünder lassen viel Geld in Stolberg

Von: Sarah-Lena Gombert
Letzte Aktualisierung:
13893669.jpg
Absolute Spitzenreiterin in der gesamten Städteregion: Die „Blitze“ am Stolberger Fettberg hat im vergangenen Jahr mehr als 12.000 Mal ausgelöst. Insgesamt hat die Städteregion 2016 mehr als 4,65 Millionen Euro durch Buß- und Verwarngelder eingenommen. Foto: S.-L. Gombert
13893671.jpg
Auf kleine gelbe Zettel, die das Ordnungsamt an die Windschutzscheibe legt, folgt meist unerfreuliche Post der Stadtverwaltung. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. Die höchste Arbeitslosenquote, die schnellste Kommune in Sachen Sozialplanung: In der Städteregion führt Stolberg einige Rankings an. Auch an einer anderen Stelle ist die Stadt Spitzenreiter: Denn in Stolberg steht die erfolgreichste stationäre Radarfalle der Städteregion.

Und auch die Anzahl an Knöllchen, die die Stadt an Falschparker verteilt, kann sich sehen lassen. Den Einnahmen der Städteregion und der Stadt stehen jedoch auch hohe Ausgaben gegenüber.

„Wir haben im vergangenen Jahr rund 530.000 Euro durch Verwarn- und Bußgelder eingenommen“, erklärt Kämmerer Willi Essers auf Anfrage unserer Zeitung. Hinter diesen Verwarn- und Bußgeldern verbergen sich vor allem Knöllchen für abgelaufene Parktickets, Parken im absoluten Halteverbot oder ähnliche Delikte im ruhenden Verkehr, der vom städtischen Ordnungsamt überwacht wird. Schon seit Jahren hat sich die Stadt die verstärkten Kontrollen des ruhenden Verkehrs auf die Fahnen geschrieben, um die öffentliche Kasse etwas aufzubessern.

Doch das Kontrollieren von Autos und das Ausstellen von Knöllchen beziehungsweise deren Abrechnung durch den Innendienst verursacht auch Kosten: „Die Kosten für Personal und Ausstattung beläuft sich beim Ordnungsamt auf rund 495.000 Euro“, erklärt Robert Walz, Sprecher der Stadt Stolberg. Damit liegt die Differenz von Einnahmen und Ausgaben bei 35.000 Euro im Jahr. Es lasse sich zwar nicht genau aufschlüsseln, wie hoch genau die Kosten für den Bereich Verkehrskontrolle seien. „Aber diese Kontrollen nehmen schon den größten Teil der Arbeit ein“, so Walz.

Mindestens genauso ärgerlich wie die gelben Zettel der Stadt an der Windschutzscheibe sind die unscharfen Fotos, die per Post ins Haus flattern, sobald man als Autofahrer in eine Radarfalle getappt ist. Für die Geschwindigkeitsmessungen in Stolberg ist neben der Polizei vor allem die Städteregion zuständig. Und die „blitzt“ in Stolberg nicht zu knapp. „Wir hatten bis Ende 2016 genau 1023 mobile Messstellen“, sagt Detlef Funken, Sprecher der Städteregion, auf Anfrage unserer Zeitung. 159 mal war die mobile Einheit in Stolberg unterwegs. Wie oft jedoch Autofahrer in die mobile Falle „getappt“ sind, ließe sich aufgrund der hohen Anzahl der Messungen nicht genau sagen.

Anders sieht das bei den stationären Messstellen aus, den „Starenkästen“. Die Stolberger Blitzen stehen am Fettberg (zulässige Höchstgeschwindigkeit 30 km/h), Buschmühle (Fahrtrichtung Stolberg, 30 km/h, Fahrtrichtung Eilendorf, 30 km/h), Gressenicher Straße (50 km/h), Würselener Straße (Fahrtrichtung Verlautenheide, 70 km/h, Fahrtrichtung Stolberg, 70 km/h), Sebastianusstraße (Richtung Eilendorf, 50 km/h, Richtung Stolberg, 50 km/h), Römerstraße (Richtung Gressenich, 70 km/h, Richtung Eschweiler, 70 km/h), Stockemer Straße (50 km/h), Jägerhausstraße (50 km/h), Römerstraße (Richtung Gressenich 70 km/h, Richtung Eschweiler, erlaubtes Tempo ist hier 70 km/h).

Es sind allerdings nicht immer alle Anlagen gleichzeitig „schussbereit“, weil die Städteregion weniger Kameras als Starenkästen hat. Diese werden reihum bestückt und „scharf“ geschaltet. Dennoch: Die „Blitze“ am Fettberg ist städteregionsweiter Spitzenreiter. 12.122 Mal hat der Blitz auf der abschüssigen Straße in Richtung Europastraße ausgelöst. „Daraus resultieren Geldbußen in Höhe von 346.005 Euro“, sagt Detlef Funken.

Auch die „zweitbeste“ Blitze der Stadt steht an einer Stelle, wo man maximal 30 Stundenkilometer fahren darf: An der Buschmühle. Hier verschickte die Städteregion im vergangenen Jahr insgesamt 3618 teure Fotos an Autofahrer. Insgesamt hat die Städteregion im vergangenen Jahr mehr als 4,65 Millionen Euro durch Bußgelder und Verwarnungen eingenommen. Dem stehen Ausgaben von 2,13 Millionen Euro gegenüber. Trotz der hohen Einnahmen: Die Autofahrer in der Städteregion fahren offenbar immer seltener zu schnell. Die Zahl der Verstöße im Verhältnis zur Gesamtzahl aller überprüfter Fahrzeuge sinkt tendenziell. Die erhöhten Einnahmen sind nach Angaben von Detlef Funken auf mehr Kontrollen zurückzuführen. Auch die Anzahl der Bußgeldverfahren, also solche Verfahren, bei denen Punkte in Flensburg notiert werden, ist im letzten Jahr gesunken. „Das ist ein Zeichen dafür, dass der präventive Charakter der Kontrollen Wirkung zeigt“, sagt Funken.

Das Polizeipräsidium Aachen führt ebenfalls Geschwindigkeitsmessungen durch – kann aber nicht genau sagen, wie viele das sind. Das liegt zum einen daran, dass sowohl die Inspektionen als auch der Verkehrsdienst sich um Raser kümmern. Außerdem gebe es keine spezielle Einheit der Polizei, die sich nur um solche Kontrollen kümmere, erklärt eine Sprecherin des Präsidiums auf Anfrage. Vielmehr gehören die Geschwindigkeitsmessungen zum Dienst vieler Kollegen dazu. Am besten ist es aber wahrscheinlich, sich einfach an die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten und gar nicht erst auszuprobieren, wie häufig die Polizei Fotos verschickt...

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert