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Vergewaltigungsprozess neu aufgelegt: Die Tat bestritten

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Das Verfahren gegen den 47-Jährigen hatte schon den Bundesgerichtshof beschäftigt. Nun muss es neu aufgelegt werden. Symbolfoto: dpa

Stolberg/Aachen. In der Neuauflage des Vergewaltigungsprozesses gegen den 47-jährigen Guido H. vor dem Aachener Landgericht hat der Angeklagte die Tat am Dienstag erneut bestritten. Der Bundesgerichtshof hatte entschieden, dass der Prozess gegen den nach eigenen Angaben unheilbar krebskranken Mann von 2013 neu aufgerollt werden muss. Das mutmaßliche Opfer musste so erneut in den Zeugenstand.

Der Angeklagte nahm am Dienstag das Heft des Handelns vor der 6. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Matthias Quarch selbst in die Hand. „Ich bin, wie Sie wissen, schwer krank, Herr Richter. Ich muss viel Morphium nehmen und drohe zu kollabieren“, monierte H. und bestand auf eine Überprüfung seiner aktuellen Verhandlungsfähigkeit.

Das Verfahren gegen den mutmaßliche Vergewaltiger, der im Jahr 2013 zu acht Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden war, musste nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes neu aufgerollt werden. Das gestaltete sich bereits am ersten Verhandlungstag Anfang Februar schwierig. Auch damals zog Guido H. alle Register. Letztlich wurde ihm jedoch eine zumindest eingeschränkte Verhandlungsfähigkeit attestiert, nachdem die Krankenakten aus der JVA Aachen hinzugezogen wurden und der Anstaltsarzt letztlich grünes Licht gab.

H. soll im Januar 2013 noch unter laufender Bewährung und unter einer strengen Führungsaufsicht des vom Land NRW eingerichteten KURS-Programmes für rückfallgefährdete Sexualstraftäter eine damals 29-jährige Versicherungsmanagerin in ein Ladenlokal am Stolberger Steinweg gelockt haben. Dort soll er sie mit einem Teppichmesser bedroht und vergewaltigt haben; einen Tag später soll er sie erneut sexuell missbraucht haben.

Das bestreitet H. nach wie vor. Also musste das mutmaßliche Opfer am Dienstag erneut in den Zeugenstand. Zwar willigte H. ein, dass trotz seiner vorgebrachten erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigung ab mittags gegen ihn verhandelt werden durfte. Doch dann beantragte der zuvor schon einmal im Jahr 2005 wegen Vergewaltigung verurteilte Sexualstraftäter, ohne seinen Anwalt überhaupt zu fragen, selbst den Ausschluss der Öffentlichkeit. Das ist prozessual durchaus erlaubt.

Seine Begründung: Es würden insbesondere auch für die Zeugin – als seinem mutmaßlichen Opfer – Dinge erörtert, die schließlich „in die Intimsphäre“ gingen und die er nicht öffentlich verhandelt wissen wolle. Die Zeugin bekundete allerdings vor dem Gericht, dass sie auch öffentlich aussagen wolle.

Trotzdem sah das Gericht den Schutz des Angeklagten und dessen Intimsphäre als schützenswert an und setzte sein Recht höher an als das Recht der Öffentlichkeit auf Information. Eine juristische Bewertung, für die sich gerade diese Kammer in jüngerer Zeit des Öfteren entschieden hatte.

So ist denn auch nicht sicher, ob an den kommenden Verhandlungstagen die Öffentlichkeit zugelassen sein wird. Für Guido H., der nach eigenem Bekunden schwer und unheilbar krebskrank ist, geht es um eine mögliche kurzfristige Entlassung - oder um einen Freiheitsentzug bis zum Tod.

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