Aachen/Stolberg - Vergewaltigungsprozess: Mutmaßlicher Täter streitet erneut ab

Vergewaltigungsprozess: Mutmaßlicher Täter streitet erneut ab

Von: Wolfgang Schumacher
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Im Vergewaltigungsprozess streitet der mutmaßliche Täter Guido H. die Tat weiterhin ab. Symbolfoto: dpa

Aachen/Stolberg. Im Wiederaufnahmeverfahren des Vergewaltigungsprozesses gegen den 47-jährigen Guido H. vor dem Aachener Landgericht haben am Montag der Lebensgefährte und die Mutter des Opfers ausgesagt.

Die junge Frau ist nach den Angaben der Staatsanwaltschaft im Januar 2013 von dem 47-jährigen Guido H. in einem Stolberger Ladenlokal vergewaltigt und mit einem Messer bedroht worden, H. wurde deswegen Ende des Jahres 2013 zu acht Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt, der Bundesgerichtshof (BGH) ordnete jedoch eine neue Verhandlung an.

In der ging es vor der Kammer unter dem Vorsitz von Richter Matthias Quarch am Montag um das heikle Thema, ob der Angeklagte zum Tatzeitpunkt überhaupt körperlich zu einer Erektion habe fähig sein können.

Denn die Verteidigung argumentierte, der schwer krebskranke Guido H. sei wegen der Einnahme seiner vielzähligen Medikamente nicht mehr zum Geschlechtsverkehr in der Lage gewesen.

Anderseits hatte der sich oftmals in den Prozessverlauf einmischende Angeklagte – selbst sein Verteidiger musste ihm des Öfteren das Wort abschneiden – behauptet, die sexuellen Annäherungen seien „einvernehmlich“ geschehen, er habe also keine Gewalt angewendet. Dass er außerdem impotent sei, komme noch hinzu. Auch dem BGH hatte die Aussage einer Freundin von H., der bereits 2005 wegen Vergewaltigung verurteilt wurde und als rückfallgefährdeter Täter unter besonderer Aufsicht stand, nicht ausgereicht. Die Frau hatte bestätigt, dass H. noch im Dezember 2012 zum Geschlechtsverkehr in der Lage gewesen sei.

Der Sachverständige, ein Urologe, kam am Montag zu der Feststellung, dass bei Guido H. rein organisch keine Beeinträchtigungen für mögliche Erektionen aufzufinden seien. Wohlgemerkt, betonte der Sachverständige ausdrücklich gegenüber dem Gericht, er könne sich nur zu den körperlichen Voraussetzungen äußern, die psychische Konditionierung sei kaum eindeutig feststellbar, hierzu könne er als Gutachter rein gar nichts sagen.

Der Lebensgefährte der des damals 29-jährigen Opfers hatte dem Gericht nochmals beschrieben, wie aufgewühlt seine Freundin an diesem Tag zu ihm gekommen war. Sie war damals Versicherungsagentin im Geschäft ihrer Tante. Deswegen war sie dem mutmaßlichen Täter in ein Stolberger Ladenlokal gefolgt. „Ich habe das zuerst – leider – gar nicht so ernst genommen“, schilderte der 30-jährige Zeuge heute nochmals diese Begegnung. Sie aber „war dann völlig aufgelöst“. Da habe er gewusst, dass etwas Schlimmes passiert war.

Dann kam der nächste Schock bei der Polizei in Stolberg. Hier wurden sie, so schilderte der Zeuge es am Montag erneut vor Gericht, von einem jungen Beamten überhaupt nicht ernst genommen.

Er wollte wohl schnell Feierabend machen und nicht mehr viel von einer möglichen Vergewaltigung wissen.

Erst in einem zweiten Anlauf bei einem weiteren Polizeibeamten konnten sie den Fall endlich zu Protokoll geben.

Der Täter hatte wohl sogar per SMS gedroht, den Eltern des Mädchens die Beine zu brechen, wenn sie die Anzeige weiterverfolge. Er wurde am Tag danach dann festgenommen.

Die Mutter des Opfers schilderte am Montag ihre Tochter als besonnen und „geradeheraus“. So könne sie auf die Frage der Staatsanwältin, ob die Tochter möglicherweise falsche Beschuldigungen erhebe, mit gutem Gewissen „auf keinen Fall“ antworten. Der Prozess wird am Mittwoch ab 9.30 Uhr im Aachener Landgericht fortgesetzt.

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