Vergewaltigung: Jetzt siebeneinhalb Jahre Haft für Guido H.

Von: Wolfgang Schumacher
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Wegen schwerer Vergewaltigung muss Guido H. für siebeneinhalb Jahre in Haft und anschließend in Sicherungsverwahrung. Symbolfoto: Patrick Seeger/dpa

Aachen/Stolberg. Mit einem kleinen „Abschlag“ im Strafmaß hat die 6. Große Strafkammer am Aachener Landgericht jetzt das Urteil gegen Guido H. bestätigt. Der 47-Jährige hatte 2013 eine 29-Jährige Frau mit einem Messer bedroht und vergewaltigt. Der schwer an Krebs erkrankte Häftling muss für diese und andere Taten nun siebeneinhalb Jahre absitzen.

Für die Zeit danach verhängte die Kammer Sicherungsverwahrung. Das Gericht hatte die dem Angeklagten zur Last gelegten zwei Taten nochmals zu beurteilen – der Bundesgerichtshof hatte das Urteil 2015 zur Neuverhandlung an das Aachener Landgericht zurück überwiesen.

Doch auch das Gericht unter Vorsitz von Richter Matthias Quarch kam jetzt zu dem selben Ergebnis wie seinerzeit die 8. Große Strafkammer und sprach Guido H. wegen besonders schwerer Vergewaltigung einer damals 29-jährigen Versicherungsagentin aus Stolberg schuldig. In der ersten Auflage des Prozesses 2013 hatte das Gericht unter Vorsitz von Richter Hans-Günter Görgen acht Jahre Haft und ebenso eine anschließende Sicherungsverwahrung ausgesprochen.

Richter Quarch kritisierte jetzt in der Urteilsbegründung deutlich die Praxis des 2. Senats des Bundesgerichtshofes. Der Senat habe eine Haftsache mehr als ein Jahr liegenlassen - ein Unding in der Rechtsprechung, wie der Vorsitzende nachdrücklich hervorhob.

Alleine wegen der überlangen Verfahrensdauer gebühre dem Angeklagten ein Strafnachlass. Das schlage sich in dem halben Jahr Strafhaft nieder, das der Mann nun weniger absitzen muss. Viel hat der Verurteilte davon allerdings nicht, da die Kammer für den einschlägig vorbestraften H. erneut die Sicherungsverwahrung verhängte.

„Alles einvernehmlich“

Bei den beiden Taten im Januar 2013 stand Guido H. als mehrfach verurteilter Sexualstraftäter unter laufender Bewährung und hatte sich nach den besonderen Vorschriften des landesweiten „KURS“-Programmes zur Resozialisierung dieser Art von Gewalttätern auszurichten. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, zuerst am 9. Januar 2013 unter dem Vorwand, er wolle Versicherungsverträge abschließen, das Opfer in ein Ladenlokal am Steinweg zu locken und dort zu vergewaltigen.

Er hielt der Versicherungsagentin ein Teppichmesser an den Hals und zwang so die 29-Jährige zum Sex. Dabei habe er gedroht „wenn du schreist, dann bist du tot“. Da habe sie sich nicht weiter gewehrt.

Um sie auch am Folgetag gefügig zu machen, drohte er damit, ihre Eltern „zu besuchen“ und ihnen sodann etwas anzutun. H. hielt sich seit Jahren im kriminellen Milieu Aachens auf und prahlte unter anderem damit, als ehemaliger Türsteher Mitglied der Rockerszene zu sein. Auf der anderen Seite habe er die Gabe, so schilderte Richter Quarch den schillernden Charakter des Angeklagten, Frauen gegenüber besonders verständnisvoll und hilfsbereit zu erscheinen. Das geschehe allerdings nur deswegen, um zum sexuellen Ziel zu kommen.

H. streitet die Taten bis heute ab: Alles sei einvernehmlich vonstatten gegangen. Außerdem führte er ins Feld, dass er aufgrund der Chemotherapie gegen seinen Krebs impotent und körperlich gar nicht zu den Taten in der Lage gewesen sei. Hauptsächlich wegen dieses Aspektes hatte der Bundesgerichtshof die Sache zurückverwiesen.

Ein renommierter Sachverständiger kam allerdings zu einem anderen Ergebnis: H.‘s sei körperlich durchaus zu den Taten in der Lage gewesen. Das hatte auch die ehemalige Freundin des Angeklagten vor Gericht bestätigt.

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