Vergangenheit wird mit dem Heute verknüpft

Von: Christoph Hahn
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Pflegen eine moderne Kultur des Gedenkens: Engagierte Schüler des Goethe-Gymnasiums sorgten beim Festakt im Rathaus für ein Glanzlicht. Foto: C. Hahn

Stolberg. Nicht staatstragend steif, sondern jugendlich lebendig und darum glaubwürdig: Mit der „gelifteten“ Feierstunde zum Volkstrauertag haben Bürgermeister Ferdi Gatzweiler und Frank Gilles in ihrer Eigenschaft als Vorsitzender beziehungsweise Geschäftsführer der Kriegsgräberfürsorge in Stolberg am Sonntag deutlich Punkte gemacht.

Die Feierstunde nach dem neue Leitbild im Sitzungssaal des Rathauses lebte jedenfalls vor allem durch die drei Beiträge von Schülerinnen und Schülern des Goethe-Gymnasiums. Erinnern, Gedenken, fragen, was war: Die Grundanliegen der Kriegsgräberfürsorge haben die jungen Frauen und Männer mit den Mitteln der Gegenwart umgesetzt.

Mittel der Gegenwart: Das waren in diesem Fall drei Kurzfilme, die die Gymnasiasten zusammen mit ihrem Projektlehrer Philipp Pletsch, in Anwesenheit von Dr. Dagmar Hempel vom Institut für Landeskunde des Landschaftsverbandes Rheinland, die die Entstehung des Filmes maßgeblich begleitet hatte, und von Direktor Bernd Decker vorstellten. Orte wie den Soldatenfriedhof in Vossenack, den auch als „Höckerlinie“ bekannten Westwall, den jüdischen Friedhof in Aachen und das Mahnmal an der Mühlener Brücke hatten die Film-Junioren aufgesucht, Zeitzeugen und auch Altersgenossen befragt.

Ergebnis: eine Erinnerungskultur, die das Gestern kritisch unter die Lupe nimmt und dabei fest im Heute verwurzelt ist. Diese Vorahnung davon, wie Volkstrauertage in Zukunft aussehen kann: Das alles fing mit dieser Feierstunde im Ratssaal von Stolberg an. Die Botschaft der Goethe-Gymnasiasten kam bei den Teilnehmern an, wie der rege Beifall der Vertreter von Parteien und Fraktionen, Vereinen, Feuerwehr, Polizei und Bundeswehr dokumentierte. Und auch an traditionellen Elementen fehlte es nicht, denn der Männergesangverein der Siedlergemeinschaft Donnerberg trugt ebenso zur würdigen Gestaltung bei wie dies die Blasmusiker der Freiwilligen Feuerwehr taten. Apropos Feuerwehr: Die sorgte mit ihren Mannschaftswagen auch für den Transfer zum Friedhof Bergstraße, wo die abschließende Kranzniederlegung stattfand.

Menschlich bewegend wie die Ansprache von Oberstleutnant Hagen Strunk aus Aachen im Rathaus, der aus seiner eigenen Familiengeschichte schöpfte und diesen Blick auf die Geschichte mit den Realitäten des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan verknüpfte, gerieten auch die Stunden des Gedenkens in den einzelnen Stadtteilen – so auch die vor dem Ehrenmal an der Bischof-straße in Büsbach. Während die Hubertus-Schützen und Männer der Feuerwehr mit Fackeln Spalier standen, richtete Rainer Soldierer von der Interessengemeinschaft der Vereine das Wort an die Zuhörer.

Mit den Worten „Wenn die Toten schweigen, müssen wir reden“ nahm er sich und sein Publikum in die Pflicht. Seine Anfrage an Zeit und Zuhörer: „Wer von den unter 50-Jährigen kann mit dem Begriff „Volkstrauertag“ heute noch etwas anfangen?“ Fragen, kritische Fragen verbanden sich mit einem wachen Sinn für das Hier und Jetzt. Soldierers Warnung wird keiner, der sie in Büsbach vernommen hat, so schnell vergessen: „Die Konsuminsel Europa ist von Kriegsschauplätzen umgeben.“

Diese Diagnose saß – und zeugte zudem vom wachen Blick auf Wirklichkeit weit über die Grenzen des eigenen Ortes hinaus.

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