Vereine trauern Schwimmbad-Café „Sunrise“ nach

Von: Sarah-Lena Gombert
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Das Bistro „Sunrise“ am Stolberger Hallenbad, das seit diesem Sommer geschlossen ist und zu einem Fitnesscenter umgebaut wird, war das Vereinslokal des Schwimmvereins. Die Sportler sind auf der Suche nach einer geeigneten Alternative. Foto: S.-L. Gombert
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Das Fitnessstudio der Firma Actic eröffnet offiziell am 26. November. Viele Interessenten haben bereits einen Vertrag unterzeichnet.

Stolberg. Auch wenn das Schild vom Bistro „Sunrise“ noch deutlich am Schafberg zu sehen ist: Seit diesem Sommer hat die Gastronomie am Stolberger Hallenbad geschlossen. Dort, wo bis vor wenigen Monaten Ilona Mehlkopf und ihr Mann noch Getränke und Speisen serviert haben, entsteht derzeit ein neues Fitnessstudio der Firma Actic.

Für Sportfans wird das Hallenbad durch dieses Studio attraktiver: Denn der Betreiber eröffnet die Möglichkeit, neben den Sportgeräten auch die Schwimmhalle selbst zu nutzen – zumindest dann, wenn keine Schulklasse oder kein Verein im Wasser ist. Und genau diese Vereine haben mit dem neuen Fitnessstudio ein kleines Problem: Denn mit dem Pächterwechsel und der neuen Nutzung der alten Gastronomieräume haben die Schwimmer und die DLRG ihr Vereinslokal verloren.

„Im Bistro Sunshine haben wir alle Versammlungen unseres Vereins abgehalten, dort fand unsere Wasserballparty statt und auch kleinere Besprechungen, beispielsweise vom Vereinsvorstand“, erklärt Jochen Drees, Vorsitzender des Stolberger Schwimmvereins. Der Verein sei mit dem Bistro in den vergangenen Jahren sehr zufrieden gewesen.

„Früher hatte die Schwimmbadgastronomie eher einen Kneipencharakter. Doch durch das Sunrise hat das ganze eine familienfreundliche Atmosphäre bekommen“, sagt Drees. Auch viele Eltern hätten vom Café aus ihren Kindern beim Schwimmtraining zuschauen können. So hätten sie sich ein Bild vom Vereinstraining machen können, ohne jedoch den Trainingsbetrieb zu stören.

Bistro seit Sommer geschlossen

Seit diesem Sommer geht das nicht mehr. „Im Oktober 2015 bin ich von der Stadt angesprochen worden, dass es Pläne für ein solches Fitnessstudio gebe“, erzählt Ilona Mehlkopf im Gespräch mit unserer Zeitung. Ende Juni dieses Jahres lief dann ihr Pachtvertrag aus, sie räumte ihr Bistro – welches sie eigentlich gerne noch weitergeführt hätte, wie sie im Gespräch betont.

„Seitdem fehlt bei uns im Verein einfach der Dreh- und Angelpunkt für den Austausch untereinander“, sagt Stephie Preetz, Breitensportwartin des Schwimmvereins. Rund 400 Mitglieder hat der Stolberger Schwimmverein nach eigenen Angaben, etwa 350 springen regelmäßig ins Wasser – ob nun beim Breitensport, beim Wettkampfschwimmen oder bei den Wasserballern. „Und viele von uns sind nach dem Training noch auf ein Getränk ins Bistro von Ilona Mehlkopf“, erzählt Stephie Preetz. Gerade am Freitagabend hätten viele junge Vereinsmitglieder die Zeit nach dem Training zum gemeinsamen Ausklang der Woche genutzt.

Das bestätigt auch Dirk Köttgen, Vorsitzender des Stolberger DLRG-Ortsverbands. Die Ortsgruppe hat 300 Mitglieder, von denen rund 70 bis 90 regelmäßig im Hallenbad trainieren. „Schön wäre für uns, drei Sachen unter einem Dach zu vereinen: Schwimmhalle, das Sportstudio und auch ein kleines Bistro.“

Doch das ist nicht vorgesehen. Dort, wo die Schwimmer sich nach dem Training getroffen haben oder die Mütter ihren Kaffee tranken, wird ab dem 26. November der Cardio-Bereich des neuen Fitnessstudios entstehen, wie eine Sprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt. Dass sich dort in Zukunft Schwimmer-Eltern aufhalten können, um ihren Sprösslingen beim Training zuzuschauen, hält sie für unwahrscheinlich.

Zwischen dem Schwimmverein und den Fitnessstudio-Gästen wird es kaum Berührungspunkte geben, denn während der Trainingszeiten wird kein Fitness-Gast im Hallenbad seine Bahnen ziehen dürfen. Wo die Actic-Kunden jedoch auch Schwimmern oder Schülern begegnen werden, sind die Duschen und Umkleidekabinen des Hallenbads. „Dort ist eine gemeinsame Nutzung vorgesehen“, erklärt die Actic-Sprecherin. Und sich umziehen und nach dem Sport duschen, das dürfen die Fitnesskunden auch dann, wenn sie nicht ins Bad dürfen. Geöffnet hat das neue Studio unter der Woche von 8 bis 21 Uhr und an den Wochenenden von 9 bis 18 Uhr.

„Mit dem Fitnessstudio an sich haben wir ja gar kein Problem“, sagt Schwimmvereinsvorsitzender Jochen Drees. Und das Schwimmbad, das für ihn eines der attraktivsten in der Region ist, gewinne sicherlich noch an Reiz für Sportbegeisterte. „Doch für uns als Verein sind wir jetzt von einer optimalen Lösung weit entfernt.“ Die Stadt habe dem Verein zwar Räume in der gegenüberliegenden Sporthalle Glashütter Weiher zur Verfügung gestellt, um dort Versammlungen abzuhalten.

Doch zumindest bis zum Gesprächstermin mit unserer Zeitung hatte der Vorsitzende für diese Räume noch nicht einmal einen Schlüssel. „Außerdem befindet sich der große Versammlungsraum direkt unter der Hausmeisterwohnung und kann nicht so oft benutzt werden“, sagt Jochen Drees. „Und gemütlich ist es dort auch nicht wirklich, eine Bewirtung fehlt komplett“, ergänzt Stephie Preetz.

Auch der Aspekt der Außenwirkung von Stolberger Vereinen kommt der Breitensportwartin mit dem neuen Konzept zu kurz. „Wir repräsentieren ja auch ein Stück weit die Stadt, wenn wir hier Wasserballspiele ausrichten oder die Stadtmeisterschaften im Schwimmen.“ Nun gebe es für Gäste keine Möglichkeit mehr, ein gastronomisches Angebot zu nutzen. Und auch Feiern, wie sie nach Turnieren stattgefunden haben, können jetzt nicht mehr am Glashütter Weiher ausgerichtet werden. „Wir als Verein müssen uns jetzt bei Veranstaltungen selbst um die Bewirtung kümmern, das ist deutlich aufwendiger als vorher.“ Mit Ilona Mehlkopf und deren Mann habe die Zusammenarbeit immer wunderbar funktioniert.

Man werde irgendwie versuchen, das aufzufangen, was durch die Schließung des Vereinslokals weggebrochen sei, betont Jochen Drees. So werden zum Beispiel die Pokale, die Stolberger bei Wettkämpfen gewonnen haben, und die im Bistro bestaunt werden konnten, in der Turnhalle ausgestellt. „Doch eine adäquate Lösung suchen wir noch“, so Drees.

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