Vereine sorgen sich um Zukunft im Hallenbad

Von: -jül-
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Sprichwörtlich kopfüber ins Wasser gehauen hat die Vereine die Nachricht, ein Fitness-Club möchte sich im Hallenbad engagieren. Symbolfoto: dpa

Stolberg. Gehörige Wellen geschlagen unter den Wassersport treibenden Vereinen in der Kupferstadt hat die Nachricht, dass eine skandinavische Fitnesskette in das Hallenbad am Glashütter Weiher investieren will. Nicht genutzte frühere Umkleiden im Keller sowie das Bistro sollen dazu umgebaut werden. Mitglieder der Kette sollen das Hallenbad zu den üblichen Öffnungszeiten kostenfrei nutzen können.

„Für die Stadt Stolberg scheint es die ideale Lösung zu sein, die in der maroden Finanzlage wie gerufen kommt: ein Investor, der mit einem sechsstelligen Betrag die leerstehenden Räumlichkeiten im Keller der Schwimmhalle und den Gastronomiebereich, in den die Stadt schon lange kein Geld mehr hat fließen lassen, saniert und mit einer jährlichen, fünfstelligen Pacht die Verluste, die die Unterhaltung der Schwimmhalle ins Stadtsäckel reißt, minimiert“, formuliert es Stephanie Preetz vom Stolberger Schwimmverein.

„Doch zu welchem Preis?“, fragt sich nicht nur Preetz, sondern auch Dirk Köttgen von der Stolberger DLRG. „Der Betreiberin des Bistros wird zu Beginn des neuen Jahres die Existenzgrundlage genommen“, so Preetz. Der Stadtrat berät am 8. Dezember über seine grundsätzliche Bereitschaft zu einer Vereinbarung mit dem Investor. Auf dieser Basis müssen dann noch Details ausgelotet werden.

Schwimmer, Taucher, Lebensretter, Wasserballer sehen das differenzierter: „Zahlreiche Vereine verlieren somit von heute auf morgen ihr Vereinslokal und Eltern, die ihren Kindern beim Schwimmen zuschauen möchten, haben dazu zukünftig wohl keine Gelegenheit mehr“, befürchtet der Vorstand des SSV.

Wo im Bistro noch Weihnachtsfeiern, Kindergeburtstage, Versammlungen und Tanzveranstaltungen ausgerichtet werden und geselliges Beisammensein nach dem Schwimmsport in familiärer Atmosphäre möglich sei, soll der Platz von Fitnessgeräten eingenommen werden.

„Wir nutzen das Bistro als Schulungsraum“, sagt DLRG-Sprecher Wolfgang Weber: „Vereinsveranstaltungen wie Jahreshauptversammlung, Weihnachtsfeier und Vorstandssitzungen finden dort statt. Steht uns hierfür zukünftig eine Alternative im Haus zur Verfügung oder müssen wir uns eine neue Stätte dafür suchen, was eine Herausforderung ist?“, so Weber.

Preetz weiter: Mit der Durchsetzung ihrer finanziellen Interessen durch einen Zuschlag an den Investor, zerstöre die Stadt ohne Berücksichtigung der Meinung der Bürger einen über mehr als fünf Jahre gewachsenen Dreh- und Angelpunkt der Vereinskultur und des sozialen Lebens im Ortsteil Münsterbusch. „Das Lokal war ein Segen für den Verein“, sagt auch SSV-Vorsitzender Jochen Drees.

Die größte Sorge, die Drees, Köttgen und die übrigen Kollegen haben, hat der Bürgermeister am Montag erst einmal genommen. Es soll keine Einschränkungen der Nutzungszeiten für die Vereine geben. Und auch keine für die der Schulen. „Alles bleibt so, wie es ist“, sagte Tim Grüttemeier im Gespräch mit unserer Zeitung ebenso wie mit Vereinsvertretern.

Zu Überschneidungen könne es allenfalls bei der Nutzung von Duschen und Umkleiden kommen. Mitgliedern des Fitness-Clubs stünde das Hallenbad nur während der für die Allgemeinheit üblichen Badezeiten zur Verfügung.

Die Weiterbildung von SSV-Aktiven, Tauchern und Feuerwehrleuten sowie die Kooperationen mit Stolberger Schulen sei in Gefahr, wenn die Übungszeiten eingeschränkt würden.

Einen Vorteil für die Stadt sieht Stephanie Preetz zwar in gesteigerten Besucherzahlen, wenn die Kunden des Studios künftig in der Schwimmhalle ein- und ausgehen. „Betrachtet man allerdings einmal die öffentlichen Badezeiten des Hallenbades genauer, so fällt auf, dass es de facto montags und dienstags kaum öffentliche Badezeiten gibt. Neben dem Schulschwimmen am Morgen, sind es nachmittags und abends die Vereine, die die Schwimmhalle nutzen“, so Preetz weiter.

„Noch, muss man wohl befürchten.“ Werde ein Investor, der wirbt, Schwimmen sei ein wesentlicher Bestandteil seines Gesundheitskonzeptes, akzeptieren, dass er seinen Kunden diese Komponente nur eingeschränkt bieten könne?, fragt Preetz und antwortet: „Wohl kaum, muss man leider befürchten“. Somit würden zur Zeit wohl alle betroffenen Vereine um den Erhalt ihrer Hallennutzungszeiten bangen.

Und ungeachtet der Offenheit des Bürgermeisters bleiben für die DLRG noch einige Fragen unklar: Oftmals würden Rettungsschwimmkurse für Schulen oder die Berufsfeuerwehr auch während der regulären Schwimmzeiten durchgeführt. „Ist dies künftig noch möglich?“, fragt Weber, und: „Steht die Schwimmhalle uns künftig für Wettkämpfe und Lehrgänge auch während der regulären Schwimmzeiten zur Verfügung?“

Die Belange der ehrenamtlich agierenden Vereine im Wassersport anzuerkennen und bei ihrer Entscheidungsfindung zu berücksichtigen, das erwarten die Vereinsvertreter nun von Stadtrat und Verwaltung.

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