Verein „Kindertagespflegepersonen Stolberg“ gegründet

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Spielzeit im „Zwergenhaus“: Tagesmutter Maria Spilker-Sanchez und ihre Tageskinder Tino (2), Noemi (1), Antonia (2) und der einjährige Oskar. Die Struktur in der Kindertagespflege ist durch kleine Gruppen familienähnlich und gerade für U3-Kinder überschaubarer. Foto: D. Kinkel-Schlachter
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Bilden den Vorstand des Vereins Kindertagespflegepersonen Stolberg: Maria Spilker-Sanchez, Doris Kaul, Silke Oeser und Britta Steudel (v.l.). Foto: D. Kinkel-Schlachter

Aachen. Vier Kleinkinder sitzen am Tisch, es ist kurz vor halb Elf. Sie weinen, greifen, schmatzen und lachen abwechselnd. Antonia, Noemi, Oskar und Tino kauen genüsslich an den Apfelspalten, die Maria Spilker-Sanchez ihnen im Vorfeld zurecht geschnitten hat.

„Ein kleiner Snack“, sagt die 42-Jährige, während sie Antonia die Finger in aller Ruhe abwischt. Ein schönes Bild, das sich dem Besucher bietet. Säßen Spilker-Sanchez‘ eigene Kinder – drei an der Zahl – auch noch am Tisch, wäre das Bild einer Großfamilie perfekt.

Mehr Anspruch, mehr Leistung

Das „Zwergenhaus“ auf dem Donnerberg, wo die beschriebene Szene spielt, ist eine Einrichtung für Kindertagespflege. Und Maria Spilker-Sanchez ist die Tagesmutter. Sie ist aber auch Kassenwartin des Vereins „Kindertagespflegepersonen Stolberg“. Der wurde im Februar gegründet, um die Interessen der Tagesmütter und -väter in Stolberg zu bündeln und zu vertreten.

„Die Änderungen im Kinderbildungsgesetz bringen eine Reihe von Neuerungen für Tagespflegepersonen mit sich, die die Qualität der Arbeit in der Kindertagespflege weiter verbessern und fördern. Das ist natürlich gut, um das Berufsbild der Tagespflegepersonen weiter im Ansehen der Öffentlichkeit positiv darzustellen“, sagt Doris Kaul.

Erhöhte Ansprüche verlangten natürlich mehr Leistung ab. „Zudem ist den Tagespflegepersonen nun ausdrücklich gesetzlich verboten worden, zusätzliche Elternbeiträge verlangen zu können, die die leistungsgerechte Bezahlung der individuellen Arbeitsleistung gewährleistete“, erklärt die Schriftführerin des Stolberger Vereins, die die Einrichtung „Eifelmäuse“ in Schevenhütte führt. Schnell sei die Idee geboren, einen Verein zu gründen, „um besser gehört zu werden“, betont Silke Oeser, die 2. Vorsitzende.

Der Verein, erklärt die Vorsitzende Britta Steudel, treffe sich nun jedes Quartal mit Ulrike Bergmann vom Stolberger Jugendamt. Aber das sei auch schon vor der Gründung so gewesen, schließlich unterstützt die Fachberatungsstelle Kindertagespflege Eltern bei der Suche nach einer geeigneten Tagespflegeperson, die eine qualifizierte Betreuung bietet, informiert und berät rund um das Thema und vermittelt ausgebildete und mit einer Genehmigung des Jugendamtes arbeitende Tagesmutter oder -vater.

Die Kindertagespflege ist eine gesetzlich verankerte gleichberechtigte Betreuungsform von Kindern als Alternative oder Ergänzung zur Betreuung in einer Kindertagesstätte. „Wir haben eine 160 Stunden umfassende Ausbildung absolviert mit Prüfung und Zertifikat sowie Pflegeerlaubnis“, so Oeser, die die „Mausefalle“ in Gressenich leitet. Danach dürfen sie bis zu fünf Kinder gleichzeitig betreuen.

Umfang und Zeiten der Betreuung richten sich ganz nach dem Bedarf der Eltern. „Unsere Flexibilität zeichnet uns natürlich auch aus, wir arbeiten von 7 bis 19 Uhr und sind auch an Wochenenden tätig. Damit können wir sehr flexibel auf die Wünsche der Eltern eingehen“, so Kaul. Durch solche individuellen Absprachen ist diese Betreuungsform für viele, die sie nutzen, ein weiterer wichtiger Baustein, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.

Besonders geeignet ist die Tagespflege für Kinder unter drei Jahre: Hier spielen und lernen die Kinder in einem überschaubaren und geschützten familiären Umfeld. Zusätzlich zur Betreuung und Pflege der Kinder wird so eine individuelle Förderung, Erziehung und Bildung der Kinder in einer kleinen Gruppe gewährleistet. „Es ist für die Kleinen wie ein zweites Zuhause. Wir behandeln unsere Tageskinder wie unsere eigenen Kinder, mit Zuneigung und Regeln“, sagt Steudel, die im „Raupennest“ auf dem Donnerberg den Schwerpunkt auf Randzeitbetreuung und Ferienangebote setzt. „Die Mamas ersetzen wir natürlich nicht“, sagt Doris Kaul und lacht.

Steudels leibliche Kinder waren in Betreuung bei Spilker-Sanchez, bevor sie selbst Tagesmutter wurde. „Der Kontakt zu den Eltern ist einfach intensiver als im Kindergarten, trotzdem wird Professionalität gewahrt“, so Steudel. Elternarbeit, da sind sich alle einig, sei sowieso ganz wichtig.

Ein besseres Netzwerk, der fachliche Austausch untereinander, das gemeinsame Sprachrohr, Öffentlichkeitsarbeit für die Kindertagespflege: Der noch recht junge Verein hat schon einiges erreicht. Und er kann einen besonders großen Erfolg verbuchen: Die Stadt will die Vergütung in der Tagespflege in zwei Stufen erhöhen. Die monatlichen Leistungssätze pro Kind sollen zum 1. August verbessert werden. Das das hat der Jugendhilfeausschuss in seiner letzten Sitzung beschlossen – und zwar unter Beifall.

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