Vandalismus: Mehrere Angriffe auf Stolberger Tafel

Von: Sarah-Lena Gombert
Letzte Aktualisierung:
14603174.jpg
Um das Schaufenster und den Transporter zu reparieren, musste die Stolberger Tafel tief in die Tasche greifen. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. Großer Andrang an der Eschweilerstraße. Familien, Senioren und Alleinstehende schieben sich durch das Ladenlokal in der Hausnummer 12. Ehrenamtliche Helfer packen Brot, Gemüse, Obst und andere Lebensmittel für die Kunden in Einkaufstüten und Körbe. Eigentlich sieht bei der Stolberger Tafel alles aus wie immer.

Doch Gisela Becker-Bonaventura ist immer noch fassungslos, wenn sie davon erzählt, was sich hier, bei der Tafel, in der letzten Zeit abgespielt hat. Vor wenigen Wochen haben Unbekannte das Schaufenster des Ladenlokals zertrümmert, das seit dem vergangenen Herbst der Tafel eine neue Heimat geworden ist. „Jemand hat einfach einen Ziegelstein durch die Scheibe geworfen“, sagt Becker-Bonaventura, die seit einigen Wochen Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins ist, konsterniert.

Vergangene Woche konnte sie dann ihren Ohren nicht trauen, als erneut ein Anruf wegen Vandalismus bei der Tafel auf ihrem Handy einging: „Die Windschutzscheibe unseres Kühlwagens wurde zertrümmert. Wieder mit einem Stein“, sagt sie, sichtlich um Fassung bemüht.

Zwar ist das große Fenster mit dem Sichtschutz, der die oft peinlich berührte Kundschaft vor neugierigen Blicken schützen soll, mittlerweile repariert, auch der Schriftzug der Tafel prangt wieder in hell leuchtendem Orange auf der Scheibe. Doch auch für einen eingetragenen Verein können Handwerker solche Arbeiten nicht gratis ausführen: „Das Ersetzen der Scheibe hat uns eine Menge Geld gekostet“, sagt Gisela Becker-Bonaventura bitter.

Die Kosten liegen im vierstelligen Bereich. Für einen eingetragenen, gemeinnützigen Verein, der auf Spendengelder angewiesen ist, ist das eine Menge Geld. Hinzu kommt die Eigenbeteiligung an der Versicherung für das demolierte Kühlfahrzeug. Nicht zu vergessen die Kosten für den Mietwagen, den man zwischendurch besorgen musste, um die Transporte der Lebensmittel nicht abreißen zu lassen.

Wenn sie darüber nachdenkt, wie viele Lebensmittel man stattdessen hätte kaufen können, wird sie wütend. „Wir haben unseren Kunden gegenüber eine große Verantwortung, und auch gegenüber unseren Spendern“, betont sie. Denn es seien nicht nur wohlhabende Stolberger, die die Tafel unterstützen. Auch Menschen, die selbst nicht viel besitzen, würden von dem bisschen, was ihnen zur Verfügung steht, etwas abgeben.

Auch wenn beide Vorfälle gleich zur Anzeige gebracht worden sind: Die Polizei tappt im Dunkeln. „Natürlich war die Kriminalpolizei hier, doch die Beamten haben keinerlei Anhaltspunkte gefunden“, sagt Becker-Bonaventura. Auch von Fingerabdrücken auf den Steinen oder am Kühlwagen keine Spur. Lediglich eine Nachbarin der Tafel könne sich daran erinnern, in der Nacht, als der Wagen demoliert wurde, auffällig lautes Quietschen von Fahrradbremsen gehört zu haben.

Feige Angriffe auf karitative Einrichtungen wie die Tafel – kommt das häufiger vor? „Rein statistisch gesehen besteht keine Möglichkeit bei uns, bei Straftaten zu unterscheiden, ob es sich um karitative Einrichtungen handelt“, erklärt Polizeisprecher Paul Kemen auf Anfrage unserer Zeitung. Man sehe ja aber, was jeden Tag für Taten passieren. „Dabei können wir festhalten, dass Straftaten auch vor karitativen Einrichtungen nicht Halt machen“, so der Beamte. Allerdings seien es eher die Ausnahmen.

Gisela Becker-Bonaventura und ihr Team wollen sich jedenfalls keine Angst einjagen lassen, ganz gleich, wer hinter dem Angriff stecken mag. „Wir werden mit allen Nachbarn sprechen, Geschäftsleuten und auch mit den Familien“, sagt sie entschlossen. Wenn alle einen Blick auf das Viertel haben und miteinander in Kontakt stehen, könne man sich gegenseitig besser warnen und unterstützen. Auch über bessere Sicherungsmaßnahmen für das Ladenlokal wird man in der Tafel nachdenken. „Auch mit der Polizei und der Stadtverwaltung wollen wir in Kontakt bleiben.“

Für die Fahrzeuge der Tafel, die für die Arbeit der Ehrenamtlichen unabdingbar sind, ist ebenfalls eine Lösung für sicheres Parken gefunden worden. Becker-Bonaventura weiß nicht, ob sich die feigen Angriffe auf die Tafel wiederholen werden. Doch sie sind vorbereitet. „Und wir lassen uns nicht einschüchtern.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert