Urkunde über Verkauf der Burg

Letzte Aktualisierung:
11774155.jpg
Das Archivale des Monats: Der Vertrag zum Verkauf der Stolberger Burg. Foto: Stadtarchiv Stolberg

Stolberg. Das Stadtarchiv präsentiert seit Januar jeden Monat ein Archivale, das als eindrucksvolles Dokument die Stadtgeschichte illustriert. Das „städtische Gedächtnis“ beherbergt Urkunden, Akten, Bilder, Bücher, Zeitungen und Gegenstände der letzten Jahrhunderte, um sie für die Verwaltungsarbeit, Wissenschaft und Bildung zu bewahren.

Für historische Forschung steht das Archiv jedem Bürger offen, Archivar Christian Altena berät Interessierte, die mehr über Wissenschaft und Geschichte erfahren möchten.

Das Archivale des Monats Februar ist die Urkunde zum Kaufakt der Stolberger Burg aus dem Jahre 1863: Mit „Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen etc. etc.“ ist die Urkunde überschrieben, die einen Wendepunkt für die Stolberger Burg dokumentiert.

Nach vierhundertjähriger Geschichte des Bauwerks ging dieses am 2. Mai 1863 in bürgerlichen Besitz über. In kunstvollen kalligraphischen Zügen ist die Überschrift angelegt und zeigt sich doch pragmatisch in der Abkürzung all der Titel, die der Monarch neben seiner Königswürde innehatte. Der Notar, der die Urkunde aufsetzte, verkürzte die vielen Würden- und Herrschaftstitel auf das kurze „etc.“.

Es wird darin kundgetan, dass „vor dem zu Stolberg, Landgerichtsbezirk Aachen, wohnenden Königlich-Preußischen Notar Martin Wilhelm Hubert Scherer […] erschienen: Heinrich Joseph Welter, Schankwirt aus Büsbach, der als Vertreter des „gerichtlichen Administrators des Gräflich von Kesselstatt’schen Majorates“ als Verkäufer der Burg fungierte und Richard Welter, Bierbrauereibesitzer und Schankwirt aus Stolberg, als Ankäufer“.

In dem zehnseitigen Dokument als Teil der Akte 2595 a im Bestand „Stolberg“ sind überwiegend in feiner Deutscher Kurrent-Schrift die Bedingungen des Verkaufes aufgeführt. Diese über Jahrhunderte geläufige Schreibweise ist im Grunde nichts anderes als die handschriftliche Form der gedruckten Frakturschrift. Älteren Leuten dürfte die Sütterlin-Schrift ein Begriff sein, die eine Reformierung dieser Schriftform von 1915 ist.

Die Reichsgrafen von Kesselstatt waren durch Erbfolge im Jahr 1777 in den Besitz der Stolberger Unterherrschaft gelangt. Ihr Stammsitz ist bis heute in Föhren bei Trier, wo sie ein schönes Palais besitzen. Die alte Burg in Stolberg war für die Grafen 1863 nur noch ein Kostenfaktor, da eine Nutzung zu Wohn- oder Gewerbezwecken inzwischen untersagt war.

Das ruinöse „Schloßgebäude nebst zugehöriger Unter- und Nebenfläche, anhabenden Gärten und Felsen“ kauften nun die „Eheleute Richard Welter und Frau für vier Tausend Taler Preußisch Courrant“. Umgerechnet in heutigen Wert hatten sie über 100.000 Euro für Gebäude und Grundstück gezahlt. 1869 führte Richard Welter einige Sprengungen an der Burg durch, um die Steine verkaufen zu können. Mehr geschah glücklicherweise bis 1887 nicht mehr, als Burgretter Moritz Kraus die Burg erwarb, wieder aufbaute und erweiterte.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert