Urgestein des Stolberger Schwimmvereins ist 80

Von: Dirk Müller
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In der 2010 anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Stolberger Schwimmvereins erschienenen Festschrift findet der Ehrenvorsitzende Manfred Amelong viele schöne Erinnerungen. Foto: D. Müller

Stolberg. Das 80. Lebensjahr hat Manfred Amelong vollendet, am Samstag feiert der Ehrenvorsitzende des Stolberger Schwimmvereins (SSV). Der ehemalige Wettkampfschwimmer und Wasserballspieler arbeitete lange im Vorstand des Vereins, war über Jahre unter anderem 2. Vorsitzender und Geschäftsführer, vertrat die Schwimmer zwei Jahrzehnte lang im Stadtsportverband.

Von 1984 bis 2004 war Amelong der 1. Vorsitzende des SSV, bis er zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Dirk Müller sprach mit dem Träger der goldenen Ehrennadeln des SSV und des Westdeutschen Schwimmverbands.

Wann sind Sie dem Stolberger Schwimmverein beigetreten?

Amelong: Gleich 1947, als ich von Kreuzingen bei Tilsit als Flüchtling nach Stolberg kam. Zuerst war ich nur Schwimmer, später wurde ich dann auch Wasserballspieler. Meine Mitgliedschaft im SSV war aber nicht nur sportlich wichtig für mich, sondern auch gesellschaftlich von großer Bedeutung.

Bitte beschreiben Sie die gesellschaftliche Bedeutung.

Amelong: Ich war neu in Stolberg, und zur Schule ging ich in Aachen. Durch den SSV lernte ich Menschen in meiner neuen Heimatstadt kennen und konnte Freundschaften knüpfen. Glücklicherweise blieb es dabei nicht: Im Verein habe ich auch meine Frau Liselotte kennengelernt, mit der ich nun seit 52 Jahren verheiratet bin. Sie ist übrigens immer noch im SSV aktiv, trainiert Kinder in der Nichtschwimmerausbildung und Senioren in der Wassergymnastik. Ich kann sagen, der Stolberger Schwimmverein ist eine Herzens- und Familienangelegenheit.

Haben Sie die Herzensangelegenheit auch an Ihre Nachkommen weitergeben können?

Amelong: Und wie! Unsere drei Söhne waren gute Schwimmer und begeisterte Wasserballer. Einer spielt immer noch aktiv beim SSV. Inzwischen spielen auch zwei unserer Enkel Wasserball beim Stolberger Schwimmverein. Ich glaube, unser Engagement im SSV war in dem Maße wohl nur möglich, weil wir es als Familie zusammen getan haben.

Unter welchen Bedingungen haben Sie 1947 mit dem Schwimmen im SSV begonnen?

Amelong: Das alte Stadtbad am Kaiserplatz hatte nur vier 20-Meter-Bahnen. Wir waren dennoch froh, dort trainieren zu können, denn es war die einzige Schwimmhalle im Bezirk, die den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hatte. Trotzdem waren die Verhältnisse hinsichtlich Training und Wettkämpfen dauerhaft schon sehr bescheiden. Als wir dann ab 1974 das neue Hallenbad am Glashütter Weiher nutzen konnten, war das großartig. Endlich konnten wir Wasserball mit sieben Sportlern spielen, vorher konnten nur fünf und ein stehender Torwart ins Wasser. Auf sechs Bahnen mit 25 Metern Länge konnten die Schwimmer optimal trainieren, was sich auch am sportlichen Erfolg bemerkbar machte: Der SSV wurde schwimmerisch sehr stark.

Wie erging es dem SSV, als die Schwimmhalle 2006 wegen Sanierungsarbeiten geschlossen wurde?

Amelong: Für den Verein war das eine schwierige Zeit. Geregeltes Training war nicht mehr möglich, die Leistungen der Schwimmer ließen nach, und nur noch wenige aus der vormaligen Wettkampfmannschaft blieben dem SSV aktiv erhalten. Die Zeit in dem sanierten Hallenbad musste 2007 mit einem Neuaufbau beginnen. Allerdings in einer modernen und attraktiven Sportstätte. Die Sanierung der Schwimmhalle war notwendig, ich denke man sollte unbedingt das Positive daran sehen: Heute haben wir das schönste Hallenbad im ganzen Bezirk.

Kann der SSV das Hallenbad heute ausreichend nutzen?

Amelong: Theoretisch könnten es natürlich mehr Trainingszeiten für den SSV in der Schwimmhalle sein, aber ich glaube, man muss realistisch bleiben. Andere Vereine wie die DLRG oder Tauchclubs wollen das Hallenbad auch nutzen, ebenso wie die Schulen, die Senioren und selbstverständlich auch alle Freizeitschwimmer, die keinem Verein angeschlossen sind. Wir können der Stadt Stolberg dankbar sein, dass wir die Schwimmhalle zusätzlich samstags von 18 bis 20 Uhr für Wasserball-Ligaspiele nutzen dürfen, und sollten zufrieden mit der jetzigen Regelung sein.

Wie ist es sportlich um den SSV bestellt?

Amelong: Gut. Zum Beispiel verbessern sich die Zeiten der Nachwuchsschwimmer stetig. Im Verein wird großartige Jugendarbeit geleistet – das ist ein Glanzlicht, das uns sehr stolz und hoffnungsfroh macht. Und Stolbergs Wasserballer sind zurzeit ohnehin so gut wie noch nie. Sogar ein Damen-Team ist im Aufbau. Der Wasserball tut dem SSV sowohl sportlich als auch anderweitig gut und ist wichtig für den Verein.

Warum ist Wasserball für den SSV so wichtig?

Amelong: Weil es ein Mannschaftssport ist. Die Einzelschwimmer treten ja mit ihrer eigenen Zeit immer nur für sich als Person an, auch wenn sie für einen Verein starten. Beim Wasserball summieren sich die Einzelleistungen, und die Teamleistung entscheidet über Sieg und Niederlage. Heute wollen viele Schwimmsportler nicht mehr nur hin und her schwimmen, sondern eben Mannschaftssport betreiben. Im SSV ist das Gemeinschaftsgefühl der Teams sehr stark, und ich glaube, die Mannschaften halten zum großen Teil den Verein zusammen.

Wenn Sie können, schauen Sie sich alle Spiele des SSV an…

Amelong: Ja, und nicht nur aus reiner Verbundenheit zum Verein, denn Wasserball ist ein faszinierender Sport. Die Spieler müssen hervorragende Schwimmer sein und über eine gute Kondition verfügen. Die Begegnungen begeistern mich zudem mit dem technischen Spiel und der Schnelligkeit der Sportler. Wasserball ist ungeheuer spannend. Ich sehe gerne Fußballspiele, aber auf Dauer fehlt mir dabei dann doch das Wasser.

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