Unter der Kette der Säge wachsen der Eule Federn

Von: Johannes Mohren
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Mit schwerem Gerät kleine Kunstwerke schaffen: Oliver Schulz mit einer seiner vielen Kettensägen bei der Arbeit auf dem vorweihnachtlichen Kaiserplatz. Foto: J. Mohren

Stolberg. Plötzlich wird es laut rund um das Budendorf auf dem Kaiserplatz: Unter der großen Tanne lässt Oliver Schulz seine Motorsägen aufheulen. Doch auch wenn von Zeit zu Zeit etwas Schnee vom stolzen Kupferstädter Weihnachtsbaum rieselt, macht sich der hauptberufliche Schreiner aus Sinzig keinesfalls an dem dicken Tannenstamm zu schaffen.

Die leichte Brise, die bei strahlender Wintersonne noch am Nachmittag des Samstags über die weißen Buden weht, sorgt vielmehr dafür, dass Schulz neben den Holzspänen auch Schneeflocken in die Haare fliegen.

„Ich will den Besuchern hier zeigen, wie aus einem Baumstamm etwas Schönes entstehen kann”, berichtet Schulz vom Ziel des Showsägens. Trotz der eisigen Kälte verzichtet er auf eine dicke Jacke, mit vollem Einsatz widmet er sich dem Holz. Seine Werkzeuge sind Kettensägen verschiedenster Art, aber was eher nach einem Gerät für die gröberen Arbeiten aussieht, erweist sich in den Händen des Schreiners als wahres Feininstrument.

„In meiner Werkstatt zu Hause habe ich über 22 Sägen. Sie unterscheiden sich in Schwertlänge und in der Art der Aufsätze”, lächelt der Künstler. Sechs Exemplare hat er nach Stolberg mitgebracht, allemal genug, um beeindruckende Werke zu vollbringen.

Eule aus Astgabel geschnitten

Für die beiden Tage auf dem Kaiserplatz gegenüber dem alten Rathaus hat er sich der Schreiner zwei ganz besondere Werke vorgenommen. „Aus einer Astgabel soll eine Eule entstehen, die auf ein Nest mit ihren Jungen schaut”, beschreibt Oliver Schulz seine Idee. Echte Maßarbeit ist hierfür gefragt, mit den verschiedenen Sägen muss das Holz Stück für Stück in die richtige Form gebracht werden. „Ich will versuchen, die Skulpturen so realistisch wie möglich zu gestalten”, erzählt Schulz. Mit geschickten Bewegungen lässt er der Eule Federn wachsen, nach den ersten drei Stunden auf dem Stolberger Weihnachtsmarkt blickt der große Nachtvogel den Zuschauern aus seinen tiefen Augenhohlen entgegen.

Immer wieder bleiben Besuchergruppen vor der Absperrung stehen, besonders die kleinen Gäste zieht es zu den großen Sägen. Staunende Blicke verfolgen Oliver Schulz, der stehend und kniend an der Umsetzung seiner Idee arbeitet. Doch es ist vielmehr als nur körperliche Arbeit, die Schulz verrichtet.

Die Kreativität wird für jeden Zuschauer bereits beim Betrachten sichtbar, doch auch Spontanität ist gefragt. „Faulstellen und Risse können immer wieder unerwartet auftreten, da muss dann reagiert und improvisiert werden. Vieles ergibt sich tatsächlich erst beim Sägen”, erklärt der Künstler, während er zufrieden auf die ersten Teile seines Werks schaut und sich dann bei der benachbarten Imbissbude eine Stärkung besorgt.

Der Stolberger Weihnachtsmarkt hat es dem Pfälzer angetan. Bereits zum zweiten Mal ist er mit seinen vielen Sägen und kreativen Ideen in der Kupferstadt zu Gast. Geht es nach den Besuchern, so wird Schulz auch im nächsten Jahr wieder seinen Platz auf dem Kaiserplatz einnehmen. Wo? Na unter der großen Tanne natürlich.
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