„Unser Dorf hat Zukunft”: Donnerberg punktet mit dem Grüngürtel

Von: Nadine Preller
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Die Sonne war auf der Seite der Donnerberger: Franz Ostländer (Mitte) präsentiert „seinen” Ortsteil den strengen Augen der Jury beim Städteregionswettbewerb 2011 - „Unser Dorf hat Zukunft”. Foto: Nadine Preller

Stolberg. Mit tosendem Motor kämpft sich ein weißer Kleinbus die steilen Straßen des Donnerbergs empor. Noch eine enge Kurve, dann hat das Gefährt sein Ziel erreicht: den Friedhof an der Josefstraße. Es ist heiß an diesem Tag und erleichtert ob der frischen Luft die sie außerhalb den Schiebetüren erwartet, steigen die sieben Komissionsmitglieder des Städteregionswettbewerbs 2011 aus.

„Unser Dorf hat Zukunft” - davon ist auch Franz Ostländer überzeugt, der die Jury am vereinbarten Treffpunkt in Empfang nimmt. Mit dem Donnerberg, vertreten durch Ostländer aus der Siedlergemeinschaft, haben sich insgesamt 36 Dörfer, Siedlungs- und Ortsteile aus der Städteregion um die Auszeichnung beworben. Und die Erwartungen der mit Block und Bleistift bewaffneten Komissionsmitglieder sind groß.

Sieben Bewertungsbereiche

Es gilt zu punkten in Grüngestaltung, Landwirtschaft und Entwicklung, soziales und kulturelles Leben oder wirtschaftliche Entwicklung - nur vier der insgesamt sieben Bewertungsbereiche. „Damit geht der Wettbewerb weit über die klassische Dorfverschönerung hinaus, die man sonst von Aktionen dieser Art kennt”, sagt Komissionsmitglied Ruth Roelen, Verantwortliche für den Bereich Baugestaltung.

„Zwei Stunden haben Sie Zeit, uns den Donnerberg schmackhaft zu machen. Und beziehen Sie möglichst alle Bewertungsbereiche mit in die Präsentation ein”, so die Ansage von Roelen an Ostländer. Der fackelt nicht lange, schickt die ganze Truppe wieder in den weißen Kleinbus. „Jetzt gibt es erst einmal eine kleine Sightseeingtour”, spricht der gebürtige Donnerberger schon fast feierlich und präsentiert der Mannschaft „seine” Heimat. Es geht quer durch alte sowie neue Ortsteile, vorbei an der Feuerwehrwache, dem Sendemast, Spielplätzen und Feldern.

Die Jury merkt schnell, was dem 74-Jährigen am Herzen liegt. Ostländer ist ganz in seinem Element und plaudert aus dem Nähkästchen. „Nach dem Krieg haben Siedler hier auf einem alten Truppenübungsplatz Häuser aus dem Boden gestampft - mit Steinen aus dem Steinbruch unten in Stolberg”, erzählt der Donnerberger stolz und verweist auf die alten Steinbruchhäuser, die heute noch zu sehen sind. Gleich daneben stehen moderne Anbauten, architektonische Wagnisse. Diese Mischung dürfte bei Vertretern der Baugestaltung und Entwicklung punkten.

„Aus den damaligen Straßen, die lediglich durch A-, B-, und C-Straße gekennzeichnet waren, hat sich der heutige Donnerberger Ortsteil mit 5000 Einwohnern gemausert”, führt Ostländer seinen Rundgang weiter. Mit vielen persönlichen Geschichten und Anekdoten füttert er seinen Vortrag, der bei so manchem Komissionsmitglied zuweilen den Bezug zum Heute vermissen lässt - schließlich heiße der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft”. Kritische Fragen zu geschlossenen Gaststätten oder zu Angeboten für die Jugend bleiben zudem nicht aus. Muss Ostländer in einigen Bereichen einlenken - „leider sind die Kinderzahlen sinkender Natur” - kann er in anderen Bereichen punkten: Altenkaffee, Fußballclubs, Martinsumzug, Unterstützung beim Sterbefall in der Familie oder die „Sause unterm Sender”.

Mit dem Grüngürtel, für dessen Erhalt sich Ostländer einst stark machte, beeindruckt er nicht nur Günter Flamm. Der ehemalige Dezernent im Amt für Agrarordnung, Nordrhein-Westfalen legt sein Augenmerk besonders auf die Einbindung des Dorfes in die Landschaft. „Das ist nicht selbstverständlich, wenn sich Dorfmitglieder für den Erhalt von Grünflächen stark machen”, weiß Flamm aus langjähriger Erfahrung. „Der Grüngürtel ist ein Charakteristikum des Donnerbergs.” Zum sechsten Mal ist Flamm Mitglied bei der Kommission. Was ihm heute weniger gefällt: „Ostländer macht seine Sache als Alleinunterhalter gut. Ich aber vermisse weitere Einheimische, die Donnerberg präsentieren: Kinder, Grundschullehrer, Landwirte - warum sind die nicht dabei?”

Wohlbehütetes Geheimnis

Dieser Kritik können sich andere Jurymitglieder nur anschließen. „Erst durch eine Gemeinschaft wird ein Dorf getragen und mitgestaltet. Und dann hat diese Dorf auch Zukunft”, sagt Roelen. „Die Form der Präsentation durch Herrn Ostländer allein wird auf jeden Fall mit in die Bewertung einfließen.”

Über den Rest schweigt die Jury fairerweise. Schließlich müssen sich die nächsten zwei Wochen noch zahlreiche Dörfer der Bewertung stellen. Und auch heute hat die Kommission noch einen langen Tag vor sich - Alsdorf Busch und Zopp stehen auf dem Plan. Schon rauscht der weiße Kleinbus die windigen Straßen wieder hinab ins Stolberger Tal, während sich hinter den Schiebetüre die Mitglieder beraten. Wie sich Donnerberg letztendlich geschlagen hat, ist bis zur Ergebnisbekanntgabe am 8. Juli in Rurberg ein wohlbehütetes Geheimnis.
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