Und plötzlich ist der Strom abgedreht

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Und plötzlich ist der Strom weg: So wie dieser junge Mann staunte auch Wolfgang Reusch nicht schlecht, als ihm einfach so, ohne Ankündigung, der Saft wegdedreht worden war. Er blieb nicht untätig, und letztlich endete die Geschichte glücklich. Foto: imago/Niehoff

Stolberg. Stellen Sie sich vor, Sie kommen nach einem arbeitsreichen Tag nach Hause, ziehen die Arbeitsklamotten aus, die gemütlichen an, wollen sich eine Kleinigkeit kochen, die Beine hochlegen und ein bisschen fernsehen. Wenn aber schon am Lichtschalter nichts mehr geht und Ihnen an dieser Stelle noch kein Licht aufgeht, geht es Ihnen wie Wolfgang Reusch. Dem ist nämlich genau das vor ein paar Tagen passiert.

„Und plötzlich ist der Strom weg“, ärgerte sich Reusch. Und zwar nicht so sehr darüber, dass ihm kein Licht mehr aufging, sondern vielmehr darüber, wie das Ganze vonstatten gegangen ist. Später wird sich herausstellen, dass eine Verkettung unglücklicher Zufälle schuld am stromlosen Abend trägt, die dann auch die durchaus fragwürdige Methode rechtfertigt, mit der Wolfgang Reusch „abgespeist“ worden ist.

Als Mann von der Bundeswehr wusste er sich zu helfen, als seine Wohnung dunkel blieb. „Im Treppenhaus und bei den Nachbarn funktionierte der Strom. An meinem Hauptverteiler im ersten Obergeschoss waren die Sicherungen herausgedreht. Ich hab sie dann wieder reingedreht“, blickt der Presseoffizier zurück – heute kann er darüber schmunzeln, aber in besagtem Moment wären bei Reusch emotional gesehen auch bald die Sicherungen durchgegangen. Auf dem Zähler befand sich ein Brief vom Stromversorger EWV, in dem der Außendienstmitarbeiter kurz und knapp darauf hinwies, dass für die „Entnahmestelle und der dazugehörigen Messstelle bis heute kein Energieliefervertrag vorliegt“.

Persönlich angesprochen war Reusch in dem Schreiben nicht, allerdings war seine Adresse mit seiner Zählernummer vermerkt. Er solle in den nächsten fünf Arbeitstagen einen Energieliefervertrag abschließen. Und wenn eine entsprechende Mitteilung eines Stromlieferanten innerhalb der nächsten zehn Arbeitstage nicht vorliege, werde die Versorgung mit Energie eingestellt. „Als Reaktion auf diesen unglaublichen Vorgang schrieb ich eine geharnischte Beschwerde.“ In diesem Schreiben an das Mahnwesen der EWV setzte Reusch den Versorger ordentlich unter Strom, indem er unter anderem die „Stasi-Methoden“ scharf kritisierte. „Ich habe einen Briefkasten, mein Name steht an der Tür. Weiterhin sollte der Außendienst-Mitarbeiter wissen, dass für die Objekte der Woge ein Hauswart zuständig ist, der Auskunft geben kann. Dessen Handy-Nummer hängt neben dem Briefkasten aus. Überdies ist auch meine Nummer bei der Woge hinterlegt!“

„Ich hatte nie zuvor Kontakt mit der EWV gehabt“, so der Offizier. Mit der Stromlieferung hatte Wolfgang Reusch im Sommer vergangenen Jahres „Stromio“ beauftragt. Bei der Bestellung gab er auch die korrekte Zählernummer an. Die Bestellung wurde ihm bestätigt. „Warum auch immer wird dort eine andere Zählernummer erwähnt. Dies fiel mir bei Erhalt des Liefervertrages allerdings nicht auf“. So war ihm entgangen, dass anstelle der „90“ eine „88“ am Ende der Nummer stand.

Nach längerem Hin und Her, schriftlich wie telefonisch, landete der kuriose Fall auf dem Schreibtisch von Yvonne Rollesbroich. „Es war nicht einfach, der Sache auf den Grund zu gehen“, kann die Pressesprecherin heute ebenfalls darüber schmunzeln. Es stellte sich schließlich heraus, dass bei der „regionetz“ schlichtweg zwei Nummern vertauscht wurden und die falsche weitergegeben wurde.

Während die eine Zählernummer bei „Stromio“ läuft und Wolfgang Reusch ordnungsgemäß monatlich seinen Abschlag bezahlt hat, wird die andere Zählernummer aktuell vertragslos bei der EWV in der Ersatz- und Grundversorgung geführt. „Unter dieser Zählernummer war für uns keiner gemeldet. Wir sind davon ausgegangen, dass es eine leere Wohnung war“, so Rollesbroich. Nach etwa einem halben Jahr – wenn die Wohnung immer noch leer steht – schickt der Versorger einen Außendienst-Mitarbeiter dorthin, um die Sicherungen herauszunehmen. „Damit kein Schindluder mit dem Anschluss betrieben werden kann“.

So auch geschehen bei Wolfgang Reusch. „Einfach den Strom abdrehen, das dürfen wir nicht, und das machen wir auch nicht“, betont die Pressesprecherin. Wer den Strom nicht bezahlt, werde angeschrieben, und zwar mehrmals. Die Abschaltung des Stroms sei meist nur das äußerste Mittel. Zahlt der Kunde nicht innerhalb der angegebenen Frist, gibt es die erste Mahnung. Der Kunde hat dann erneut 14 Tage Zeit, um die Rechnung zu begleichen. Danach wird in einer zweiten Mahnung die Sperre angedroht und eine erneute Zahlungsfrist gesetzt. Bei einigen Unternehmen, auch bei der EWV, nimmt in dieser Zeit auch ein Kundenbetreuer Kontakt mit dem Stromkunden auf, um über eine mögliche Ratenzahlung oder Stundung der Rechnung zu verhandeln.

Erst wenn all diese Bemühungen scheitern, wird der Strom abgeschaltet. Bei Wolfgang Reusch gehen die Lichter wieder an, „meine Geschichte hat ein glückliches Ende gefunden“, ist er froh, dass alle Sicherungen wieder drin sind.

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