Stolberg - Unbekannte schießen mit Luftgewehr auf Kirche, Hintergründe völlig offen

Unbekannte schießen mit Luftgewehr auf Kirche, Hintergründe völlig offen

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
Luftgewehr
Einschusslöcher: Hinter diesem Fenster zwischen den beiden Türmen von St. Mariä Himmelfahrt befindet sich die Orgelempore. Dem Kirchenmusiker flogen die Scherben um die Ohren. Foto: Polizei

Stolberg. Schüsse: Davon hört man in Stolberg immer wieder. Über Schüsse wird erzählt. Und in der Regel in den Abendstunden kann man – auch jenseits des Geböllers am Rande von internationalen Sportveranstaltungen – Geräusche hören, die wie Schüsse klingen. Nur über die mutmaßlichen Schützen hört man nie etwas.

Seit Sonntag gibt es Beweise, dass in Stolberg geschossen wird. Die Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt auf der Mühle ist das Ziel des oder der noch unbekannten Attentäter, die mit ihrer Tat die ohnehin angespannte Stimmung in dem Stadtteil weiter verschärft.

Kontroverse Diskussion

Die Mühle, das geht eindeutig aus dem städtischen Sozialbericht hervor, ist ein Brennpunkt, der immer wieder für kontroverse Diskussionen sorgt. Diese finden neue Nahrung vor allem in den sozialen Medien, kaum ist die Nachricht von den Schüssen auf die katholische Pfarrkirche publiziert. Tief besorgt zeigt sich Pastor Hans-Rolf Funken über das Wohl seiner Gemeinde und des Gotteshauses.

Es ist Sonntag. Um 11.30 Uhr beginnt auf der Mühle in der zentralen Pfarrkirche Stolbergs nördlicher Großgemeinde St. Lucia die heilige Messe. Gegen 12 Uhr steht der Seelsorger am Ambo und hält seine Predigt als es knallt. „Zuerst habe ich gedacht, es ist ein technischer Defekt in der Elektrik“, erzählt Funken. „Doch dann ruft mich Ansgar Weigner auf die Empore“.

Weigner vertritt den urlaubenden Kirchenmusiker Jo Schulte an der Orgel und erlebt den Schuss und die folgenden Ereignisse hautnah mit. „Wir haben sofort die Polizei gerufen“, berichtet Funken. „Sie war auch sehr schnell da.“

Eine Überprüfung durch die Beamten ergibt, dass eine Scheibe im Bereich der Empore durch die abgegebenen Schüsse beschädigt ist. „Unser Einsatzkräfte fanden dann die deformierte Munition eines Luftgewehrs unterhalb dieser Scheibe“, sagt Polizeisprecher Paul Kemen. Seine Kollegen befragen Zeugen. Die ersten Ermittlungen laufen an.

Doch wenige Stunden später wird die Pfarrkirche erneut zum Ziel eines Anschlages. Erneut während des Gottesdienstes, der um 19 Uhr beginnt. Erneut wird auf das Fenster der Turmfront in Höhe der Orgelempore gefeuert. Die Splitter fliegen dem Orgelspieler förmlich um die Ohren. „Noch während er die Polizei alarmiert“, so Kemen, wird ein weiterer Schuss abgegeben. „Auch dabei wird niemand verletzt“.

Die Polizei leitet daraufhin sofort eine Fahndung ein, die jedoch keinen Erfolg bringt. „Noch am Abend sichern die Beamten Spuren am Tatort“, berichtet der Polizeisprecher weiter. „In unmittelbarer Nähe zur Kirche durchsuchen sie zudem mit Zustimmung des Wohnungsinhabers dessen Wohnung. Hierbei finden sie aber nichts, was die Tat aufhellen könnte.“ Die Hintergründe sind für die Beamten bislang ebenso völlig unklar wie für die Pfarrgemeinde.

„Wir haben Glück, dass niemand verletzt worden ist“, sagt Pastor Funken. „Der Schachschaden ist hoch; da müssen Fachleute ran.“ Funken erinnert sich noch an die Rakete, die in der Silvesternacht 2010/11 in der Aachener St.-Nikolaus-Kirche einen verheerenden Brand auslöste, dem der historische Hochaltar zum Opfer fiel.

Aber die Löcher in den Kirchenscheiben sind mehr als nur Treffer in kostbarem Glas. Sie haben die stolze Gemeinde auch in ihrem spirituellen Herzen getroffen: Können sich die Katholiken in ihrer Pfarrkirche mitten in der Stadt überhaupt noch sicher fühlen? Diese Frage beschäftigt seit Sonntag nicht nur insgeheim viele Stolberger. Was mögen die Beweggründe von wem für diese Schüsse gewesen sein? Ist es ein sehr dummer, aber auch gefährlicher Jugendstreich oder steckt vielleicht doch viel mehr dahinter? Beim Aachener Polizeipräsidium hat sich mittlerweile auch der Staatsschutz in die Ermittlungen eingeschaltet.

 

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