Umbau: Senioren vermissen ihr Samaritanerheim

Von: Jessica Küppers
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Kaum wiederzuerkennen: Die Räume des Samaritanerheims in Stolberg werden derzeit kernsaniert. Das Gebäude hinter dem Bastinsweiher soll in Teilen abgerissen werden. Foto: J. Küppers
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Sozialarbeiter René Paul brachte als Nikolaus am neuen Standort den Senioren kleine Geschenke mit und sang Lieder mit ihnen. Foto: J. Küppers

Stolberg. Wenn Stolberger Urgesteine in die Eifel ziehen sollen, ist das keine leichte Aufgabe. Davon hat sich auch der Leiter des Samaritanerheims in Stolberg, Dirk Renerken, erst kürzlich überzeugen können. Weil das Gebäude hinter dem Bastinsweiher teilweise abgerissen und neu aufgebaut werden soll, ist er im Oktober samt Team und Bewohnern in das Haus Maria im Venn in Venwegen gezogen.

Wie das konkret ausgesehen hat, beschreibt der Heimleiter so: „Während der Bewohner durch den Haupteingang gegangen ist, haben wir das Bett über den Nebeneingang nach Venwegen gebracht.“ Im besten Fall sind Bett und Bewohner gleichzeitig in Venwegen angekommen, so dass die gewohnte Umgebung schnell wieder hergestellt werden konnte. Soweit die Theorie.

In der Praxis lief der Umzug nicht ganz so reibungslos ab. Betten mussten wieder aufgestellt, Bilder nach und nach wieder aufgehangen und Hausregeln wieder gelernt werden. Bis alles wieder an Ort und Stelle war, sei etwa eine Woche vergangen, sagt der Heimleiter. Das betrifft auch die Kleinigkeiten des Alltags. „Fernsehprogramme kann man nicht innerhalb von 24 Stunden überall wieder einstellen“, sagt er.

Als gelernter Pflegewirt weiß er, was es heißt, einen älteren Menschen aus seiner gewohnten Umgebung zu reißen. Dass das in etwa 20 Monaten wieder auf dem Plan steht, wenn das alte Gebäude saniert ist und die Bewohner des Samaritanerheims zurückziehen, daran will er im Moment noch gar nicht denken.

Auch die 103-jährige Henriette Schülter kann sich noch nicht vorstellen, dass sie in zwei Jahren wieder umziehen soll. „Wir müssen uns ja dann wieder vollkommen umstellen“, sagt sie. Auch wenn sie als waschechte Stolbergerin ihre Heimatstadt natürlich sehr vermisse, hätte sie sich nicht vorstellen können, in eine andere Einrichtung zu wechseln. Seit 16 Jahren lebt sie nun im Samaritanerheim und hat sich an Pflegekräfte und Bewohner gewöhnt. Es sei wichtig gewesen, dass die bekannten Gesichter alle mitgekommen seien, sagt sie. „Das gute Personal haben wir einfach mitgenommen“, sagt sie und lacht. Das Engagement seiner erfahrenen Mitarbeiter weiß auch Renerken zu schätzen. Vier Pflegekräfte hätten sich sogar extra ein Auto gekauft, um weiterhin für das Samaritanerheim arbeiten zu können.

Trotz des hohen Aufwandes sei der vorübergehende Standortwechsel und die damit verbundene Sanierung des Samaritanerheims richtig gewesen: „Wir hatten nur 56 Plätze, die Wäscherei und die Küche waren nicht voll ausgelastet“, sagt Renerken.

Damit alles nach dem Umbau runder laufe, habe man in moderne Räumlichkeiten und weitere Pflegeplätze investieren müssen. Auch die Bäder hätten dringend saniert werden müssen. Insgesamt kostet der Um- und Ausbau acht bis zehn Millionen Euro. Im neuen Heim werde auch der Bereich der ambulanten Pflege, insbesondere der Tagespflege, angesiedelt. Über betreutes Wohnen werde noch nachgedacht, sagt er. Spätestens im Herbst 2018 soll alles fertig sein.

Bis dahin leben die Schwestern des Christenserinnenordens und die Senioren gemeinsam in Venwegen unter einem Dach. Dass dieses Zusammenleben hervorragend funktionieren kann, wurde bei der Nikolausfeier in dieser Woche deutlich. Gemeinsam wurden Weihnachtslieder gesungen, Präsente verteilt und Kuchenstücke gegessen. So harmonisch sollen nach dem Wunsch der Pflegekräfte auch die Weihnachtsfeier und das Sommerfest im kommenden Jahr sein. Und auch die Kinder des benachbarten Kindergartens in Venwegen könnten künftig in solche Aktionen mit einbezogen werden. Trotzdem: Überzeugte Eifeler werden die 50 Senioren aus Stolberg wohl nie. „Das ist nicht so einfach“, sagt der Heimleiter schmunzelnd, „ich muss mein Versprechen halten, denn irgendwann wollen sie alle wieder zurück“.

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