Stolberg - Umbau bei Woolworth: Betreutes Wohnen für türkische Muslime

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Umbau bei Woolworth: Betreutes Wohnen für türkische Muslime

Von: Jürgen Lange
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Seit 1971 ist Woolworth am Standort Salmstraße. Das Gebäude soll sein Gesicht grundlegend verändern und die Filiale für den Umbau nur kurzzeitig schließen. Foto: J. Lange
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Ein Blick auf die zukünftige Rückfront mit begrünter Dachterrasse, Loggias und Balkonen mit Ausblick auf die Vicht. Visualisierung: Silavis

Stolberg. Nicht nur in Oberstolberg, sondern auch auf der Mühle kommt Bewegung in die Geschäftswelt. Was sich bereits im vergangenen Jahr andeutete, soll voraussichtlich ab dem Jahreswechsel Realität werden: Woolworth möchte in seinen Standort an der Salmstraße investieren.

Die finalen Gespräche dazu laufen zwar noch, so vermeldet die Unternehmenskommunikation des Aktionskaufhauses mit Sitz in Unna. Aber in der Kupferstadt wird bereits fleißig an den Vorbereitungen für die neue Optik des Firmensitzes gearbeitet. Im August 1971 war am Standort der ehemaligen Berufsschule diese Filiale von Woolworth eröffnet und auf zwei Etagen betrieben worden. Seit einigen Jahren dient nur noch das Parterre als Verkaufsraum. Und jetzt steht das gesamte Gebäude vor einer völlig neuen Geschichte.

Denn nicht nur das Ladenlokal soll ein zeitgemäßes Image erhalten, sondern das gesamte Ensemble wird neu gestaltet. Im vergangenen Jahr hatte die Silavis GmbH mit Sitz in Dachau das Gebäude übernommen, als die Warenhauskette sich von einer Reihe ihrer Immobilien getrennt hatte. Nachdem Silavis zunächst Ausbau und Vermarktung des Obergeschosses als normale Eigentumswohnungen angedacht hatte, sind mittlerweile die Planungen und der Bauantrag grundlegend überarbeitet worden.

Realisiert werden soll auf drei Geschossen über der Woolworth-Filiale nun ein barrierefreies Angebot an betreutem Wohnen, das sich in erster Linie an türkische Mitbürger muslimischen Glaubens richten soll, erklärt Dr. Carl-August Günther, der Leiter der Stolberger Silavis-Niederlassung. Partner bei der Betreuung ist dabei die Itertalklinik Seniorenzentrum GmbH von Dr. Christoph M. Kösters. Sie lässt in Stolberg derzeit das Seniorenheim in der Stadthallen-Passage modernisieren und um ein betreutes Wohnungsangebot ergänzen, ist im „Rathaus-Carré“ mit betreutem Wohnraum engagiert ist und betreibt die neue Breiniger Seniorenresidenz.

Kösters sieht ebenso wie Günther eine steigende Nachfrage nach einem betreuten Wohnangebot für muslimische Mitbürger. Eine Reihe Türken der zweiten und dritten Generation pflegten mittlerweile einen europäisierten Lebensstandard, könnten in ihrem Wohnraum nicht mehr Großfamilien beherbergen und wollten ihre aber auch nicht in fremde Einrichtungen geben. „Für sie bieten sich solche barrierefreie Wohnungen in einem gewohnten Umfeld an“, erläutert Kösters. Zudem spreche die gewohnte gute medizinische Betreuung für ein Bleiben in Stolberg und seinem Umfeld.

Und Carl-August Günther bringt zudem die derzeitige innenpolitische Situation ins Spiel: „Wenn die Eltern ihren Lebensabend in der Türkei verbringen würden, wissen die Kinder heute nicht mehr, ob sie sie besuchen und überhaupt zurückkommen dürfen.“ Aber auch unabhängig von der aktuellen politischen Lage habe die Silavis gemeinsam mit türkischen Partnern und Verbänden den Bedarf intensiv sondiert. „Nachfrage ist vorhanden“, sagt Günther. Eine auf die türkischen Mitbürger abzielende Werbekampagne ist bereits angelaufen.

Das Angebot besteht in hochwertigen Wohnungen in Größen zwischen 54 und 75 Quadratmetern sowie der Möglichkeit, eine Betreuung zu nutzen. Und diese werde gezielt auf die muslimischen Ansprüche ausgerichtet. „Das Essen wird halal sein“, so Günther weiter, „und die Pflege durch Mitarbeiter muslimischen Glaubens entsprechend der Anforderungen dieses Kulturkreises erfolgen“.

Städtebaulich gesehen soll der Umbau nicht nur neue Akzente auf der Mühle setzen, sondern auch weitere Investitionen anstoßen. Die geschlossene Waschbetonfront wird an der Salmstraße einer luftigen, dreigeschossigen Fassade mit Fenstern weichen. Im rückwärtigen Bereich wird oberhalb des Parterres eine 550 Quadratmeter Freifläche aus dem Altbestand herausgenommen und mit Insektenkräutern begrünt. Der Eingreif in die alte Bausubstanz ermöglicht es, dass jede der geplanten 35 Mietwohnungen mit Loggia oder Terrasse ausgestattet werden. Die geplante Raumaufteilung sieht eben Abstellkammer, Bad mit begehbarer Dusche und Schlafzimmer einen gemeinsamem Koch-, Ess- und Wohnraum vor. Zudem sind Abstellräume zu jeder Wohnung auf den Etagen vorgesehen.

Das Gebäude wird nach aktuellen energetischen Standards aus-, zwei Einzüge eingebaut sowie mit Wärmepumpe und Photovoltaik ausgestattet. Der Baubeginn wird innerhalb des nächsten Monats, die Fertigstellung im Herbst 2018 erwartet.

Erste Teilbaugenehmigungen für den Innenausbau liegen bereits vor. So soll für Woolworth ein Zwischenlager eingebaut werden. Die neuen Sozialräume der Belegschaft sind für den Bereich vorgesehen, wo heute in der Front noch ein leer stehendes Ladenlokal zu finden ist. Sobald die komplette Baugenehmigung vorliegt, soll‘s mit Volldampf vorangehen. Carl-August Günther: „Wir warten händeringend darauf.“

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