Stolberg - Uhrwerk der Zweifaller Rochus-Kirche tickt nun im Rathaus

Uhrwerk der Zweifaller Rochus-Kirche tickt nun im Rathaus

Von: Heike Eisenmenger
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Das alte Kirchturmuhr schlägt wieder: Das ist das Verdienst von Hubert Schweitzer, der das historische Uhrwerk in mühseliger Arbeit restauriert hat. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Freitags, wenn sich der junge Otto Buschak nach dem Brötchenkauf auf den Heimweg machte, wurde er stets abgefangen. An der Dorfkirche wartete auf ihn der Organist von St. Rochus. „Ich sollte die Kirchturmuhr aufziehen. Für ihn war der Aufstieg in den Turm anstrengend, für mich als Pimpf aber kein Problem, zumal ich ja auch stolz war, mit dafür verantwortlich zu sein, dass die Kirchuhr läuft”, erzählt Buschak schmunzelnd.

Ein halbes Jahrhundert ist das nun her; der kleine Otto ist zu einem gestandenen Mann herangewachsen, der in der Druckerei der Stadt seine „Brötchen” verdient.

Vogel hat sich eingenistet

Die Kirchturmuhr hat die vielen Jahre überstanden. Zwar sind Ziffernblatt und Zeiger hoch oben im Kirchturm original, nicht aber das Uhrwerk an sich: Das wurde irgendwann gegen ein elektrisches ausgetauscht. Das mechanische Uhrwerk mit den Ausmaßen eines kleinen Kleiderschranks, das Otto Buschak jede Woche aufgezogen hatte, stand verdreckt und verstaubt in einer Ecke des Kirchturms. Dort entdeckte es in den 80er-Jahren zufällig Hubert Schweitzer, ein leidenschaftler Uhrensammler.

„Es tat mir in der Seele weh, dieses schöne Uhrwerk in seinem solchen Zustand zu sehen”, erzählt der Zweifaller. „Das Uhrwerk war völlig verdreckt, und ein Vogelnest fand ich zwischen Wellen und Zahnrädern”, beschreibt Schweitzer den ramponierten Zustand. Dieser konnte der wahren Schönheit der Uhr mit Mannhardt-Gang nicht wirklich etwas anhaben, Schweitzer war wie elektrisiert und fasste den Plan, die Uhr zu reparieren.

Vor seiner Pensionierung hatte er als Maschinenbautechniker gearbeitet und verfügte somit über grundlegendes Fachwissen, Zahnräder und Wellen selbst herzustellen. Das war unumgänglich, denn Ersatzteile waren für die 1920 in Recklinghausen gebaute Uhr nicht aufzutreiben. Nachdem die Kirche ihr Einverständnis gegeben hatte, Schweitzer die Uhr zu überlassen, „haben wir das Uhrwerk in seine Einzelteile zerlegt und vorsichtig im Turm abgeseilt.” Was nicht einfach war, immerhin wiegt die Kirchturmuhr der Firma B. Vortmann 420 Kilogramm.

Nachdem die Einzelteile bei den Schweitzers angekommen waren, ging es nach der Säuberung an die Feinarbeit. Maßgefertige Zahnräder und Antriebswellen zu entwerfen, sie zu Papier zu bringen und schließlich in Feinarbeit anzufertigen erforderte viel Erfahrung und Einfallsreichtum, und war durchaus mit Schwierigkeiten verbunden: Beispielsweise bei der Fallhöhe der Gewichte.

„Dies waren mit Bachsteinen gefüllte Körbe, die unter dem Uhrwerk hingen”, erzählt Schweitzer. 14 Meter Fallhöhe reichten aus, um die Uhr nur einmal in der Woche mit einer Kurbel aufziehen zu müssen. Ein Kirchturm hat die nötige Höhe dafür, sonst fehlt sie eher. Die mit Backsteinen gefüllten Körbe tauschte Schweitzer gegen Gewichte aus Metall.

Und wie vor 50 Jahren hat Buschak die Ehre, das Uhrwerk in Gang zu halten, denn es hat seinen Platz im Foyer des Bürgermeister-Flügels im Rathaus gefunden. Die Uhr, die Schweitzer mit einem kleinen Ziffernblatt ausgestattet hat, läuft allerdings nicht rund um die Uhr. „Durch die viel geringere Fallhöhe, die den Gewichten hier zur Verfügung steht, tickt die Uhr maximal einen halben Tag”, erklärt Bürgermeister Ferdi Gatzweiler, für den die Uhr zugleich Sinnbild für Geschichte Zweifalls wie für menschlichen Erfindungsgeist ist.
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