Überfall auf Spielothek: Angeklagter ist frei

Von: Wolfgang Schumacher
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Die Kammer sah sich außer Stande, David U. nur anhand der Spuren zu verurteilen. Symbolbild: dpa/David Ebener

Aachen/Stolberg. David U. (38) hat schon so manche Sache abgesessen. Und es seien nicht immer nur „kleine“ Dinge gewesen, die dazu geführt hätten, formulierte Richter Hans Günter Görgen mahnend. Der Vorsitzende der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht redete dem wegen Raubes in einer Spielothek am Morgen des 27. Juni vor zwei Jahren angeklagten Arbeiter aus Polen ins Gewissen.

Denn die Kammer ahnte bereits, dass die Beweislage in diesem Prozess seit dem Auftreten der 23-jährigen Zeugin Sara K. aus Stolberg, sie ist das mutmaßliche Opfer des Überfalls im Jahr 2015, richtig dünn würde. Denn auch das vom Landeskriminalamt erstellte DNA-Gutachten brachte Staatsanwaltschaft wie das Gericht nicht weiter. Spuren an einem Kabelbinder, mit der die Spielothekenkraft morgens gegen 8 Uhr gefesselt wurde, hatten sich vermischt mit den Spuren des Opfers, beide Muster waren aber deutlich einzeln nachzuweisen.

Daraufhin hatte die Staatsanwaltschaft Anklage gegen U. erhoben. Doch niemandem gelang es, nachzuweisen, dass David U. auch tatsächlich am Tatort war. Die Zeugin hatte als Täter einen „großen schlanken Mann“ und das mit „blonden Augenbrauen“ unter der Maske beschrieben. Der Angeklagte aber saß da eher klein und mit kompakter Statur vor der Strafkammer, das konnte also schlecht in Übereinstimmung gebracht werden.

So blieb Oberstaatsanwalt Wilhelm Muckel nur, selbst einen Freispruch zu beantragen, selbstverständlich stimmte die Verteidigung zu. Bereits nach kurzer Beratungszeit trat auch die Kammer wieder an die Öffentlichkeit. Richter Hans Günter Görgen verkündete das Urteil: wie erwartet ein Freispruch für den Angeklagten. „Es bleiben aber eine Menge Ungereimtheiten“, sagte Görgen in der Urteilsverkündung, es bleibe „ein ungutes Gefühl“.

Der in Selters (Westerwald) wohnende David U. hatte glaubhaft machen können, dass er mit Leuten aus dem Umfeld der Spielothek bereits vor dem Überfall befreundet war und auch bei und mit diesen gefeiert hatte. So sei es durchaus möglich, dass seine DNA auch außerhalb der Spielothek auf den bei der Fesselung der Aussichtskraft benutzten Kabelbinder aufgetragen worden sei. Der Gutachter des Landeskriminalamtes wies zwar mit milliardenfacher Sicherheit nach, dass die DNA-Profile von David U. stammten. Doch eine Aussage über den Zeitpunkt, an dem sie aufgetragen wurden, könne man nicht bestimmen.

So sah sich die Kammer außer Stande, David U. nur anhand der Spuren zu verurteilen. Natürlich könne es sein, so Görgen, dass man hier ein „abgekartetes Spiel“ betrieben und sich womöglich im Vorfeld abgesprochen habe. Was aber nicht nachweisbar war. Die Ungereimheiten würden ein komisches Gefühl hinterlassen, sagte Görgen.

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