„Über Tauwetter würden wir uns langsam freuen”

Von: Jürgen Lange
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Eiszapfen beseitigte die Feuerwehr, um Passanten zu schützen.

Stolberg. Die Menge macht´s; erst recht, wenn der Schnee feucht ist. Sicherheitshalber sperrte die Städteregion am Montag die Turnhalle des Berufskollegs am Obersteinfeld ebenso wie in Simmerath. Grund ist die Last durch die Schneemassen auf den Dächern. Zwar liegen auf dem Stolberger Flachdach lediglich 25 Zentimeter der weißen Pracht.

„Im Hinblick auf die vor zwei Jahren installierte Deckenstrahlheizung ist aber die statische Reserve stark reduziert”, erklärte Pressesprecher Hans-Josef Heinen. Um eine witterungsbedingte Gefährdung zu vermeiden wurde die Halle ab sofort über die Weihnachtsferien bis zum 10.Januar gesperrt. In Simmerath liegen bereits 50 Zentimeter auf dem Dach, dessen Belastungsgrenze bei 60 Zentimeter erreicht wird. Der übrige Schulbetrieb am Berufskolleg wurde zumindest nicht aus statischen Gründen weiter beeinträchtigt.

Auch Schulen und Kindertagesstätten verzeichneten am Montag keine außergewöhnlichen Ausfälle oder Beeinträchtigungen aufgrund der Witterung in einem Ausmaß, dass sie sie der Stadtverwaltung hätten melden müssen, erklärte Pressesprecherin Petra Jansen. Und auch auf den Stolberger Straßen lief der Verkehr angesichts der Witterungsverhältnisse relativ gut.

Einige kleinere Unfälle verzeichnete die Polizei im Stadtgebiet. Auf der Raiffeisenstraße hing ein Gelenkbus fest und bei einem Zusammenstoß entstanden 3000 Euro Sachschaden gegen 6 Uhr sowie zur Mittagszeit am Großen Rad 2500 Euro. Gegen 7.15 Uhr streifte ein Bus auf der Aachener Straße einen Pkw, um 8 Uhr forderte die Polizei die Stadt auf, die Steinfeldstraße intensiver zu räumen, und gegen 9.30 Uhr landete auf der L23 in Höhe von Gut Schwarzenbruch ein Bus im Graben: Zwei andere Busse gelang es offensichtlich, ihn aus seiner misslichen Lage zu befreien; als die Streifenwagen eintrafen, hatten die Beamten keine Feststellungen mehr. Im Großen und Ganzen schienen die Autofahrer die winterliche Lage im Griff zu haben.

Unter der Schneelast abgeknickte Bäume beschäftigten derweil die Feuerwehr am Fettberg, in Zweifall und Mausbach; an einem Haus an der Zweifaller Straße beseitigte sie Eiszapfen, die eine Bushaltestelle bedrohten.

Verspätungen und Schwierigkeiten an Steigungen bzw. Gefällstrecken - so war der Donnerberg gesperrt - vermeldet die Aseag. Im Laufe des Tages hatte sich die Lage jedoch weitgehend normalisiert. Bis zu zehn Minuten Verspätung wurden noch bis zum Einsetzen des Berufsverkehrs registriert, sagt AVV-Sprecherin Anne Linden.

„Die Spedition Rütgers hat mit uns Sonntagabend fleißig gearbeitet, damit wir pünktlich vom Hof kommen”, hat der Mausbacher Busunternehmer Helmut Haas Vorsorge in Sachen weißer Pracht getroffen. „Wer gut gerüstet ist, kommt gut durch den Winter”, lautet sein Leitspruch, der aber mit einer klaren Bitte an das Technische Betriebsamt verbunden ist. „Wenn die Hauptstrecken für die Busse nicht vernünftig präpariert sind, nützt das alles nichts”. Den Schellerweg nennt Haas als solche eine Problemstrecke, die Montagfrüh zeitweise gesperrt war. „Da läuft der Großteil des Busverkehrs nach Münsterbusch, Büsbach und Eilendorf drüber”, mahnt Haas. Und wenn dort ein Bus hängen bleibt, ist´s Essig. Die Donnerberger Strecken sowie die Hans-Böckler-Straße sind ebenso immer wieder Problemstellen für die Busfahrer, die ansonsten in Sachen Pünktlichkeit mehr durch übervorsichtig langsam fahrende Pkw ausgebremst würden.

Drei Regionalbahnen fallen aus

Ausgebremst war am Montagvormittag der Regionalexpress zwischen Aachen und Paderborn. Am Stolberger Hauptbahnhof mussten die Reisenden mit Verspätungen von 60 Minuten in Richtung Kaiserstadt sowie von 25 Minuten in Richtung Köln in Kauf nehmen. Generell seien die Züge aber recht pünktlich unterwegs gewesen, berichtet DB-Regio-Sprecher Udo Kampschulte. Allerdings, so Birgit Krücken vom Aachener Verkehrsverbund, hatten Eis und Schnee der Euregiobahn zu schaffen gemacht. Vereiste Türen und Trittbretter auch während der fahrt machten den Triebzügen zu schaffen. Drei Euregiobahnen (RB 20) fielen aus, die Alsdorfer Triebwagen waren nur doppelt bespannt, und in Rothe Erde sowie Stolberg gab´s Probleme mit den Weichen. Beim Ersatzverkehr haperte es, gesteht Krücken ein. „Taxis waren gar nicht zu kriegen, und die Busse hatten ihre Probleme auf schwierigen Straßenverhältnissen”.

Schwierig wird die Situation wohl noch eine Weile bleiben, prophezeit Georg Paulus. Laut langfristiger Prognose der Meteorologen werden die Wetterverhältnisse den Stolbergern noch bis nach Silvester erhalten bleiben, berichtet der Leiter des Technischen Betriebsamtes. Und damit beschert die Witterung den „Paulus-Jüngern” noch viele arbeitsreiche Abend- und Morgenstunden. Sonntag in der Früh und am Nachmittag sowie Montagmorgen rückte die knapp 100-köpfige Truppe aus, um mit acht großen Räumfahrzeugen und in den Handstreubezirken für möglichst sichere Verhältnisse auf Fahrbahnen und Gehwegen zu sorgen.

Salz geht langsam zur Neige

Allerdings wird auch die Lage für das Technische Betriebsamt langsam kritisch: Die Salzvorräte gehen zur Neige. „Wir haben 700 Tonnen bestellt”, konstatiert Paulus, dass der Nachschub jedoch noch nicht eingetroffen ist. Seine Hoffnung richtet sich auf eintreffende Lastwagen, sobald für sie die Autobahnen wieder frei gegeben sein. Von ursprünglich vier Lieferanten war ein Unternehmen übrig geblieben, dass noch Salz ausliefern konnte. Die Nachfrage nach dem auftauenden Streugut wird derweil ständig größer.

„Wir versuchen unsere Vorräte so gut es geht zu strecken”, sagt Georg Paulus. „Was wir aber wirklich brauchen könnten, wäre ein wenig richtiges Tauwetter.” Darüber würden sich sicherlich nicht nur der TBA-Leiter und seine Leute, sondern auch viele Autofahrer freuen.

Müllabfuhr und gesperrte Grünanlagen

Aufgrund der schwierigen Wetterverhältnisse wird es in dieser Woche zu Beeinträchtigungen bei der Abfallentsorgung kommen, teilte die Verwaltung mit. Das mit der Abfuhr beauftragte Unternehmen ist jedoch bemüht, Nachleerungen vorzunehmen.

Wo dies nicht möglich ist, werden die Bürger gebeten, den Müll in der Folgewoche in Säcken neben die normalen Tonnen zu stellen, sie werden dann mit der nächsten regulären Leerung abgeholt. Es müssen in diesen Fällen nicht die speziellen städtischen Abfallsäcke verwendet werden. Gleiches gilt für nicht entleerte Gefäße von Freitag in den Stadtteilen Schevenhütte, Gressenich, Werth und Mausbach.

Aufgrund der heftigen Schneefälle in der Nacht zum Montag werden die Friedhöfe, Grünanlagen und Parks bis mindestens Mittwochmorgen, 22. Dezember, für Besucher gesperrt, so die Verwaltung. Der Nassschnee der vergangenen Nacht auf den gefrorenen Ästen führt zu einer Überlastung und oft zum plötzlichen Abbruch von Ästen, zum Umkippen ganzer Bäume. Hierdurch sind Besucher und Nutzer der Anlagen in erheblichem Maße gefährdet. Eine Aufhebung der Sperrung ist witterungsabhängig.

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