Stolberg-Liester - Über den Gesprächsversuch zwischen zwei Welten

Über den Gesprächsversuch zwischen zwei Welten

Von: Mischa Wyboris
Letzte Aktualisierung:
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Skepsis auf beiden Seiten: Trotzdem hat das zweite Stadtteilgespräch auf der Liester einige Erkenntnisse und Ergebnisse zutage gefördert. Foto: M. Wyboris

Stolberg-Liester. Von der Hand Gottes ist in der Ardennenstraße nicht viel zu sehen - behaupten einige Anwohner. Während drinnen Gläubige beten, nutzen Jugendliche das Portal der Kirche als Fußballtor.

„Wo sollen sie denn hin?”, fragt eine andere Anwohnerin beim Stadtteilgespräch mit Erwachsenen, Schülern und Politikern. „Wenn es einen Gott gibt, wird er sich bestimmt nicht daran stören, dass ein paar Kids gegen das Kirchentor kicken.”

Auf der Liester schwelt ein Konflikt, der weit über die Maße eines Fußballtors hinausgeht. Anwohner beschweren sich über das rotzfreche Gebaren junger Leute, die Vorgärten verschandeln, Autos angreifen, Bürger beschimpfen; Jugendliche vereinen sich im Protest gegen fehlende Freizeitangebote.

Das zweite Stadtteilgespräch in der Aula der Hauptschule „Propst Grüber” hat die beiden „Parteien” nun zum ersten Mal zusammengeführt - und eigentlich auch wieder nicht. „Es ist schade, dass ausgerechnet die Jugendlichen und ihre Eltern, die es angeht, gar nicht hier sind”, stellt ein Anwohner mit Ernüchterung fest.

Die Schüler, die sich am Gespräch beteiligen, verkünden ihre Dankbarkeit über den Jugendbus der Kupferstadt, der bislang 23 Einsätze auf der Liester hatte. Jeden Montag nutzen durchschnittlich 22 Besucher die Gelegenheit zu spielen und zu sprechen.

Zum Programm der mobilen Sozialarbeit gehörten so auch 15 persönliche Gespräche über Themen wie Familie, Freunde, Selbstbild, Vergangenheit und Zukunft sowie diverse Mini-Projekte vom gemeinsamen Essen bis hin zum offenen Dialog zum Thema Alkoholsucht. „Der Bus ist wichtig für uns”, sagt einer der jugendlichen Teilnehmer. „Wenn er demnächst wieder weg ist, wird er uns fehlen.”

Dass sich der Abzug der mobilen Sozialarbeit nun bis Ende des Jahres verzögern soll, ist nur ein Ergebnis des Stadtteilgesprächs - obgleich Bürgermeister Ferdi Gatzweiler betont: „Ein Projekt wie den Jugendbus zu unterhalten, ist ein Kraftakt für eine Kommune.” Der Erste Bürger sagt aber auch, dass weitere Angebote für Jugendliche folgen müssen: „Der Bus ist nur ein Eisbrecher.”

Nicht bei allen 45 Teilnehmern der Diskussionsrunde ist indes das Eis gebrochen. „Wir sprechen die ganze Zeit darüber, was wir für die Jugendlichen tun können”, beklagt sich ein Anwohner. „Aber was wird eigentlich für uns getan?” Im besten Fall, so die Idee bei der Überlegung, die Liester für Jugendliche attraktiver zu machen, gehören Radau und Randale der Vergangenheit an, sobald die Schüler in ihrer Freizeit auch eine sinnvolle Beschäftigung finden.

Karina Wahlen hat andere Erfahrungen gemacht. „Wir hatten mit der Oase eine sehr aktive Jugendhilfe, doch das Angebot ist damals mangels Interesse eingeschlafen”, sagt die CDU-Ratsfrau. „Aus diesem Grund hatten wir die Fördergelder an den Donnerberg abgegeben.” So mancher Anwohner macht hingegen allein durch die Präsenz des Jugendbusses eine klare Entschärfung der Situation aus: „Im Winter war es hier zwar immer ruhiger, aber ich war schon verwundert, dass seit einiger Zeit keiner mehr durch die Gärten läuft und randaliert”, sagt eine Frau.

Fehlende Freizeitangebote

Walter Clahsen, Leiter der Propst-Grüber-Schule, ist das Fehlverhalten einiger Jugendlicher durchaus bekannt, und er weiß, dass sich fehlende Freizeitangebote für junge Menschen und deren Frustreaktionen gegenseitig bedingen können. „Wir haben alle zugesehen, aber nur wenige haben nach den Gründen gesucht”, sagt Clahsen. Das soll sich künftig - endlich - ändern.

So könnte der Geschwister-Scholl-Platz umgestaltet werden, anderswo ein Stadtteil-Café entstehen und die Schule ihre Turnhalle für begleitete Sportangebote öffnen. Wo die Jugendhilfeeinrichtungen der Stadt verstärkt in die Pflicht genommen werden, fordert deren Leiter Josef Offergeld allerdings „mehr räumliche und personelle Ressourcen”.

Während Schüler vor der Kirche weiter den Ball aufs Tor zirkeln, sehen manche Anlieger kaum einen Grund, sich gestört zu fühlen. „Ich wohne seit zehn Jahren auf der Liester”, sagt eine Frau. „Von Papiermüll im Vorgarten mal abgesehen, habe ich keine Probleme mit den jungen Leuten.” Ein drittes Stadtteilgespräch soll es noch vor dem Sommer geben - dann mit einer Auswertung der bis dahin umgesetzten Vorhaben. Vieles lässt sich wohl schon daran messen, ob die Jugendlichen einen eigenen Bolzplatz bekommen.
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