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Über 3000 Brillen stapeln sich in Hubert Nadenows Flur

Von: lbe
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Hubert Nadenow (links) und Christina Håkansson haben zusammen über 3000 Brillen für den guten Zweck gesammelt. Foto: L. Beemelmanns

Stolberg. Dass Hubert Nadenows Flur eines Tages voller Kartons gefüllt mit Brillen stehen würde, das hatte der Rentner vor einigen Wochen sicher nicht geahnt. Und dass er am Ende auch noch versehentlich seine eigene Brille einpacken würde, auch nicht.

Angefangen hatte es mit einer kleinen Meldung, die der Vichter Rudolf Dreuw in den Pfarrbrief aufnahm. Dort erwähnte er erstmalig öffentlich, dass Nadenow und die Stolberger Zahnärztin Christina Håkansson Brillen sammeln, die sie über die Organisationen „Brillen weltweit“ und „Brillen für Haiti“ in die ganze Welt schicken. Sie werden von Optikern vor Ort aufbereitet und Menschen zur Verfügung gestellt, die sich keine Brille leisten können – aber dringend eine benötigen.

Heimat neu kennengelernt

Als dann noch eine Meldung in der Stolberger Zeitung und den Stolberger Nachrichten erschien und am 7. April zudem ein größerer Artikel, stand Nadenows Telefon nicht mehr still. „Meine Frau und ich sind acht Tage lang kreuz und quer durch Stolberg und Eschweiler gefahren, um Brillen einzusammeln“, sagt der 73-jährige Vichter. „Wir haben unsere Heimat noch mal ganz neu kennengelernt“, fügt er hinzu und lacht.

1600 Brillen sind so zusammengekommen. Die Nadenows haben sie teilweise abgeholt, viele wurden aber auch persönlich bei ihnen zu Hause oder in der Praxis von Christina Håkansson vorbeigebracht oder gleich Tüten voller Brillen an die Tür gehangen. Auch im Vichter Dorfladen wurde fleißig gesammelt. Und der Stolberger Augenoptiker Günter Martin Rauchmann hat gleich drei Kartons voller Brillen zur Verfügung gestellt. „Wir können uns nur bei allen Spenderinnen und Spendern aus Stolberg und Eschweiler bedanken. Sie alle haben ein wirklich großes Herz bewiesen“, sagt Nadenow.

Denn mit einer so großen Anzahl an Brillen hätten sie niemals gerechnet. Zu den 1600 Brillen sind durch die Augenabteilung des Aachener Klinikums, die Brillen für den Lyons Club Carolina Aachen sammelten, weitere 1400 hinzugekommen. „Die Präsidentin Christine Zittel hat uns die Brillen netterweise überlassen. Wir können uns bei all dieser Hilfsbereitschaft nur immer wieder bedanken“, sagt Nadenow.

In seinem Flur hat er die Pakete nun gestapelt. „Ich hatte jede Brille in der Hand“, sagt er. Er hat sie kontrolliert und mit Küchenpapier oder der Stolberger Zeitung umwickelt. In den Kartons lagern Brillen, Sonnenbrillen, Etuis, einzelne Bügel und Gläser. „Und hinter jeder Brille steckt eine Geschichte“, sagt der Rentner.

Denn wenn er und seine Frau sich auf den Weg gemacht haben, hat sie das Auto gefahren und er ist bei jeder Adresse flott rausgesprungen, um die Brillen zu holen. Dabei wurde ihm manches Mal auch die Geschichte der jeweiligen Brille erzählt. „Viele Witwen und Witwer haben die Brillen ihrer gestorbenen Partner abgegeben“, sagt Nadenow. Das sei jedes Mal sehr emotional.

Normalerweise verschicken Håkansson und Nadenow die Brillen per Post. Bei dieser großen Menge sei das aber nicht mehr so einfach. Daher fährt Nadenow die Brillen kurzerhand selbst nach Koblenz zur deutschen Vertretung der Organisation „Brillen weltweit“. Zweimal wird er diese Tour fahren. Denn alle Kartons passen nicht auf einmal in sein Auto. Das mache ihm aber nichts.

„Ich mache das gerne“, sagt er. Morgen fährt Nadenow die erste Hälfte der Brillen weg. Seine Frau wird ihn begleiten. Die zweite Tour ist für nächste Woche geplant. Und wer weiß, wie viele Brillen danach noch zusammenkommen. Nadenow wird weiter sammeln, das steht fest. „Die Aktion hat kein Ende“, sagt er.

Seine eigene Brille habe er zwischen all den anderen nicht mehr gefunden. Aber das mache nichts. Nadenow hat inzwischen eine neue – und die alte beginnt nun ein neues Leben auf Haiti.

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