Über 100.000 Euro hinter einer Truhe entdeckt

Von: Jürgen Lange
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Gabriele Makola (l.) und Sabine Boos freuen sich über den unerwarteten Geldfund in dem Appartment der verstorbenen Bewohnerin des Seniorenzentrums auf der Liester, der nun der Deutschen Krebshilfe zugute kommt. Foto: J. Lange

Stolberg. Sabine Boos hat schon viele Geschichten gehört. Ebenso oft hat die Sachgebietsleiterin Fundraising und Marketing der Deutschen Krebshilfe mit Sitz in Bonn Spenden entgegengenommen, die aus Hinterlassenschaften von Verstorbenen stammen.

„Wir haben schon oft erlebt, dass Verstorbene ihr Geld versteckt haben“, plaudert Boos aus dem Nähkästchen. „Teilweise war Schmuck sogar hinter Steckdosen versteckt“. Aber die Geschichte rund um die hinter einer Truhe gefundenen 107.000 Euro, wie sie sich in Stolberg, im Seniorenzentrum auf der Liester abgespielt hat, hat auch Sabine Boos noch nicht erlebt.

Und die Ereignisse haben Gabriela Makola in ihrer noch jungen Karriere als Geschäftsführerin der städtischen Seniorenwohn- und -sozialzentrum Betriebsführungs-GmbH (SWZ) vor ungeahnte Herausforderungen gestellt.

Dabei begann die ganze Geschichte um den Tod einer Bewohnerin eigentlich eher wie ein Routinefall für ein großes Seniorenzentrum. Seit dem 1. September 2007 wohnte die verwitwete Seniorin in einem der Appartments im Haus am Amselweg, als sie am 16. September vergangenen Jahres im Alter von 91 Jahren verstirbt. „Bei ihrem Ableben hinterließ die Dame keine Angehörigen“, berichtet Makola. Mit Hilfe des Amtsgerichtes wird ein Nachlassverwalter eingeschaltet, der sich erst einmal um die weiteren Schritte kümmert und die verbliebenen Habseligkeiten sichtet.

Dann steht der Tag der Entrümpelung des Appartments an. Eine Truhe hat bereits den Weg in den Sperrmüll gefunden. Eine Küchenzeile wäre noch nutzbar. Als Makolas Assistentin Birgit Frett das Möbelteil Interessenten präsentieren will, entdeckt sie zwei große braune Umschläge – dort, wo kurz zuvor noch die Truhe gestanden hat. Eher routinemäßig schaut Birgit Frett nach, ob es sich bei den Briefumschlägen vielleicht noch um relevante Post handeln könnte. „Dann habe ich die Farbe gewechselt“, erzählt die Assistentin.

Denn bei näherem Hinsehen entpuppen sich die vergilbten Umschläge als wertvolle Post: Bargeld in einem nie erwartetem Ausmaß steckt in den Couverts. „Es hieß immer, dass die Dame sehr wohlhabend sei“, erinnert sich Birgit Frett. „Aber das hat sie nie zur Schau gestellt und war im Alltag auch immer zurückhaltend gekleidet.“ Wie das so oft bei den Senioren üblich sei.

„Wir haben uns dann erst einmal in unser Büro eingeschlossen und überschlägig gezählt“, erinnert sich Gabriele Makola. „In einem Umschlag steckt loses Bargeld“. Fast 30.000 Euro zählen die beiden Damen. Aus dem zweiten Umschlag ziehen sie bündelweise Geldscheine mit Bankbanderolen aus den Jahren 2002 bis 2006. Sie summieren sich noch einmal auf etwa 80.000 Euro.

„Was tun wir nun damit?“, ist die erste Frage, die sich Makola und Frett stellen. „Die Summe hätte den städtischen Betriebskostenzuschuss decken können“, scherzt heute Gabriele Makola, die auch den Bürgermeister über den außergewöhnlichen Fund informiert. Aber neben diesen sechs Augen wird erst einmal nur ein weiteres Augenpaar informiert werden: das des Nachlassverwalters. Der nimmt sich auch rasch des Betrages an, der beim genaueren Nachzählen gut 107.000 Euro ergibt.

„Mir fiel ein Stein vom Herzen, als das Geld endlich aus unserem Hause war“, sagt Gabriele Makola heute. Wenn auch gut und sicher verschlossen, aber sorgenvoll hat sie den Betrag anfangs im Seniorenzentrum am Amselweg aufbewahren müssen, bis die weiteren Schritte geklärt waren. Mittlerweile hat der Nachlassverwalter auch den letzten Willen der Verstorbenen zur Hand. 1991 hatte die Dame ihren gesamten Nachlass der Deutschen Krebshilfe vermacht.

Der wird nun auf insgesamt 108.490 Euro beziffert, die an die Deutsche Krebshilfe gehen. „94.000 Euro sind bereits überwiesen“, freut sich Sabine Boos. Der Rest, abzüglich eventuell offener Forderungen oder Kosten, soll folgen, sobald die Vermögensakte geschlossen werden kann.

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