TÜV geprüft: An Ralf-Paul Engels müssen alle Narren vorbei

Von: Laura Beemelmanns
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Ralf-Paul Engels ist Prüfstellenleiter beim TÜV Rheinland. Er nimmt jeden Karnevalswagen genauestens unter die Lupe. Foto: L. Beemelmanns
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Wagen raus, Wagen rein: Damit der TÜV alle Wagen genauestens begutachten kann, müssen sie in Millimeterarbeit aus der Halle in Mausbach heraus- und wieder reingefahren werden.

Stolberg-Mausbach. Wenn Ralf-Paul Engels mit seinem schwarzen Koffer und ganz in Schwarz gekleidet anrückt, dann wirkt das fast ein wenig einschüchternd. Angst muss aber heutzutage niemand mehr vor ihm haben. Denn sein Job als Prüfstellenleiter beim TÜV Rheinland hat sich im Laufe der vergangenen 16 Jahre gewandelt.

Vom „Schrecken“ aller Karnevalsvereine ist er zu einem gern gesehenen Gast geworden, wenn er die Karnevalswagen der Gesellschaften vor den großen Umzügen abnimmt.

An diesem Tag ist Engels in Mausbach. Dort prüft er vier Wagen, die die Mitglieder der KG Adler Werth zur Prüfung bereitgestellt haben. Am Karnevalssamstag müssen sie fahrtüchtig sein. Allesamt wurden aufwendig gestaltet und sind zum Einsatz bereit – nur das Okay des TÜV fehlt noch. So nimmt Engels über einige Wochen mehrere hundert Fahrzeuge ab – in Stolberg, Eschweiler, Aachen, der Eifel und im Nordkreis. Dabei trifft er nicht nur unterschiedliche Narren, sondern auch unterschiedliche Begebenheiten. In Mausbach seien diese jedoch besonders gut.

Die vier Fahrzeuge sind in einer großen Halle untergestellt. Beste Voraussetzungen, wie Engels sagt. „Die Wagen sind mittlerweile fast alle sehr gut gepflegt. Diese hier besonders, denn sie stehen trocken und werden regelmäßig gewartet“, sagt er. Andere stünden auf einer Wiese oder auf Bauernhöfen. Teilweise lediglich mit Folie bedeckt. Darunter leide so ein Fahrzeug vor allem in der Winterzeit. „Da können sie dann nach zwei bis drei Jahren einen neuen bauen“, sagt Engels.

Seit 2000 ist der Prüfer jedes Jahr zu Karneval in der gesamten Städteregion unterwegs, um die Wagen abzunehmen. Er kennt sie alle: die Vereine, die Fahrzeuge und die Jecken, die sie bauen.
In den Jahren davor herrschte noch Narrenfreiheit. Damals wurden die Wagen nicht kontrolliert. Damit ist aber längst Schluss. „Für alle Fahrzeuge, die am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen, gelten die gleichen Regeln“, sagt er.

Für Karnevalswagen bedeutet das unter anderem: nicht höher als vier Meter, nicht breiter als 2,55 Meter und nicht länger als zwölf Meter. „Manchmal werden die Maße nicht genau eingehalten. Wenn der Wagen beispielsweise an den Seiten noch mit Behältern für Wurfmaterial ausgestattet wird, überschreitet das die 2,55 Meter Breite teilweise je Seite um rund 40 Zentimeter. Wenn die Fahrtstrecke aber breit genug ist, drücken wir da schon mal ein Auge zu“, sagt er und lächelt verschmitzt. Das sei die rheinische Art der Gesetzesauslegung.

Dennoch gelte: „Kein Risiko. Die Sicherheit fährt mit.“ Da kenne Engels kein Pardon. Aufgeführt ist all das im Merkblatt über die Ausrüstung und den Betrieb von Fahrzeugen und Fahrzeugkombinationen für den Einsatz bei Brauchtumsveranstaltungen. Dieses gilt nicht nur für Karnevalsfahrzeuge, sondern auch für Wagen, die bei anderen Umzügen eingesetzt werden. Darin geschrieben steht unter anderem, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit sechs Kilometer pro Stunde nicht überschreiten darf, wenn Menschen stehend befördert werden. Und auch eine Betriebs- und eine Feststellbremse müssen vorhanden sein. Ein defektes Rücklicht wird ebenfalls nicht akzeptiert. Außerdem lässt Engels die Traktoren, die die Karnevalswagen ziehen, anfahren und kräftig bremsen. Doch auch das meistern die Fahrzeuge der KG Adler Werth mit Bravour.

In Engels‘ schwarzem Koffer findet man allerlei Utensilien, die er für die Prüfung der Fahrzeuge benötigt. So auch eine kleine Taschenlampe. Damit schaut er sich die Wagen auch von unten an, überprüft die Lichttechnik und die Bremsen sowie die Papiere. Für jeden Wagen nimmt er sich heute rund 15 Minuten Zeit. „Das geht sehr schnell hier, denn an diesen Wagen gibt es nichts zu meckern“.

Gebaut und gepflegt werden sie von den fünf Wagenbauern, die sich „Wagenbauer Extrem“ nennen. Zu ihnen gehört Armin Schmidt. Er ist es auch, der die große Halle das ganze Jahr über kostenfrei zur Verfügung stellt. „Was Armin für uns tut, ist unbezahlbar“, sagt Rita Felden von der KG Adler Werth. Sie ist mit vor Ort. Denn auch wenn die Abnahme nur rund eine Stunde dauert, sei viel Vorbereitungszeit nötig. „Es müssen viele Telefonate geführt werden, um Termine abzustimmen“, sagt Felden. „Zum Glück haben wir so ein tolles Team.“ Schmidt fügt hinzu: „Wir lassen die Wagen vorher noch mal von einem Metallbauer prüfen.“ So könne eigentlich nichts mehr schiefgehen. Sich vor dem TÜV fürchten, das gebe es nicht. Wer die Wagen so gut vorbereitet, der muss sich eben keine Sorgen machen.

Vor allem Engels freue es, dass die Zusammenarbeit mit- und untereinander so gut funktioniere. Denn er wolle ja auch, dass die schmucken Wagen ihre Tour durch die Ortschaften antreten können. So könne er das Gutachten guten Gewissens ausstellen. „Es ist auch zum Glück noch nie etwas schiefgelaufen“, sagt Felden.

Früher sei das anders gewesen. „Da hat jeder gemacht, was er wollte“, sagt Engels. Und so mancher Wagen musste umgebaut oder nachgerüstet werden. Heute hätten die Karnevalsgesellschaften teils höhere Standards als der TÜV selbst. „Viele Wagen haben einen besonders rutschfesten Boden, eine breite Treppe und sind sogar überdacht, so kann auch bei Regen keiner ausrutschen“, sagt er. Wichtig laut Merkblatt seien zudem sichere Stehflächen, Haltevorrichtungen, Geländer und Brüstungen. „Es wird ja auch gerne mal getrunken“, sagt Engels. Da sei schnell mal das Gleichgewicht verloren. Daher müssen die Brüstungen auch mindestens einen Meter hoch und Sitzbänke und Tische mit dem Wagen fest verankert sein.

Die Wagen der KG Adler Werth sind zudem mit einigen Besonderheiten ausgestattet. Auf dem größten Wagen kann man nämlich sogar grillen. „Wenn wir so viele Stunden unterwegs sind, dann haben wir eben auch schon mal Hunger“, sagt Armin Schmidt und lacht. Im nächsten Jahr soll der große Wagen allerdings umgebaut werden. Dann weicht die Burg einem anderen Motiv. Welches, werde noch nicht verraten. Aber, so viel sei verraten, sicher werde er allemal sein.
 

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