Stolberg - Türkische Geschäftsleute schließen sich im Verein „Side” zusammen

Türkische Geschäftsleute schließen sich im Verein „Side” zusammen

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. „Fettdonnerstag war hier doch gar nichts los! Früher war das noch ganz anders auf der Mühle. Da wurde überall in den Kneipen kräftig gefeiert. Aber die Mühle hat einen schlechten Ruf bekommen, dagegen müssen wir gemeinsam etwas machen”. Das sagt Ahmet Ekin, der stellvertretende Vorsitzende der „Side”.

Das ist der Verein der türkischen mittelständischen Betriebe in Stolberg. Vor einem Jahr haben sich die Mittelständler zu einem Verein zusammengeschlossen, eine Satzung erarbeitet und sich beim Amtsgericht als gemeinnütziger Verein eintragen lassen.

„Wir sind weder politisch orientiert noch haben wir eine religiöse Ausrichtung”, betont Recep Kindam: „Wir wollen eine Brücke zwischen den Geschäftsleuten sowie den Behörden und Institutionen sein”, sagt der Vorsitzende. Obwohl die türkischen Gewerbetreibenden guten Willens seien, gebe es immer wieder Missverständnisse oder auch Unkenntnis im Umgang mit den deutschen Behörden. Um sie zu vermeiden und zu überbrücken, bietet der Verein seine Hilfe und Beratung an. Inzwischen wurde ein eigenes Büro an der Eschweilerstraße eröffnet.

Acht Geschäftsfreunde hatten sich damals zusammen geschlossen. Inzwischen zählen über 20 Firmen zum Kreis der Mitglieder - mit wachsender Tendenz. „In Stolberg sind 64 türkische Geschäftsleute in 27 Branchen tätig”, bilanziert Generalsekretär Hasan Sahin. „Und das Interesse an Side wächst stetig”, sagt Schatzmeister Ahmet Yildiz. „Viele Anfragen kommen auch aus Aachen, Eschweiler und Alsdorf”. Aber die hat Side abgelehnt, denn „wir wollen uns um Stolberg kümmern”.

Und dieses Kümmern um die Kupferstadt geht längst weit über die türkischen Geschäftskreise hinaus. „Wir arbeiten mit der Gesellschaft für Stadtmarketing Hand in Hand zusammen”, unterstreicht Ekin, der die Side dort im Vorstand vertritt. Die Zusammenarbeit ist so gut, dass Mitglieder der Side Ende letzten Jahres kräftig mit anpackten, damit erste Teile der Kupferstädter Weihnachtsbeleuchtung rechtzeitig zum Fest umgerüstet werden konnten.

Arbeitsstelle und Geschäft

„Wir in Stolberg für Stolberg”, das ist der Slogan, dem Side folgt. Viele Mitglieder leben in der zweiten oder bereits dritten Generation in der Kupferstadt, die sie als Heimatstadt empfinden. „Die meisten von uns sind seit über 30 Jahren hier”, sagt Ahmet Ekin. Damals haben sie Arbeit gefunden in den großen Industriebetrieben an der Vicht, wo sie größtenteils weiterhin beschäftigt sind. Ihren Gewerbebetrieb - beispielsweise Export, Transport, Design, Supermarkt, Personalagentur oder auch Zaunbau - haben sie neben dem Beruf gemeinsam mit Verwandten und Freunden aufgebaut.

Über Geschäftsprobleme mit Behörden fand der Kreis zusammen, der sich an geschichtsträchtiger Stätte gründete: Im ältesten Gebäude der Kupferstadt, im Ritterzimmer des Burgkellers, wurde Side aus der Taufe gehoben. „Das Restaurant war damals noch geschlossen, und es war bitter kalt, aber wir haben diesen Ort bewusst gewählt, um unsere Verbundenheit zu Stolberg zu dokumentieren”, sagt Kindam.

Die 30 Euro Mitgliedsbeitrag pro Firma und Monat dienen zur Deckung der Kosten; beispielsweise des Büros an der Eschweilerstraße. Die Beratung für Geschäftsleute und Existenzgründer erfolgt ehrenamtlich. Geplant sind außerdem eine Ausbildungsoffensive für Jugendliche sowie eine Rabattaktion, bei der Mitgliedsgeschäfte Kunden mit Karte Preisnachlässe gewähren, berichtet Kindam.

Und wenn einmal ein Projekt gestemmt werden soll, legen die Side-Mitglieder einfach zusammen. „Unser Wandkalender ist so ganz kurzfristig realisiert worden”, berichtet Hasan Sahin. Immer größeren Raum nimmt derweil das Engagement um die Kupferstadt ein. „Wir bringen uns beim Leerstandsmanagement der SMS mit ein”, sagt Ahmet Ekin. „Es muss ja nicht überall ein Imbiss eröffnen”. Aber die Einkaufsstraßen der Innenstadt müssten dringend mit neuen Geschäften belebt werden. „Kaufland und Burgcenter allein werden den Steinweg nicht retten können”, unterstreicht Kindam.

„Es tat richtig in der Seele weh, als auf der Mühle die alt eingesessenen Geschäfte schlossen und fast alle Ladenlokale leer standen”, beteuert Ekin. Aber inzwischen stehen längst nicht mehr so viele Schaufenster leer und es gehe in Unterstolberg wieder aufwärts - auch wenn das Ziel noch nicht erreicht ist.

„Wir wollen, dass die Mühle und ganz Stolberg wieder ein gutes Image bekommen”, spricht Ekin es offen aus: „Die Mühle hat ihren Namen weg”. Und das passt den türkische Geschäftsleuten ebenso wenig wie den übrigen Stolbergern. „Wir wollen mithelfen, die Stadt wieder nach vorne zu bringen”, unterstreicht Kindam. „Wenn es Probleme gibt, muss man darüber reden, um sie zu lösen und sie nicht anderen in die Schuhe schieben”. Die Side setzt auf Information, Gemeinsamkeit und Handeln. „Immer nur zu motzen bringt uns nicht weiter”, sagt Ekin. „Wir wollen, dass es Stolberg besser geht.”

Handeln wird die Side auch im Rahmen der Stadtparty (18.-20. September), um die Brücke zur Bevölkerung auf breitere Pfeiler zu stellen. Mit einem großen „Basar der Kulturen” auf dem Jordansplatz will der Verein zu Integration und Verständigung in Stolberg beitragen. Der Termin fällt auf den letzten Tag des Ramadan, wo die Muslime das Iftar-Fest begehen - und alle zum Mitfeiern einladen.

Eine Selbstverständlichkeit ist es für die türkischen Geschäftsleute, sich auch bei den Veranstaltungen am 4.April einzubringen, zu denen Bürgermeister Ferdi Gatzweiler unter dem Motto „Gemeinsam auf die Straße für ein nazifreies Stolberg” aufgerufen hat. Unter anderem ist für den Abend eine vierstündige Live-Sendung aus der Stadthalle via Satellit in die weite Welt geplant; dort werden bekannte türkische Künstler auftreten.

Der Name Side ist abgeführt aus „Stolberg Isadamlari Dernegi”, was für „Stolberger Geschäftsleute e.V.” steht oder was anders formuliert „Verein der mittelständischen türkischen Betriebe in Stolberg e.V.” bedeutet. Vorsitzender der Side ist Recep Kindam, sein Stellvertreter Ahmet Ekin, die Arbeit des Generalsekretärs übernimmt Hasan Sahin, die des Schatzmeisters Ahmet Yildiz; als Beisitzer gehören Mehmet Ekin, Tacettin Demirtas und Ahmet Ali Akbas dem Vorstand an. Zu erreichen ist die „Side - Verein der Türkischen Mittelständigen Betriebe in Stolberg e.V.” in ihrem Büro Eschweilerstraße 4-6, Email hasan@sahin-tr.com oder info@side.instolberg.de oder per Fax unter 9978955.

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