Tuchproduktionsstätten: Münsterbachtals webende Ära

Von: Toni Dörflinger
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Nachlese: Professor Roland Fuchs (Mitte) sowie Wolfgang Hennig und Fatima Küsters (v. l.) vertiefen im Gespräch das Vortragsthema über die Tuchproduktionsstätten im Münsterbachtal. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Mit dem Blick auf das Tuchgewerbe im Münsterbachtal präsentierte der Mediziner und Lokalhistoriker Professor Roland Fuchs bereits den zweiten Teil der kleinen Vortragsreihe „Kleider machen Leute – Leute machen Kleider“.

Ähnlich wie beim ersten Vortrag, der sich mit dem Tuchgewerbe im Vichttal beschäftigt hatte, fand die Veranstaltung im Torburgmuseum am Luciaweg mit rund 40 Besuchern auch diesmal eine große Publikumsresonanz.

Fuchs hatte seinen Vortrag überaus spannend und aufschlussreich gestaltet. So machte er die Besucher im Rahmen einer Power-Point-Präsentation nicht nur mit den historischen Standorten des Tuchgewerbes im Münsterbachtal vertraut, sondern beleuchtete auch die sozialen Verhältnisse und den gesellschaftlichen Alltag der Menschen, die einst in der Tuchproduktion ihr Auskommen gefunden hatten.

Des Weiteren stellte Fuchs in Form von Bild und Text Produktionsmittel wie Schafswolle, Sisal, Hanf, Jute und Seide vor, die zu den Rohstoffen der historischen Tuchproduktion gehört hatten. Fuchs hatte seinen Vortrag gestartet, indem er mit der Komericher Mühle beginnend und der Hammmühle endend, die ehemaligen Standorte der Textilproduktion im Münsterbachtal vorstellte.

Dort hatte man nach dem Niedergang des Messinggewerbes in den einstigen Kupfermühlen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts ein florierendes Tuchgewerbe etabliert: Ein von Färbereien, Spinnereien und Webereien geprägtes Gewerbe, das unter anderem von den Tuchproduzenten Kutsch, Frohn, Nellessen, Meurer, Lingens und van Gülpen dominiert wurde.

Ob Obersteins-, Elger-, Busch, Bocks- oder Haumühle: Laut Fuchs waren sie alle von der Tuchproduktion betroffen und boten anhand der vorhandenen Bauten, Grundstücksflächen und wassertechnischen Anlagen hervorragende Bedingungen für die Ansiedlung eines umfangreichen und ausgedehnten Tuchgewerbes.

„Schließlich konnte man das Wasser des Münsterbaches für den Antrieb der Produktionsanlagen sowie dem Färben, Entfetten und Waschen der Wolle und Tuche gebrauchen. Demnach besaß das Münsterbachwasser eine hohe Qualität und war für die Produktionsprozesse förderlich“, versicherte der Experte, der seit 2008 auch das Museum Torburg und den dort ansässigen Förderverein leitet.

Seinen Vortrag beendete der Mediziner indem er ausführlich das in der historischen Nepomucenusmühle ansässige Unternehmen „Hueck Rheinische“ vorstellte. Denn dieser Betrieb stellt als einziger in Stolberg noch Gewebe her. Allerdings nicht aus Garn, sondern aus Messingdraht.

Dort werden nämlich Messingdrähte zu Presspolster verarbeitet, die man zum Beschichten und Laminieren von Holzartikeln benötigt. Einen Betrieb, der aus Garn Gewebe herstellte, hatte es zuletzt in der „Oberen Buschmühle“ gegeben. Dort hatte die „Buntweberei Hans Lorenz GmbH“ bis Ende der 1970er Jahre Tuche hergestellt. Kräftigen Applaus bekam am Ende der sachkundige Referent.

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