„Tschüss Ferdi” wird zum geflügelten Wort

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Uben am Wahlabend bereits das Ausspielen von ihrer Karten: Junge Politiker aus unterschiedlichen Parteien pokern im Ratssaal schon einmal um Sieg, Mehrheiten und Budgets.

Stolberg. Als der alte und neue Bürgermeister nachts gegen 2 Uhr die SPD-Wahlparty in der „Kiste” verließ, rief das kleine, aber gut gelaunte Häufchen, dass zu diesem Zeitpunkt noch übrig war, ihm einen Spruch hinterher, der vor der Wahl noch für Ärger bei den Genossen gesorgt hatte, im Laufe des Abends aber zum Vorlagengeber für einen Running Gag der SPD wurde: „Tschüss Ferdi” rief die ganze Gruppe, und wie schon im Rathaus legte auch diesmal einer nach: „Viel Spaß in der Bretagne!”

Dort, wo sich plakativ die Junge Union, aber offensichtlich nicht die Mehrheit der Wähler den Bürgermeister hin gewünscht hatte, zog es Gatzweiler natürlich nicht hin. Im Gegenteil, am Montagmorgen war der Bürgermeister wieder im Dienst.

Wunden lecken war bei der Stolberger CDU angesagt. Im „Piano” fragten sich die Christdemokraten, wie es dazu kommen konnte, dass man nicht nur die Bürgermeisterwahl so deutlich verlor, sondern auch den Status als stärkste Fraktion im Rat. Die CDU ist wieder zurückgefallen auf das Niveau von 1994, als man mit 36,4 Prozent letztmalig zweite Kraft hinter der SPD (damals 39,96 Prozent) war.

Vielleicht hat auch deshalb Tim Grüttemeier, der Partei- und Fraktionsvorsitzende der Stolberger CDU, schon am Wahlabend eine große Koalition ins Gespräch gebracht und gleich ein paar freundliche Worte an die Adresse der Sozialdemokraten geschickt: „Kompliment an die SPD, sie hat es besser als wir verstanden ihre Wähler an die Urne zu bringen und konnte im Vergleich zur Europawahl deutlich zulegen.”

Er kündigte an, auf die SPD zugehen zu wollen: „Wir sind gesprächsbereit”, signalisierte Grüttemeier, der im Falle einer Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Grünen aber auch die Rolle einer „konstruktiven Opposition” annehmen will.

Gespräche mit der Union werde es auch geben, verspricht der SPD-Fraktionsvorsitzende Dieter Wolf, der aber einen Tag nach erst einmal Gelassenheit demonstriert. Schließlich laufe die alte Legislaturperiode noch bis zum 26. Oktober, unter Zeitdruck wolle man weder sich selbst noch andere setzen, so Wolf. Erste Gesprächspartner blieben ohnehin die bisherigen - nach dem Ausscheiden der ABS aus dem Rat sind das die Grünen und die FDP. Mit beiden zusammen hätte die SPD eine komfortable Mehrheit von 24 Sitzen im 44-köpfigen Rat, hinzu kommt noch die Stimme des Bürgermeisters. Noch deutlicher würde ein rot-schwarzes Bündnis vorne liegen, CDU und SPD vereinen insgesamt 33 Sitze auf sich.

Ausgrenzen will der SPD-Fraktionsschef keine der demokratischen Parteien, ein rot-rot-grünes Bündnis hält er aber für unwahrscheinlich.
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