Trotz Hotspot noch nicht top beim Internet

Von: Lukas Franzen
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Ob Smartphone oder Tablet-PC: Auf dem Kaiserplatz hat der „Kupferstädter Hotspot“ den besten Empfang. Die Akzeptanz des offenen Internets muss sich dennoch verbessern – und auch der Service. Foto: L. Franzen
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Hinweise auf freies WLAN wie an dieser Bahn sucht man rund um den Kaiserplatz noch vergebens. „In Arbeit“, versichert die Stadt. Foto: J. Lange

Stolberg. Beim Startschuss für den kostenfreien Internetzugang rund um das Stolberger Rathaus machten sich die Initiatoren einen Kultspruch aus der Werbung zu eigen: „Bin ich schon drin?“ Seit einem Monat nun ist das offene WLAN auf dem Kaiserplatz installiert – und Stolberg ist immer noch „drin“. Doch wie weit reicht der „Kupferstädter Hotspot“ wirklich? Wie kommt das Angebot an? Das offene Netz auf dem Prüfstand.

Kostenlos surfen rund ums Rathaus mit einer Reichweite von bis zu 300 Metern, lautet das Versprechen der Stadt. Und tatsächlich hängt der Empfang, etwa mit einem internetfähigen Handy, stark davon ab, ob sich Nutzer vor oder hinter dem Verwaltungsgebäude befinden oder sich ihm vom Steinweg oder der Rathausstraße aus ­nä­hern. Der Test mit einem Smartphone ergab:

Wer von der Rathausstraße in Richtung Kaiserplatz unterwegs ist, kann sich bereits unmittelbar hinter der Abzweigung Steinfeldstraße ins städtische WLAN einloggen. Je geringer die Entfernung zum Kaiserplatz wird, desto stabiler (und schneller) das Netz. Vollen Empfang haben Nutzer dann auf dem Kaiserplatz und direkt vor dem Rathaus.

Hinter dem Brunnen lassen die Striche des WLAN-Netzes dann jedoch nach. Vor dem ehemaligen Goethe-Gymnasium an der Grünentalstraße ist man noch „drin“. Auf dem Parkplatz der früheren Schule kurz hinter der Schranke ist dann aber Schluss. Wer nun sein Glück entlang der Grüntalschule in Richtung Steinweg versucht, sollte ebenfalls nicht auf kostenfreies Internet hoffen. Kein Empfang. Dort, wo die Sonnentalstraße in den Steinweg mündet, auf Höhe der Bücherstube, kehrt das Netz wieder zurück. Hier gilt: Besseres Netz in Richtung Rathaus, kein Netz in Richtung Victor.

Und wie ist es um das offene Internet hinter dem Rathaus („An der Krone“) bestellt? Bereits an der Bundesagentur für Arbeit gleich neben dem Rathaus versagt das WLAN. Und wer hinter dem Rathaus auf den Bus oder die Bahn wartet oder den Parkplatz der Rathaus-Passage nutzt, profitiert ebenfalls nicht vom freien Netz.

Handhabung und Leistung

Großen Wert legte die Stadt beim Startschuss des neuen Angebots auf das Prinzip „ausprobieren und direkt nutzen“. Konnte sie diesem Anspruch gerecht werden? Zumindest der Test verlief unkompliziert und ohne Probleme. Einfach die WLAN-Funktion am Gerät aktivieren, das Netz „Kupferstaedter Hotspot“ wählen, Internetbrowser öffnen, Nutzungsbedingungen akzeptieren und schon surfen Nutzer bis zu 1,5 Stunden kostenlos. Ein weiteres Ergebnis der Stichprobe mit Handy, Laptop und Tablet-PC: Das neue Angebot reicht für alle wichtigen Aktivitäten im Internet aus: E-Mails lesen und versenden, Videos und Bilder anschauen. Auch Hochladen ist kein Problem.

Resonanz und Service

Während der Kupferstädter Weihnachtstage auf dem Kaiserplatz, als Besucher sogar vier statt 1,5 Stunden kostenlos surfen konnten, zählte die Stadt nach eigenen Angaben die bis dato meisten Zugriffe: circa 200 Nutzer am letzten Wochenende des Weihnachtsmarktes. Bei den Besuchern, Immobilieneigentümern und Einzelhändlern sei das offene WLAN auf positive Resonanz gestoßen, erklärt dazu Robert Walz, Sprecher der Stadt Stolberg.

Doch stimmt das wirklich? Und vor allem: Kommen Nutzer, die länger als 1,5 Stunden frei surfen wollen, problemlos an die Zugangsdaten des Hotspots, um die Nutzung zu verlängern, so wie die Stadt Stolberg es bei der Inbetriebnahme versprochen hat? Fragt man bei den Einzelhändlern rund um Rathaus und Kaiserplatz nach, bestätigt niemand der Geschäftsleute die Aussage der Stadt.

Von der Stadt sei nicht einmal jemand auf sie zugekommen, um ihnen die Aushändigung der Zugangsdaten an Kunden anzubieten, heißt es in der Bücherstube, der Metzgerei Croé und der Rathausapotheke. Und sogar im Café in der Rathaus-Passage erklärt Inhaber Pascal Zillmann, die Stadt habe zwar zugesagt, ihm die Zugangsdaten zur Verfügung zu stellen. Bisher sei aber noch nichts geschehen. Außerdem: „Bisher haben mich vielleicht zwei Kunden auf das WLAN angesprochen. Ich glaube, dass Stolberg größere Probleme hat als Internet.“

Was den Geschäftsleuten aktuell noch fehlt, ist sicherlich leicht beim Bürgerservice im Eingangsbereich des Rathauses zu bekommen, sollte man meinen. Doch wer dies etwa an einem Montag, 13 Uhr, probiert, sucht auch hier vergebens nach Zugangsdaten. Um 12.30 Uhr ist Schluss.

Hinweisschilder

Akzeptable Reichweite, stabiles Netz: Doch was bringt ein kostenloser Hotspot, wenn Menschen nichts davon wissen? Entsprechende Kennzeichnungen – Hinweisschilder oder Aufkleber –, wie an anderen öffentlichen Plätzen üblich, sind in der Innenstadt bisher Fehlanzeige. Ein Nachtteil, vor allem für Menschen, die Stolberg von außerhalb besuchen.

Entsprechende Hinweise seien in Vorbereitung, sagt Stadtsprecher Walz. Es seien bereits konkrete Gespräche geführt worden. „Ob etwa die Gastronomiebetriebe diese Hinweise dann aber auch aufhängen, ist natürlich die Entscheidung der Eigentümer.“ Was vermutlich das kleinste Problem sein dürfte, da alle befragten Gewerbetreibenden bei der Stichprobe ihr Interesse bekundeten.

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