Stolberg-Donnerberg - Trend zur Volltruppe: Bundeswehr im Wandel vor großen Aufgaben

Trend zur Volltruppe: Bundeswehr im Wandel vor großen Aufgaben

Von: ran
Letzte Aktualisierung:

Stolberg-Donnerberg. Es gleicht der Quadratur des Kreises: Die Bundeswehr befindet sich mitten in der komplexesten Reform ihrer Geschichte. Gleichzeitig ist die politische Weltlage besorgniserregend. Einige Stichworte lauten Islamischer Staat (IS), Syrien, Nordirak und Ostukraine, aber auch Ebola. Soll und muss Deutschland eine größere weltpolitische Verantwortung übernehmen?

Und falls ja, ist die Bundeswehr überhaupt in der Lage, weitere Aufgaben in unterschiedlichen Bereichen und Gebieten zu meistern? Fragen, derer sich Oberstleutnant André Wüstner, seit November 2013 Vorsitzender des Deutschen Bundeswehrverbandes, während seines Besuches einer Mitgliederversammlung der Aachener Kameradschaft Ehemaliger, Reservisten und Hinterbliebener im Deutschen Bundeswehrverband in der Donnerbergkaserne widmete.

„Welt ist aus den Fugen“

„Es grenzt fast schon an Wahnsinn, in welcher Geschwindigkeit sich die weltpolitische Lage verändert. Die Welt ist aus den Fugen geraten und die Politik hat momentan unter anderem in Sachen Putin, IS und Ebola noch keine Antworten“, eröffnete André Wüstner sein Referat mit deutlichen Worten. Leider habe diese Situation auch Auswirkungen auf die Bundeswehr, unter anderem bei der Vorbereitung auf den freiwilligen Einsatz in Westafrika zur Bekämpfung der Ebola-Seuche als auch bei der Ausbildung der kurdischen Peschmerga-Kämpfer. „Viele Experten sind der Meinung, dass der IS eine größere Bedrohung darstellt als die momentane Lage in der Ostukraine. Diese Verrückten sind sauber strukturiert und tragen ein ungeheures Gewaltpotenzial in sich. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Entwicklung noch größere Auswirkungen auf Europa hat, als dies derzeit der Fall ist“, so der Offizier.

Darüber hinaus habe Wladimir Putin erkannt, wie er dem Nato-Bündnis schaden und es destabilisieren könne. „Und die Nato ist auf Grund bestimmter Vorgaben kaum handlungsfähig“, stellte der 40-Jährige fest. Dies habe Gründe: „Die Europäer sind in der Vergangenheit den Weg hin zu Bonsai-Armeen gegangen.“ Langsam wachten die Verantwortlichen aber auf. So sei die Nato innerhalb von vier Monaten zu Grundsatzentscheidungen gekommen. Und auch im deutschen Parlament habe ein Paradigmenwechsel in Sachen Ausrüstungsbeschaffung stattgefunden.

„Der Trend geht wieder in Richtung Volltruppe. Die Bundesregierung hat erkannt, dass eine Bundeswehr mit Hohlstrukturen nicht funktioniert“, verdeutlichte André Wüstner. Denn: „Über die Aufgaben in Afghanistan, dem Kosovo und in Mali redet kaum noch jemand, doch sie bestehen weiter.“ Und dies während einer Reform, bei der die Führungs- und Basisstrukturen sowie Prozessabläufe verändert würden und die Abschaffung der Wehrpflicht nachwirke.

„Es gab Bereiche, in denen 60 Prozent des Nachwuchses aus der Wehrpflicht heraus rekrutiert werden konnten.“

Doch es gebe auch Hoffnung. Nach anfänglichen Problemen in der Kommunikation stünden nun regelmäßige Gespräche zwischen den Verantwortlichen des Bundeswehrverbandes und des Verteidigungsministeriums auf dem Programm. „

Richte sich die sogenannte „Attraktivitätsoffensive“ an die 18-­ Jäh­rigen, die noch gar nicht da seien, konzentriere sich die Arbeit des Bundeswehrverbands auf die Soldaten im System.

Mehr Verantwortung

Und diese seien weiterhin gefordert: „Deutschland wird mehr Verantwortung übernehmen müssen. Während des Nato-Gipfels in Wales im September wurden Versprechen gemacht, die einzulösen sind.“ Ziel müsse sein, eine wehrhafte Demokratie darzustellen, um Aufgaben innerhalb des Bündnisses wahrnehmen zu können. Um die Zukunft des Bundeswehrverbands sei es trotz der Verkleinerung der Armee nicht schlecht bestellt: „Mit Blick auf diese Verkleinerung müssten wir inzwischen schon auf unter 180000 Mitglieder geschrumpft sein. Tatsächlich liegen wir aber nach wie vor bei über 200000 Mitgliedern.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert