Stolberg - „Tradition und neuer Schwung” mit Torsten I.

„Tradition und neuer Schwung” mit Torsten I.

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Eingerahmt von Freundin Angelina Scheider und Goldprinz Horst Reidt sowie mitten in seinem Hofstaat: Prinz Torsten I. weiß sehr wohl zu feiern. Foto: Jürgen Lange

Stolberg. „Mit Tradition und neuem Schwung” schließen sich „karnevalistische Zeitkreisläufe”. Und derer gibt es viele, als Torsten I. (Graf) mit den Insignien der närrischen Macht in der Galerie der Stolberger Burg inthronisiert wird.

Mit neuem Schwung haucht Tollität der noch jungen Tradition eines Hofstaates in der Kupferstadt neues Leben ein: Die Jungs aus dem Gefolge sind quasi ein Abbild, geben markanten Punkten Stolbergs ein Gesicht. „Denn das schönste für mich ist meine Heimatstadt”, bekennt der 75. Narrenherrscher nach seiner Proklamation; und das will er mit Hilfe seines elfköpfigen Hofstaates auch bei seinen Aufritten vermitteln.

Da schließt sich ein Zeitkreislauf, dass TorstenI. Mitglied des Hofstaates seines Prinzenvater Michael II. (Bartz) war, und der in seinem Gefolge nun die Adjutantenrolle als Prinzengardist übernimmt. Da schließt sich eine weitere Zeitachse mit Blick auf die närrische Vergangenheit von Tollität, die Andreas Smyra - „Präsident in Lauerstellung” der Ersten Großen - vorstellt.

Denn es war just das Jahr 1986, als Tollität als Donnerberger Kinderprinz Torsten I. auf den Bühnen der Kupferstadt unterwegs war und dort mehrfach auf den heutigen Silber- wie auch den Goldprinzen der Gesellschaft traf: Mit Rolf II. (Meyer) übernahm er Fettdonnerstag die Rathausschlüssel, als Horst I. (Reidt) als Elferrat das Geschehen begleitete. Heute lobt Andreas Smyra den 78-Jährigen als den „aktivsten Inaktiven” der Traditionsgesellschaft.

Das weiß auch das närrische Auditorium zu würdigen, dankt es doch Reidt mit Ovationen. Der hat vor lauter Rührung Tränen in den Augen stehen, als er seinem prinzlichen Enkel beste Ratschläge für seine Regentschaft mit auf den Weg gibt, um dann mit einem Blick auf Prinzessin Angelina (Schneider) zu schmunzeln: „Aber der Streit ist sowieso vorprogrammiert”. Gemildert wird er gleich im Vorfeld, in dem der Goldprinz seinem Nachfahren seinen letzten Prinzenorden aus dem Jahre 1961 ansteckt.

Doch ganz im Sinne der Tradition beginnt der Abend mit einem Klopfen des Stadtkommandaten. „Empfangen wir den ehrenhaften Bürger Torsten Graf”, leitet Dr. Rüdiger Fröschen den närrischen Staatsakt ein. Und bei dem steht - ebenfalls ganz in der karnevalistischen Tradition neben den Jubelprinzen die Vorjahres-Tollität zunächst im Vordergrund. Und die hat ihre Sache nun wirklich prächtig gemacht. Das sollen nicht nur mehrere Redner an dem Abend herausstellen, sondern der Präsident i.L. ist sich auch sicher, dass „das sein Glücksgefühl unmittelbar übergegangen ist” an seinen Nachfolger.

Doch Michael II. erinnert erst einmal an seine Nervosität, als er vor einem Jahr auf diesem „harten Ohne-Kissen-Stuhl” Platz nimmt. Weil er auch heute eine trockene Kehle wie damals habe, macht der Prinenvater es kurz - und ist damit ein Vorbild bei der wohl schnellsten Proklamation, denn deutlich vor dem offiziellen Zeitplan wartete im Rittersaal schon das kühl gezapte Bier.

Doch zunächst stimmen die „Altstadtmusikanten” mit - natürlich - traditionellen Stolberger Liedchen ein auf den Höhepunkt des Abends. „Scheve Frank”, „Rheinländer”, „Paraplü” und spätestens beim „Vogelsänger” steht auch der letzte Jeck schunkelnd und singend in der Galerie.

Und während Tollität immer nervöser auf dem Thron hin- und herrutscht stellt Moderator Andreas Smyra erst einmal seinen Prinzenorden vor: Den ziert natürlich das Stolberger Wappen als Zeichen dafür, daß Torsten „ne Stolberger Jong” ist, einen Gardisten in Kupfer und Messing sowie einen Fußball als Kopf mit Knopfaugen und Lachmund, denn Torsten spielt aktiv in der Altherrenmannschaft in Breinigerberg und ist Fan von Alemannia Aachen und Bayern München.

Auf dem Kopf trägt Torsten den Gardedreispitz zum Zeichen seiner Mitgliedschaft in der KG De Wenkbülle seit 1984. Dort ist er nicht nur zwei Jahre später Kinderprinz, sondern tanzt auch als Gardepaar mit Rebekka Nellißen und in der Showtanzgruppe, wo er seine Frendin Angelina kennenlernt. Deswegen ist im Orden das Tanzpaar als Herz des stilisierten Gardisten angeordnet; nicht fehlen dürfen natürlich Sendemast und Windbeutel als Zeichen der prinzlichen Herkunft.

Mit der wird es jetzt langsam ernst, als die Ex-Tollität die Prinzenmütze aufsetzen und der Bürgermeister das Zepter überreichen darf. Klar, dass Ferdi Gatzweiler dabei auch die Frei-Parkscheine für das prinzliche Gefährt in der Tasche hat und sich schon ausgesprochen auf Fettdonnerstag freut: „Der Mann muss Prinz werden, der packt Neuerungen an”.

Denn revolutionär in Stolberg ist bereits, dass der Rosenmontagszug „de Veet eropp” marschiert. Nun ist der Bürgermeister froh, dass auch der Sturm auf die Macht dieser Richtung in die Altstadt folgt. „Ich bin begeistert”, sagt der Bürgermeister. Ab sofort regiert er von der Bühne in Marita´s Kneipe „Savoy” am Alter Markt, um dort auf seine Entmachtung an Fettdonnerstag zu warten - zwischen „Bewahrern und Bewegern”.

Mit dem Anlegen des Umhangs und dem Anstecken der Federn durch den Präsidenten wird der gelungene Staatsakt perfekt mit der Verlesung der Proklamationsurkunde durch Heinz Kaesmacher, in der der Protocollarius das Stolberger Zeitgeschehen mit spitzer Feder beleuchtet. Dann dürfen Honoratioren undTollität paraphrieren, und endlich - nach eineinhalb Stunden hat Tollität das erste Wort. „Jetz bin ich Prinz!” freut sich TorstenI. über den Staatsakt in „unserer wundervollen Burg, sie ist unser Wahrzeichen und ein Prinz gehört hier her”.

Neuen Schwung, aber nicht auf Kosten der Tradition verspricht Tollität seinen Untertanen in einer fröhlichen Session, in der er Feiern, Tanzen, Singen und mit seinem Hofstaat die Vaterstadt repräsentieren will. Und dazu gehört wie selbstverständlich auch das Prinzenlied „Mit Tradition und neuem Schwung”. So feiert das Auditorium auch den 75. Narreherrscher in der Kupferstadt, bevor der Abend langsam im Rittersaal und später - ebenfalls ganz traditionell - im „Postwagen” für den frisch Gekürten ausklingt.
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