Tourismuskonzept: Burg, Natur und Industrie als Lockmittel

Von: Sarah-Lena Gombert
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Viel Natur, viel Industriekultur und natürlich die Burg: Mit diesen Pfründen will die Stadt Stolberg verstärkt im Tourismusbereich punkten. In der kommenden Woche soll das neue Konzept im Ausschuss vorgestellt und diskutiert werden. Foto: S.-L. Gombert
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Gretchenfrage: Wie hält die Stadt es mit den Stollen unter der Burg? Auch sie sollen nach Möglichkeit geöffnet werden. Foto: J. Lange

Stolberg. E-Bike-Fahrer, kulturell Interessierte und Extremsportler: Das sind die Zielgruppen, die die Stadt Stolberg mit ihrem neuen Tourismuskonzept ins Visier nehmen möchte. Mit speziellen Routen für Pedelecs, einer besser erlebbaren Burg und mit einem besonderen Sport-Event will man verstärkt Gäste in die Stadt locken.

Am Mittwoch wird sich der Ausschuss für Kultur und Tourismus mit dem Konzept beschäftigen, das von der Verwaltung und der Agentur „Power und Radach“ aus Aachen vorgestellt wird. „Auf drei Projekte wollen wir uns bei unserem Konzept vornehmlich konzentrieren“, sagte Stolbergs Erster Beigeordneter, Robert Voigtsberger, kürzlich bei der Jahrespressekonferenz im Stolberger Rathaus, und nannte hierzu drei Arbeitstitel: „Stolbike“, „Stolburg“ und „Stolrun“.

Hinter dem Schlagwort „Stolbike“ verbirgt sich eine Route speziell für E-Bike-Fahrer, die markante Orte in der Stadt miteinander verbinden soll. Elektroräder sind ganz einfach deswegen interessant, weil Stolberg eben ganz schön bergig ist. An bis zu vier Stationen sollen Radfahrer einerseits die Stadt erkunden, aber auch ihre Räder aufladen können.

„Die Stationen sollen möbliert sein, die nötige Ladeinfrastruktur vorhalten und Aufenthaltsqualität bieten“, erklärt der Dezernent. Neben dem Zinkhütter Hof als möglichem Ausgangspunkt sollen natürlich die Burg und das Torburgmuseum auf der Route liegen. Weitere Punkte könnten die Radtouristen in Richtung Zweifall führen. Denkbar wäre darüber hinaus auch eine engere Verknüpfung mit Radwegen in Roetgen, Hürtgenwald oder Aachen.

Punkt zwei auf der Liste der Tourismus-Experten ist „Stolburg“. Rund um das imposante Gemäuer hat sich in den vergangenen Jahren bereits einiges getan, nicht zuletzt durch die vielen Aktivitäten des Fördervereins des Heimat- und Handwerksmuseums. So finden am „Türöffnertag“ der Sendung mit der Maus Jahr für Jahr Hunderte Familien den Weg ins Museum und lernen dort eine Menge über Stolberg und seine Geschichte.

Auch Stolbergs Stadtarchivar Christian Altena, der sich während seines Studiums wissenschaftlich mit der Burg beschäftigt hat, hat das Wahrzeichen durch neue Informationstafeln für Touristen, einen Burgführer und durch Konzepte für Burgführungen aus dem Dornröschenschlaf geweckt.

Hierauf will die Stadt aufbauen: Angedacht ist, über die historische Figur des Stolberger Fabrikanten Moritz Kraus die Burg enger mit dem Thema „Wiege der Industrie“ zu verzahnen. Dass das auf der Hand liege, zeige bereits jetzt der große Fundus des Torburgmuseums, so Voigtsberger. Um die Stadtgeschichte zeitgemäß vermitteln zu können, soll mehr Wert auf Interaktivität gelegt werden: selbst schmieden, beispielsweise, oder eine Multimedia-Installation zum Mitmachen.

Die Gretchenfrage rund um die Burg dürfte wohl sein: Wie halten sie‘s mit den Stollen? „Wir wissen spätestens seit dem Tag des offenen Denkmals vor ein paar Jahren, dass viele Bürger sich die Öffnung der Burgstollen wünschen“, sagte Robert Voigtsberger. Und man sei auch bemüht, diesem Wunsch nachzukommen. Doch das sei nicht ganz unproblematisch, weil die unterirdischen Gänge vielen Fledermäusen als Quartier dienen. „Dennoch wollen wir versuchen, eine zeitnahe und auch für die Fledermäuse verträgliche Nutzung der Stollen zu realisieren“, erklärte Voigtsberger.

Aller guten Dinge sind drei: Neben den E-Bikern und Burg-Fans will die Stadt mit „Stolrun“ künftig sowohl Breiten- als auch Extremsportler nach Stolberg locken: Grundlagen für eine entsprechende Großveranstaltung mit Eventcharakter liegen quasi seit den 90er Jahren in der Schublade: „Copperman‘s Hell – die Hölle von Stolberg“ wurde 1996 im Rahmen des Stadtfestes organisiert. „Diese Mischung aus Ausdauer- und Hindernislauf ist im Moment sehr gefragt“, erklärt Robert Voigtsberger. Solch ein Event mit entsprechendem Rahmenprogramm, zum Beispiel einem Streetfood-Festival, ließe sich weit über die Stadtgrenzen hinaus vermarkten.

Grundsätzlich will die Stadt auch versuchen, Hotel- und Gaststättenbetreiber mehr in die touristische Planung einzubinden. Wie wäre es zum Beispiel mit Dinner-Events in Industrieruinen?

Erarbeitet wurden die Ideen, mit denen das Tourismuskonzept aus dem Jahre 2007 fortgeschrieben werden soll, in einem langwierigen Beteiligungsprozess. Los ging es damals mit einem „World Café“ im Zinkhütter Hof, darauf folgten diverse Workshops und Arbeitsgruppen. Ob sich die Arbeit gelohnt hat, darüber diskutiert der Ausschuss am Mittwoch ab 18 Uhr im großen Saal des Rathauses.

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