Tourismuskonzept: Attraktive Angebote für Bürger und Touristen

Von: Sonja Essers
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Stolberg muss für Bürger und Touristen attraktiver werden, meint der Beigeordnete Robert Voigtsberger. Das Tourismuskonzept 2020 sieht vor, den Offermannplatz und die Burg aufzuwerten. Foto: Sonja Essers

Stolberg. Die Stadt soll attraktiver werden. Dieses Ziel hat sich der Erste Beigeordnete Robert Voigtsberger gesetzt. Nicht nur die Stolberger, sondern auch Touristen von Nah und Fern sollen künftig ein noch attraktiveres Angebot in der Stadt vorfinden.

Ein erster Schritt ist bereits getan: Die Verwaltung beauftragte eine Agentur mit der Erarbeitung eines Burgkonzepts, das dem Ausschuss für Schule, Kultur, Sport und Tourismus (ASKST) in seiner Sitzung am kommenden Mittwoch präsentiert werden soll. Im Interview erklärt Voigtsberger, wie das Tourismuskonzept der Stadt aussieht und verrät, welche Bedeutung die Stolberger Burg für ihn hat.

Herr Voigtsberger, welche Bedeutung hat die Stolberger Burg für Sie persönlich? Welche Erlebnisse verbinden Sie mit ihr?

Voigtsberger: Ich bin ja mittlerweile nach Stolberg migriert (lacht). Seit Ende des vorigen Jahres wohne ich in Stolberg, davor habe ich in Aachen gelebt. Die Burg ist auch für mich persönlich das Wahrzeichen dieser Stadt. Ich glaube, dass sie eine große Bedeutung für die Stadt und auch für die Menschen hat, die hier leben.

Inwiefern?

Voigtsberger: Sie ist ein Identifikationsort für die Stolbergerinnen und Stolberger. Ich glaube, dass der Stolberger Unternehmer Moritz Kraus das schon im Jahr 1909 erkannt hat, als er den Stolbergern die Burg als unverkäufliches Erbe geschenkt hat. Auch als ich noch in Aachen wohnte, habe ich die Burg als sichtbares Wahrzeichen der Kupferstadt wahrgenommen, hatte sie als Ausflugsmagnet aber nicht wirklich im Fokus. Ich denke, dass wir genau an dieser Stelle gemeinsam ansetzen müssen.

Wir würden die Burg gerne auch über die Grenzen Stolbergs hinweg noch bekannter machen. Sie ist bereits ein gut genutzter Veranstaltungsort und auch für Hochzeiten sehr beliebt. Auch im Rahmen des bürgerorientierten Beteiligungsprozesses zur Fortschreibung des Tourismuskonzepts kam immer wieder der Wunsch auf, die Burg zu beleben und diesem Wunsch wollen wir im Rahmen des Burgkonzepts auch nachkommen.

Warum ist das touristische Potenzial, das die Stolberger Burg bietet, bisher denn noch nicht ausgeschöpft worden?

Voigtsberger: Es gibt bereits unheimlich viele Menschen und Institutionen, die sich bereits eindrucksvoll um die Burg kümmern. Sie haben diese Burg eigentlich schon zum Leben erweckt. Das sollte man nicht vergessen. Ihre Arbeit ist die Grundlage für alles, was wir in Zukunft planen. Teilweise fehlte bisher jedoch der kupferrote Faden, der das bereits Vorhandene mit dem Neuen verknüpft. Das heißt konkret: Es muss eine konzeptionelle Aufstellung erfolgen. Darüber hinaus spielt die Finanzierung natürlich auch eine große Rolle. Das ganze Projekt ist nicht ohne entsprechende Fördermittel zu realisieren.

Welche Kosten würden dadurch für die Stadt entstehen?

Voigtsberger: Das Burgkonzept wurde im Rahmen einer Machbarkeitsstudie angefertigt. Momentan rechnen wir mit rund 1,15 Millionen Euro, mit denen die Maßnahmen aus dem Burgkonzept finanziert werden sollen. Das ist natürlich eine große Summe. Deshalb hoffen wir, dass wir die Möglichkeit haben, dies durch entsprechende Fördergelder mitzufinanzieren.

Was sind die zentralen Themen des Tourismuskonzepts 2020?

Voigtsberger: Insgesamt sind im Rahmen des Tourismuskonzepts 15 Schwerpunktthemen in den Bereichen Burg, Industrie und Natur erarbeitet worden. Unser Ansatz: Wir wollen die Projekte für Touristen und für die Bürger zeitnah umsetzen. In seiner vorigen Sitzung hat der Ausschuss für Schule, Kultur, Sport und Tourismus (ASKST) eine Prioritätenfestlegung veranlasst. Aktuell bearbeitet und umgesetzt werden die Projekte: Stolbike, Stolrun und Stolburg. Darin geht es um den Radtourismus, die Burg und ein Sportevent.

Stichwort Radtourismus: Wie will sich die Kupferstadt diesbezüglich in Zukunft aufstellen?

Voigtsberger: Ein erster Schritt ist bereits im vergangenen Jahr erfolgt. Im Rahmen eines radtouristischen Projekts der Städteregion Aachen hat sich Stolberg eingebracht: der Offermannplatz soll radtouristisch zum Leben erweckt werden.

Dieser Platz findet touristisch nur wenig Beachtung, obwohl er einer der schönsten Plätze ist, den Stolberg zu bieten hat. Stolbike ist ein Projekt, das sich auch ausgiebig dem Radtourismus widmet. In diesem Rahmen soll eine Radrundstrecke für E-Bikes entstehen, die die Fahrer durch alle Ortsteile führt. Die Strecke soll am Museum Zinkhütter Hof starten. Von dort aus kann man sich durch Stolberg bewegen und zwischendurch an verschiedenen Punkten verweilen und die Umgebung genießen.

Die Agentur „Zeitkontext“ wurde von der Verwaltung mit der Erarbeitung eines Burgkonzepts beauftragt. Welches Ziel sollte damit erreicht werden und wie sehen die Ergebnisse aus?

Voigtsberger: Das Ziel des Burgkonzepts ist ein ganz praktisches: Das Potenzial der Stolberger Burg muss weiter ausgebaut werden, damit sie ein touristischer Schwerpunkt in unserer Stadt wird – auch für die Stolberger Bürger. In der Burg soll es eine Außenstelle der Stolberg-Touristik geben, womit auch die Öffnungszeiten des Museums dann ausgebaut werden könnten. Wichtig ist in dabei auch der Einsatz von neuen Medien, um die Burg erlebbarer zu machen.

Welche Medien sollen das sein?

Voigtsberger: Das können Audioguides oder Informationssäulen sein, aber auch Führungen mit dem Tablet in Verbindung mit einer App, die die Burg auf verschiedene Weisen erlebbar macht. Damit könnte man zum Beispiel auch unterschiedliche Themen wie die Baugeschichte, das Mittelalter oder ein Märchenland für Kinder darstellen.

Wir haben auch vor einen kleinen Kinderspielplatz, der dem Thema Ritter und Burgen gewidmet ist, zu bauen. Dort wird man nicht unbedingt die klassische Rutsche finden. Vielmehr soll es darum gehen, dass die Kinder selbst in Aktion treten. Ein Spielplatz mit Erlebnischarakter sozusagen. Im Rahmen der Reihe „zwölf Monate, zwölf Ideen“ ist dieses Konzept in Teilen vorgeschlagen worden. Auf diese Weise wollen wir die Menschen nicht nur zum Besuch, sondern auch zum Verweilen einladen.

Wie sehen die weiteren Planungen für das Außengelände, das Burginnere und das Museum aus?

Voigtsberger: Auf dem Außengelände soll ein Rundweg mit verschiedenen Stationen entstehen. Im Inneren soll es die Möglichkeit geben, bisher wenig genutzte Räume und auch die dritte Turmebene zu öffnen. Von dort oben aus hat man einen wunderbaren Blick und sieht Stolberg aus einer ganz anderen Perspektive.

Thema Öffnung der Burgstollen: Wie ist da der Stand der Dinge?

Voigtsberger: Das von der zuständigen Genehmigungsbehörde geforderte Gutachten über das eventuelle Vorhandensein von Fledermäusen liegt uns mittlerweile vor. Wir haben nun Gewissheit, dass in den Stollen Fledermäuse leben. Momentan sind wir im Gespräch mit der Unteren Naturschutzbehörde der Städteregion. Wir sind aber optimistisch, dass wir zu einer gemeinsamen Lösung kommen werden.

Der Vorstand des Museums in der Torburg und die Burggastronomin wurden bereits über die Planungen der Verwaltung informiert. Wie waren ihre Reaktionen?

Voigtsberger: Mit dem Burgkonzept wird der Standort aufgewertet und die Aufenthaltsqualität wird gesteigert. Sowohl der Vorstand des Museums in der Torburg, als auch die Burggastronomin Monika Lück haben das Konzept positiv aufgenommen und es als gute Chance für die Fortentwicklung der Burg gesehen. Uns ist es wichtig, dass die Beteiligten vor Ort von Beginn an involviert sind und mitarbeiten wollen.

Bis wann soll das Konzept umgesetzt werden?

Voigtsberger: Wir hoffen, dass wir im Herbst den Förderantrag bei der Bezirksregierung Köln auf den Weg bringen können. Danach wird es mindestens noch zwei Jahre dauern, bis die Maßnahmen abgeschlossen sind. Es wird aber Zwischenschritte geben, die die Burg schon vor der Fertigstellung bereichern werden.

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