Aachen/Stolberg - Totschlag-Prozess: Gutachten des Rechtsmediziners liegt vor

Totschlag-Prozess: Gutachten des Rechtsmediziners liegt vor

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Stolberg. Das Gutachten des Rechtsmediziner Kamphausen ist vernichtend für den wegen Totschlags an seiner Ehefrau angeklagten Oskar A.

Das bislang Unfassbare, das die Staatsanwaltschaft in dem Verfahren wegen Totschlags an seiner Ehefrau dem 74-jährigen Pensionär Oskar A. aus Stolberg vorwirft, scheint sich zu bestätigen und nimmt seit Donnerstag deutliche Konturen an.

Rechtsmediziner Dr. Thomas Kamphausen (40), der für seine anschaulichen Live-Vorträge im Gerichtssaal bekannt ist, hatte die Mühe nicht gescheut, ein komplettes Skelett mit in den Schwurgerichtssaal zu verbringen, ein Skelett, an dem er dem Aachener Schwurgericht die tödlichen Verletzungen von Erika A. veranschaulichen wollte.

„Wir waren bei Beginn der Obduktion in Köln auf so etwas gar nicht vorbereitet“, beschrieb Kamphausen das eigene Erstaunen, was die Ergebnisse der Obduktion der 77-jährigen Toten vom 26. Januar dieses Jahres aus der Stolberger Rathausstraße angeht, woraufhin umgehend eine Anklage wegen eines Tötungsdeliktes gegen den ehemaligen Amtmann der Stadt Stolberg verfasst wurde.

Um es kurz zu machen: „An der rechten hinteren Seite des Leichnams waren zwölf Rippen einfach abgerissen, an der anderen Seite waren es acht Rippen, vorne war das Brustbein knapp unter dem Hals durchtrennt“, schilderte er die unglaublichen Verletzungen der Frau, der Brustkorb sein in einem Maße zerquetscht worden, „wie man es typischerweise findet, wenn Menschen von einem Lkw überrollt werden. Oder bei einem Unfall schwerstens eingeklemmt werden“, versuchte der Gutachter deutlich zu machen, was mit dem Thorax, so der Fachbegriff für den Brustkorb, der 77-Jährigen geschehen war.

Die Kompression sei so stark gewesen, dass die Fähigkeit von Erika A. zu atmen abrupt bis quasi auf null eingeschränkt wurde. „Sie erstickte langsam und verstarb zu dem an dem inneren Blutverlust“, beschrieb der Rechtsmediziner den qualvollen Tod. Der Angeklagte hatte in seiner Einlassung ruhig und gelassen angegeben, er habe seine Frau nach einem unglücklichen Treppensturz auf der Leiter zum Spitzdach des Nachts aufgefunden. Sie habe eine Wunde am Kopf gehabt, er habe sie dann noch mit ihrer Hilfe ins Bett gebracht, wo sie später wieder unbemerkt von ihm herausgefallen und verstorben sei. „Das kann nach unseren Erkenntnissen so nicht gewesen sein“, zerstörte der Mediziner in der Totenstille des Gerichtssaals –die Zuschauer, zumeist aus Stolberg, hörten gebannt zu – die angebliche Unglücksversion des Angeklagten. Denn selbst bei einem Sturz aus einem Hochhaus sei es keinesfalls möglich, dass der gefallene Körper nach dem Aufprall solch ein Verletzungsbild aufweise, stellte Kamphausen entschlossen fest.

Aber was dann? Das Bild der hinteren gebrochenen Rippen lasse nur den Schluss zu, dass „die Brüche auf einem harten Widerlager und durch massive Krafteinwirkung von oben entstanden seien, berichtete der Arzt. Damit man das besser verstehe, legte er das Skelett auf den Steinfußboden des Saals und kniete sich auf den Skelett-Brustkorb, sah dann zum Vorsitzenden Richter Roland Klösgen: „Der Angeklagte wag damals 91 Kilogramm, das reicht völlig aus, um die Knochen zu brechen“.

Hinzu kommen Blutergüsse auf dem Kopf des Opfers, die von Schlägen mit der runden Stange der Speicherluke herrühren können oder durch bloße Faustschläge zugefügt wurden. Die erhebliche Promillezahl der alkoholkranken Erika A. trug ein Übriges zu ihrer Wehrlosigkeit bei, schloss der Gutachter. Oskar A. sagte nichts während des Vortrages, saß wie versteinert im Rollstuhl. Der Prozess vor dem Aachener Schwurgericht wird am 25. Juli fortgesetzt.

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