Torburg wächst zu einem Museum der Herzen

Von: Christoph Hahn
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„Kumpel“ Paul Zysk liebt und lebt sein Stolberger Torburg-Museum: Mit einer kleinen Präsentation warb der Teilnehmer an der historischen Kaffeetafel im Inneren des historischen Gemäuers für die Schätze des Hauses. Foto: C. Hahn
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Fröhliche Truppe: Die Teilnehmer der Gesprächsrunde zum 30-jährigen Bestehen des Stolberger Torburg-Museums. Foto: C. Hahn

Stolberg. Es ist ein Stück von ihnen, und wenn sie zu erzählen beginnen, hört der breite Strom der Geschichten so bald nicht mehr auf: Rund 20 Frauen und Männer, die vor 30 Jahren das Torburg-Museum auf den Weg ins Heute gebracht haben, versammelten sich in dessen guter Stube zur Kaffeetafel.

Eingeladen hatte der Vorsitzende des Vereins, dessen Mitglieder das facettenreich bestückte Heimatmuseum tragen, Professor Dr. Roland Fuchs. Fuchs‘ Vorgänger Ulrich Glasneck würdigte nicht nur die Sammlungsstücke, sondern auch die sozial integrierende Funktion der Torburg: „Viele, die von außerhalb kamen, haben sich hier engagiert.“ Noch grundsätzlicher ordnete Klaus Schleicher die Einrichtung der lokalen Geschichts- und Kulturpflege ein: „Wir sind eigentlich mit all diesen Sachen ein Heimat- und Handwerksmuseum“, meinte der Spross einer der traditionsreichsten Stolberger Familien.

Derweil wurde es Roland Fuchs ganz warm ums Herz – und der Mediziner, lange als Krebsspezialist am Bethlehem-Krankenhaus tätig, gab eine sehr gefühlsgeladene Einschätzung der Torburg zu Protokoll: „Man könnte sie auch ein Museum der Herzen nennen.“

Denn wo heute Exponate aus der Schule, der Glasherstellung und anderen Zweigen der Indus­trie die Besucher fesseln, finden immer wieder auch Lebensgeschichten zusammen. Norbert Wal­ter Peters, Komponist und als Künstler Gratwanderer zwischen Bild und Klang, hat zum Beispiel über seinen Kontakt zu Ulrich Glasneck in die Torburg gefunden und – wie er zwischen Kaffee und Kuchen verriet – gleich den Museumsführer mit verfasst. Aber seine Beziehung erschließt sich nicht nur über seine Mitarbeit, sondern auch über die Geschichte der Familie Peters, Glasmacher, die ihre Fertigkeiten sogar in die USA exportiert haben.

Friedrich Holtz kam über seine Leidenschaft für das Sammeln von Mineralien dazu: Mit seinem Freund Matthias Vroomen stellte er seine Schätze aus und gehörte von Stund‘ an dazu.

Paul Zysk aus Dürwiß, ein Sammler von Zeugnisse der Wirtschafts- und Technikgeschichte, sorgte mit seinen Schätzen für eine solide Dokumentation unter anderem der Geschichte der Seifenherstellung. Noch immer steuert er aus seinem Fundus Schätze bei – und präsentierte eine Auswahl vor Beginn der Kaffeetafel am Eingang des Hauses.

Lebens- und Museumsgeschichte verbinden sich ebenfalls bei Peter Metzger: „Ich war immer mit der Stolberger Geschichte“, bekundete das praktizierende Mitglied der Kolpingfamilie und setzte hinzu: „Später kam die Brauereigeschichte hinzu.“

Reiner Nießen, auch er ein Mann der ersten Stunde, hat die Gründung als Sachkundiger Bürger im Kulturausschuss begleitet und wurde so auch zu einem der Aktiven im Trägerverein: „Bei Ihnen im Wohnzimmer haben wir den Verein gegründet“, sagte er zu Ulrich Glasneck. Auch bei Reinhard Hauschild sind die Erinnerung an die Zeit vor 30 Jahren noch so frisch, als wäre es erst gestern gewesen: „Ich bin zum Verein gekommen, als die Räume hergerichtet wurden“, weiß der gelernte Tischler noch wie heute. Dass er dann noch selbst mit Hand angelegt, war für ihn Ehrensache.

Als Beigeordneter der Kupferstadt war Eckhard Creutz mit dabei – und das eigenem Bekunden nach gerne: „Man soll die Vaterschaft zu wohlgeratenen Kindern nicht leug­nen“, umschrieb der nachmalige Dürener Stadtdirektor seine Rolle. „Hier waren die Sachen schon eingestielt“, spielte er seiner Rolle in der Torburg herunter, um dann zum Zinkhütter Hof überzuschwenken: „Ich sehe mich mehr als Gründungsvater dieses Museums.“ Nur zu gerne hatte der studierte Jurist die Einladung zur Kaffeetafel angenommen. Der Grund lag für ihn auf der Hand: „Ich bin jetzt schon 23 Jahre aus Stolberg weg und lange nicht mehr hier gewesen.“

Aus der Torburg etwas mitgenommen hat im Übrigen jeder der Teilnehmer an dieser Gesprächsrunde – und dabei geht es nicht nur um die ausgetauschten Erinnerungen. Roland Fuchs gab jedem Gast eine Tasche mit Geschenken mit. Der Inhalt: verschiedene Publikation, aber auch – je nach Gusto – „Vogelsänger“-Schnaps oder hausgemachten Kaffee-Sahne-Likör. Denn auch die Liebe zu Heimat und Kultur geht manchmal durch den Magen.

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