Stolberg - Torburg: Einzigartiges Museum auf fünf Etagen

Torburg: Einzigartiges Museum auf fünf Etagen

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
12701096.jpg
Roland Fuchs lädt ins Torburgmuseum ein. Über dem Eingang hängt der einst längste geschmiedete Nagel der Welt. Foto: D. Müller
12701099.jpg
Roland Fuchs, Vorsitzender des Fördervereins, zeigt die Funktionsweise der historischen Drückbank.
12701101.jpg
Eine lebensgroße Puppe demonstriert die früheren Arbeitsbedingungen eines Hauers im engen Flöz.
12701098.jpg
„Schuster, bleib bei deinen Leisten“, heißt es unter dem Dach des Museums in der Torburg.

Stolberg. Den Eingangsraum, in dem an den Kupferstädter Weihnachtstagen Seife gepresst wird, kennen sehr viele Stolberger, die einen Blick auf „Omas Küchengeräte“ und mehr geworfen haben.

Auch in der gemütlichen Kaffeestube mit mehr als 150 Kaffeemühlen und dem großen historischen Probat-Röster aus dem Jahr 1920, der bis heute in Betrieb ist, haben schon zahlreiche Kupferstädter köstlichen Kuchen genossen. Doch das Museum in der Torburg hat noch viel mehr zu bieten.

Insgesamt elf Räume auf fünf Etagen locken mit einer Fülle von Exponaten und allerlei Wissenswertem über die Geschichte der Kupferstadt und der Region. Und mit besonderem Charme, denn die Torburg ist quasi ein „Museum im Museum“, da die pittoresken Themenräume sich authentisch in das historische Gemäuer am Luciaweg einfügen. Dabei erbringt das Heimat- und Handwerksmuseum vielfach den Beweis, dass auch auf kleinem Raum große Mengen von geschichtlich wertvollen Ausstellungsstücken Platz finden können.

Geburt des Museums 1983

Entstanden sei das Torburgmuseum sowohl dank enormem Enthusiasmus der Beteiligten, als auch durch Zufall, berichtet Roland Fuchs, Vorsitzender des Fördervereins des Museums. „Der Vorläufer des heutigen Museums befand sich in zwei ehemaligen Klassenräumen des Kupferhofs Schart, der jahrelang als Grundschule gedient hatte. Als dann das seinerzeit in der Torburg untergebrachte Technische Hilfswerk Stolberg umzog, ergab sich die Möglichkeit, die Burg als Museumsort zu gewinnen.“

So wurde 1983 zum Geburtsjahr des Torburgmuseums, das heute ein wichtiger touristischer Magnet der Kupferstadt ist. „Viele Gäste aus Belgien und den Niederlanden besuchen das Museum – auch weil die Burg insgesamt attraktiver geworden ist“, sagt Fuchs. Als er 2008 den Vorsitz des Fördervereins übernommen habe, sei die Sammlung des Museums noch eher eine zufällige Anhäufung von Exponaten gewesen. „Meine Aufgabe habe ich von Beginn an darin gesehen, das Torburgmuseum zu einem Ort der Wissensvermittlung zu machen“, beschreibt der Vorsitzende.

Was durchaus gelungen ist, wie schon der Aktionsraum zeigt, in dem historische Karten Stolbergs ebenso präsentiert werden wie das Thema „Schule vor 100 Jahren“. Durch den Holzraum mit Drechselbank, Küferwerkzeugen und Modelltischlerei ist der Glasraum zu erreichen. Dort können Besucher sich über die 25 Brauereien, die es einst in der Kupferstadt gab, und die Glasherstellung in Stolberg informieren.

Wissensvermittlung ist auch das Stichwort, wenn der mit Beamer und Leinwand ausgestattete Glasraum zu einem Vortragsraum wird, in dem bis zu 40 Klappstühle aufgestellt werden. Darüber befindet sich der Lederraum mit historischer Schusterei und Sattlerei. Unterhalb des Glasraums wird die Verarbeitung von Kupfer und Messing thematisiert, und eine funktionsfähige Drückbank, ein Schlaghammer und vieles mehr sind zu sehen. Von dort aus geht es aber noch tiefer in den Untergrund.

Besucher können eine betriebsbereite historische Schmiede samt Feilenhauerei entdecken oder sich in einem weiteren Raum dem in Stolberg damals wie heute relevanten Thema Blei nähern. Unter Tage im tiefsten Geschoss warten der Bereich Bergbau und die Mineralien-Abteilung darauf kennengelernt zu werden – in echter Stollen-Atmosphäre.

Kaffee und Kuchen

Die Kombination aus der Fülle historischer Ausstellungsstücke und Themen und dem speziellen Flair des musealen Kleinods fasziniert heimische wie auswärtige Besucher. Die Frage ist, wie lange noch. Denn: „Die Ausgaben des Torburgmuseums übersteigen permanent die Einnahmen“, bedauert Fuchs. Zwar erhalte der Förderverein jährlich einen 1500-Euro-Zuschuss von der Stadt Stolberg, die dem Museum jetzt erstmals auch einen Nachlass bei den Betriebskosten gewährt habe, was zusätzliche 1000 Euro in 2016 ausmache. „Aber, um dieses in der weiteren Region einzigartige Museum erhalten zu können, sind wir weiterhin auf Spenden angewiesen.“

Dazu biete sich vor allem ein Besuch im Museum an, denn Interessierte könnten nicht nur 2 Euro Eintritt zahlen, sondern auch einen Kaffee trinken und Kuchen essen und, wenn der Museumsbesuch gefallen habe, gerne etwas in der Spendendose lassen. Selbstverständlich seien auch Spenden auf die Konten des Fördervereins willkommen, um den Fortbestand des „Museums im Museum“ zu ermöglichen.

Doch Fuchs wirbt nicht nur um finanzielle Unterstützung. „Wir freuen uns über Ehrenamtler, die sich einbringen und unser freundschaftliches Team ergänzen möchten“, sagt er. Helferinnen in der Kaffeestube seien ebenso willkommen wie Interessierte, die Ausstellungen und Vorträge mitorganisieren möchten. „Und toll wäre es, wenn handwerklich versierte Menschen ihre Fähigkeiten in dem historischen Kontext des Museums demonstrieren würden“, beschreibt Fuchs mit Blick auf das Weben und Spinnen von Textilien, den Holzraum, die Schmiede, Kupfer- und Messingverarbeitung im Metallraum und die Schusterei unter dem Dach des Torburgmuseums.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert